Mordende Schwester: Sie inspirierte Stephen King zu «Misery»
Aktualisiert

Mordende SchwesterSie inspirierte Stephen King zu «Misery»

Genene Jones soll Stephen King die Vorlage zu «Misery» geliefert haben: Die Krankenschwester verletzte Babys, um sie zu «retten». 1984 wurde sie verurteilt, doch nun sucht die USA erneut nach ihren Opfern.

von
phi
Kathy Bates (rechts) gewann für ihre Rolle in «Misery» einen Oscar. Sie spielt Krankenschwester Annie Wilkes, die einen verunfallten Autoren grausam «in Pflege nimmt». Regisseur Rob Reiner sagte, Genene Jones (links) habe Autor Stephen King zu seinem Erfolgsroman inspiriert.

Kathy Bates (rechts) gewann für ihre Rolle in «Misery» einen Oscar. Sie spielt Krankenschwester Annie Wilkes, die einen verunfallten Autoren grausam «in Pflege nimmt». Regisseur Rob Reiner sagte, Genene Jones (links) habe Autor Stephen King zu seinem Erfolgsroman inspiriert.

Der Fall von Genene Jones, die seit 29 Jahren in einem US-Gefängnis sitzt, diente Stephen King als Inspiration für seinen Roman «Misery». Nun gerät die Kinderkrankenschwester wieder in den Fokus der Öffentlichkeit.

Obwohl sie wegen Mord an einem Säugling zu 99 Jahren Haft verurteilt worden ist, muss sie aufgrund einer besonderen Gesetzessituation im Februar 2018 entlassen werden. Nun versuchen Angehörige, der 63-Jährigen weitere Morde anzulasten, damit sie hinter Gittern bleibt. Sie glauben, dass Jones bis zu 46 Babys umgebracht hat.

Der «Misery»-Trailer. Quelle: YouTube/wormontheweb

Das Schauermärchen beginnt 1977, als Genene Anne Jones mit 27 Jahren im Spital von Bexar County eingestellt wird. Das Krankenhaus liegt bei San Antonio in Texas. Nach einem Jahr fängt sie an, Säuglinge zu verletzen, so Staatsanwalt Ron Sutton. Das Motiv: die Sehnsucht nach Anerkennung. Erst injiziert die Schwester nach Überzeugung des Ermittlers den Babys Stoffe wie Heparin oder Digoxin, um sie danach zu «retten».

Erst nach Jahren fällt einer Kollegin von Jones auf, dass etwas nicht stimmt. «Die Kindersterblichkeitsrate war 1981 deutlich höher als in den Vorjahren», erinnert sich Cheryl Pendergraph im Gespräch mit dem US-Sender ABC. «Die meisten Toten gab es in der Schicht von Genene Jones.»

«Sie kamen unter so unglücklichen Umständen ums Leben»

Joyce Riley, damals Beraterin in dem Spital, ergänzt: «Die Art, auf die die Babys starben, war sehr ungewöhnlich. Sicher, die Kinder waren bereits krank, denn sie waren ja auf der Pädiatrie. Aber sie kamen unter sehr unglücklichen Umständen ums Leben.» Sie bestätigt: Immer habe es die kleinen Patienten erwischt, für die Jones verantwortlich war.

Zum Beispiel die 15 Monate alte Chelsea McClellan. Die Krankenschwester gibt dem Baby 1982 Suxamethonium, das die Muskeln des Kindes erschlaffen lässt, bis die Lunge kollabiert. «Ich hielt Chelsea, sie sah mich an», beschreibt Mutter Petti die Tragödie. «Jones gab ihr die erste Ladung in den linken Oberschenkel. Chelsea hatte sofort Mühe zu atmen. Sie versuchte noch, meinen Namen zu sagen, aber sie konnte nicht. Ich war völlig erschüttert.»

Zwischen 11 und 46 tote Babys

Staatsanwalt Sutton lässt Jones verhaften und vor Gericht stellen. Neben der Tötung Chelseas wird ihr der versuchte Mord an einem Jungen nachgewiesen, dem sie den Blutverdünner Heparin gespritzt hat. Am 14. Mai 1984 wird sie zu insgesamt 99 Jahren Haft verurteilt, obwohl die Ermittlungen noch gar nicht abgeschlossen sind. Die Polizei geht damals von elf bis 46 Opfern aus. «Das kann ich bestätigen», sagt Sutton.

Durch einen juristischen Sonderfall muss Jones jedoch nicht die volle Strafe absitzen. Vor 1977 wurde in Texas ein Gesetz erlassen, das Sträflingen nach einer gewissen Zeit eine Bewährung garantiert. Voraussetzung ist gute Führung – also Arbeit im Gefängnis und der Besuch von Schulungen. Gewalttäter wurden vom Mandatory Supervision Law erst 1987 ausgenommen. Für Jones gilt die Erleichterung: Sie muss am 24. Februar 2018 entlassen werden.

«Ich war perplex, traurig und so, so wütend»

Patti McClellan erfährt diese Nachricht von ihrem Kongressabgeordneten. «Ich war perplex, traurig und so, so wütend. So wütend war ich nicht mehr, seit Chelsea gestorben ist. Nicht nur für mich und meine Familie, sondern alle, die gelitten haben. Es gab noch so viel mehr Betroffene.» McClellan, Staatsanwalt Sutton und andere wollen jetzt dafür sorgen, dass die Mörderin nicht freikommt.

Zu ihnen gehört Patienten-Anwalt Andy Kahan. «Wir müssen einen anderen Fall, ein anderes Opfer finden, dessen Tod wir mit klaren Beweisen zur Anklage bringen können.» Das Problem: Das Spital, das sich heute The University Hospital of San Antonio nennt, hat laut Kahan die meisten Akten vernichtet. Nun versucht die Gruppe, über Medien und soziale Netzwerke Betroffene ausfindig zu machen: Die Facebook-Gruppe heisst «Victims of Genene Anne Jones».

«Sie wird wieder töten», warnen Petti McClellan und Andy Kahan im US-Sender «Fox». Quelle: YouTube/foxnewstest

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