Sie kam, sah und siegte
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Sie kam, sah und siegte

Saruulka Mamut siegte gegen Herren und die gleichaltrigen Girls sowieso. Das Tischtennistalent verlor kein einziges Spiel und lässt Fachleute staunen. Wohl nicht mehr lange.

Das kleine Mädchen stand plötzlich da, eines Abends, in der Turnhalle Breiti. An der einen Hand hielt sie ihren Vater, in der anderen einen Tischtennisschläger. Sie konnte kaum ein Wort Deutsch, aber als Miro Faas Minuten später zum ersten Mal dem kleinen Mädchen ein paar Bälle zuspielte, wusste er: «Viele Worte brauche ich da nicht zu sagen.»

An die erste Begegnung mit dem damals 11-Jährigen Mädchen kann sich Faas gut erinnern. Der Tischtennistrainer des TTC Embrach war der erste Lehrmeister von Saruulka Mamut, dem kleinen Mädchen, das mit ihrem Vater aus der Mongolei in die Schweiz flüchtete, nachdem die Mutter gestorben war. Faas sagt: «Ich war schon ziemlich überrascht von ihrem Können.»

Saruulka gilt als grosses Tischtennistalent. Den Beweis hat sie bereits in ihrer ersten Saison beim TTC Embrach erbracht: Sie verlor kein einziges Spiel – auch nicht gegen Herren, die vom Alter her ihre Väter sein könnten. Für den Vorstand des TTC Embrach war deshalb schnell klar: Wenn sie etwas erreichen will, muss sie den Klub wechseln. Saruulka wurde nach Kloten geschickt. Der Klub ist bekannt für eine starke Juniorenabteilung – und für leistungsbezogenere Trainings, als dies beim Embracher Dorfverein der Fall ist. Fortan trainierte die 13-Jährige dreimal pro Woche in Kloten und einmal bei ihrem Stammverein in Embrach. Auch in der Flughafengemeinde staunte man über das neue Talent Bauklötze. «Sie hat den Mädchen ziemlich schnell gezeigt, wo Bartli der Most holt», sagt der Nachwuchsverantwortliche Bruno Schmid. Und Markus Baumann, Trainer in Kloten und der U-13 Nationalmannschaft prognostizierte bereits vor den ersten nationalen Titelkämpfen von Saruulka: «Dieses Mädchen wird Gold holen.»

Er sollte Recht behalten. Das Mädchen dominierte im April ihre Altersklasse praktisch nach Belieben. Mit zwei Gold- (Einzel- und Doppel) und einer Silbermedaille (Mixed) verblüffte sie die gesamte Schweizer Tischtennisszene. Für den TTC Embrach, den sie an den Titelkämpfen vertrat, waren es die ersten Medaillen an einer Schweizermeisterschaft überhaupt. Klar, dass man in der von internationalem Erfolg nicht eben reich gesegneten Schweizer Tischtennisgemeinde grosse Hoffnungen auf bessere Zeiten hegte. Und Saruulka machte mit ihrem Talent und ihrem Ehrgeiz alle Hoffnungen auf eine rosige Zukunft: «Ich möchte Tischtennisprofi werden und die Schweiz an den Olympischen Spielen vertreten.» Letzteres dürfte wohl für immer ein Traum bleiben.

Denn so schnell der Komet Saruulka am Schweizer Tischtennishimmel aufstieg, so schnell dürfte er auch wieder weg sein. Saruulka Mamut und ihr Vater sitzen momentan im Zürcher Asylzentrum Juch. Das Asylgesuch der Familie wurde abgelehnt, die Ausschaffung in die Mongolei wird immer wahrscheinlicher. Der nationale Verband Swiss Table Tennis hat mittlerweile beim Bundesamt für Migration ein Wiedererwägungsgesuch eingereicht. Kampflos gibt sich der Tischtennisverband also nicht geschlagen. Dieses Talent will man unbedingt behalten.

(meg)

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