Nina Käsehage: Sie ist die Jihadisten-Flüsterin
Publiziert

Nina KäsehageSie ist die Jihadisten-Flüsterin

Ihr soll über Nacht gelingen, wofür andere Monate brauchen: Religionswissenschaftlerin Nina Käsehage will schon Dutzende Salafisten von der Reise nach Syrien abgehalten haben.

von
gux
Nina Käsehage: Hat sie 35 jihadistische Salafisten von der Reise nach Syrien abgehalten?

Nina Käsehage: Hat sie 35 jihadistische Salafisten von der Reise nach Syrien abgehalten?

Screenshot Youtube/Maybrit Illner

Nina Käsehage muss sehr intelligent sein. Zwölf Sprachen soll sie sprechen, darunter Russisch, Türkisch, Hebräisch und Japanisch. Das komplizierte Tschetschenisch mit seinen 13 Fällen brachte sie sich selbst bei, in nur viereinhalb Monaten, wie sie sagt.

Diese Sprache brauchte sie, als sie für ihr Buch «Jihad als Ausweg» Interviews mit tschetschenischen Kämpferinnen führte, ohne einen Dolmetscher, wie das Magazin «Der Spiegel» schreibt.

Wie sie das bewerkstelligte, lässt die Religionswissenschaftlerin und Historikerin allerdings ebenso unbeantwortet wie die Frage, wie sie in Kontakt mit den Kämpferinnen aus dem Nordkaukasus gekommen ist oder wo und wann sie die Interviews geführt hat.

«Unglaubliche Geschichten»?

Käsehage beharrt darauf, dass ihr Vorgehen «wissenschaftlich eindeutig abgesichert» sei. Zudem verweist sie auf den Abschluss ihrer noch nicht abgeschlossenen Promotion, für die sie offenbar 175 Salafisten im In- und Ausland befragte. Dort sind wohl auch die Abschriften der Interviews mit den tschetschenischen Kämpferinnen enthalten, die die offenen Fragen zum Wie, Wann und Wo beantworten sollen.

Die 38-Jährige trat schon mehrmals in TV-Talkshows wie «Maybrit Illner» auf und gibt regelmässig Interviews, in denen sie ihre «unglaublichen Geschichten» erzählt, schreibt der «Spiegel».

35 Salafisten von Ausreise abgehalten?

«Unglaublich» findet das Magazin vor allem eines: Käsehage behauptet, dass sie bereits 35 Salafisten davon abhalten konnte, nach Syrien in den Krieg zu reisen. Dies in langen Gesprächen, die zum Teil «bis in die frühen Morgenstunden» gingen. Das sei unglaubwürdig, man könne jemanden nicht «über Nacht» von einer Ausreise abbringen, meint Claudia Dantschke, die in der Berliner Beratungsstelle Hayat seit Jahren mit jungen Salafisten und deren Eltern arbeitet. Sie weiss, wie zeitintensiv Anti-Radikalisierungsarbeit ist und wie unsicher der Erfolg.

Auch mehrere Islam- und Terrorforscher setzen Fragezeichen hinter die Arbeit der selbsternannten Salafisten-

Bekehrerin. «Das widerspricht hinsichtlich der Zahl, Dauer und Erfolgsquote allen Erfahrungen der Sicherheitsbehörden in Deutschland und Westeuropa», meint der Bremer LKA-Leiter Daniel Heinke. Islamwissenschaftler Behnam Said empfiehlt «einen Faktencheck», und Nahostexperte Guido Steinbrück wundert sich nicht, wenn im Millionenmarkt der zahlreichen Deradikalisierungsprojekte «auch Scharlatane und Leichtgewichte» mitmischen.

Das «Spiegel»-Magazin sprach natürlich auch selbst mit Käsehage. Sie habe aber das Interview nach kritischen Fragen abgebrochen.

Deine Meinung