Asiana-Stewardess: Sie ist die Heldin von San Francisco
Aktualisiert

Asiana-StewardessSie ist die Heldin von San Francisco

Lee Yoon Hye war Flugbegleiterin auf der Unglücksmaschine, die am Samstag bei der Landung crashte. Geistesgegenwärtig organisierte sie die Evakuierung – und ging als Letzte von Bord.

von
kmo
«Ich habe keine Sekunde nachgedacht, ich habe einfach gehandelt»: Flugbegleiterin und Heldin Lee Yoong Hye.

«Ich habe keine Sekunde nachgedacht, ich habe einfach gehandelt»: Flugbegleiterin und Heldin Lee Yoong Hye.

Für ihr professionelles Handeln nach dem Absturz der Asiana-Maschine werden die zwölf Flugbegleiter und Flugbegleiterinnen als Helden bejubelt. Allen voran Lee Yoon Hye, die an einer Pressekonferenz südkoreanischen Journalisten von den dramatischen Momenten erzählte.

Schon als sich das Flugzeug noch im Landeanflug befand, spürte die erfahrene Flugbegleiterin, dass etwas nicht stimmte, wie «CNN» schreibt. Dann gab es einen Knall und die Maschine prallte heftig auf den Boden. Lee, seit 18 Jahren als Flugbegleiterin bei der südkoreanischen Airline, wusste sofort: «Das war nicht einfach eine harte Landung.»

Die Boeing 777 schlitterte gegen den Rand der Landebahn und zog eine Rauchwolke hinter sich her, Funken sprühten. Das Heck und weitere Teile der Maschine brachen ab, als das Flugzeug in den Boden rammte – und endlich stehen blieb.

Bruchpilot hatte kaum Erfahrung mit der 777

«Ich habe das Feuer einfach gelöscht»

Danach handelte Lee. «Ich habe keine Sekunde nachgedacht», erzählt sie den Reportern. Sie holte sich das OK vom Kapitän und leitete die Evakuierung ein. Gleichzeitig griff sie nach dem Feuerlöscher und bekämpfte Brände. «Ich dachte nicht daran, ob das Feuer gefährlich sei, ich habe es einfach gelöscht.»

Den anderen elf Flugbegleitern erging es nicht anders. Sie halfen den Passagieren und versorgten Verletzte. Sie nahmen eine Axt und zerstörten die Notfallrutsche, die sich bei der Bruchlandung fälschlicherweise im Innern der Maschine ausgebreitet hatte, und befreiten ein Crewmitglied, das darunter zu ersticken drohte. Mit einem Küchenmesser liessen sie die Luft aus einer zweiten Notfallrutsche und befreiten einen weiteren Kollegen.

Junge auf den Rücken geschnallt

Und sie ermunterten die verängstigten Passagiere, über die korrekt aufgegangenen Rutschen ins Freie zu springen. Manche brauchten besondere Unterstützung. So etwa ein Junge im Grundschulalter, den sich eine beherzte Stewardess kurzerhand auf den Rücken packte und mit ihm aus dem Flugzeug rutschte.

Der letzte Mensch, der das brennende Flugzeug verliess, war Lee Yoong Hye. Aber nicht, ohne zuerst einen Blick zurück zu werfen. «Die Decke kam runter, es fühlte sich an, als ob etwas den Flieger auseinanderreissen würde», erinnert sie sich. «Ich konnte überhaupt nichts mehr sehen, es war wie eine Mauer».

Sie hatte keine Ahnung, dass die Flammen den Jet beinahe verschlungen hätten, nur wenige Augenblicke, nachdem sie ihn schliesslich verliess. Als Letzte.

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