Aktualisiert 14.07.2015 07:44

Boot in Not

«Sie holten 117 Flüchtlinge in unser Schiff»

Die griechische Marine hat in der Nacht auf Sonntag 117 Flüchtlinge gerettet, indem sie sie auf ein Kreuzfahrtschiff brachte. Eine Schweizer Augenzeugin berichtet.

von
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Die Flüchtlinge wurden auf das Kreuzfahrtschiff Island Princess geholt.

Die Flüchtlinge wurden auf das Kreuzfahrtschiff Island Princess geholt.

Jean-Philippe Boulet / Wikipedia
Mitten in der Nacht wurden die Flüchtlinge gerettet.

Mitten in der Nacht wurden die Flüchtlinge gerettet.

Vor Ort: Die griechische Marine im orangen Boot.

Vor Ort: Die griechische Marine im orangen Boot.

«Dieses Erlebnis werde ich nie vergessen», sagt Madlaina M.* aus Zürich. Die 25-Jährige ist mit ihrem Freund auf dem Kreuzfahrtschiff Island Princess auf dem Weg von Venedig nach Istanbul. «Unser Schiff befand sich vor Griechenland und wir waren gerade beim Essen, als der Kapitän gegen 22 Uhr sagte, dass irgendetwas auf dem Radar erschienen sei», so M. «Vielleicht sei ein Schiff in Not.» Plötzlich sei ihr Kreuzschiff langsamer geworden.

Schiff war extrem überfüllt

Als man dem «Ding» vor der griechischen Insel Zakinthos nähergekommen sei, sei ein sehr schönes Segelschiff erkennbar geworden. «Es hiess, es seien rund 20 Personen auf dem Schiff», so M. Das Schiff sei jedoch «extrem überfüllt» gewesen. «Wir konnten ihnen aber nicht helfen, bis die griechische Marine kam.» Erst als diese eintraf, habe man begonnen, die Flüchtlinge ins Kreuzfahrtschiff zu holen.

Gegen 4 Uhr seien dann rund 117 Personen – Kinder, Frauen und Männer – auf ihrem Schiff gewesen. «Man sagte uns, dass es Flüchtlinge aus Syrien sind, die eigentlich nach Italien wollten, aber vom Weg abgekommen sind», so M. Laut ihr hatten die Flüchtlinge relativ grosse Rucksäcke dabei und waren anständig gekleidet. Sie habe sich jedoch nicht mit ihnen unterhalten: «Wir waren oben, und sie hielten sich in der unteren Etage auf. Die Crew des Kreuzfahrtschiffs liess keine Begegnungen zu.»

Danach sei das Schiff nach Katakolo (Griechenland) gefahren. Dort habe man die syrischen Flüchtlinge auf kleineren Booten zum Hafen bringen wollen. «Viele haben sich aber partout geweigert, das Kreuzfahrtschiff zu verlassen», so M. Die 25-Jährige vermutet, dass die Syrier lieber nach Italien wollten, da die Situation in Griechenland im Moment auch sehr kritisch ist. Schliesslich hätten aber alle Flüchtlinge das Schiff verlassen.

«Es ist unheimlich»

Ihre Reise nach Istanbul wurde nicht fortgesetzt: «Durch die Rettung haben wir zu viel Zeit verloren», so M. Das mache aber nichts, sie seien nun auf der paradiesischen Insel Santorini. Ihre Gedanken seien aber bei den syrischen Flüchtlingen: «Es war stürmisch und hohe Wellen hatten das Segelschiff erfasst. Sie wären sicher untergegangen, wären sie nicht entdeckt worden», so M.

Das Erlebnis hat sie bewegt: «Man hört immer von diesen Flüchtlingswellen, wenn man es aber live miterlebt, ist es unheimlich und es geht einem sehr nahe», so M. «Ich frage mich, wie es mit ihnen nun weitergehen wird.»

*Name der Redaktion bekannt.

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