Die letzten Stunden: Sie kamen im Schutz der Dunkelheit
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Die letzten StundenSie kamen im Schutz der Dunkelheit

40 Minuten brauchte das US-Sonderkommando, um den meistgesuchten Mann der Welt zu töten. Die Vorbereitungen dauerten ungleich länger. Ein Bote wurde Bin Laden zum Verhängnis.

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meg/feb/erf

Die US-Spezialkräfte kamen im Schutz der Dunkelheit, um das Versteck von Al-Kaida-Chef Osama Bin Laden zu stürmen. Nach Angaben aus Regierungskreisen in Washington landete eine «kleine Einheit» in der Nacht zum Montag mit zwei Helikoptern auf einem abgeschirmten Anwesen in Abbottabad. Abbottabad ist eine Stadt mit 100 000 Einwohnern und liegt im Vorgebirge des Himalayas, nur rund 50 Kilometer von der Hauptstadt Islamabad entfernt.

Die Einheimischen wurden offenbar kurz vor dem Sturm auf Bin Ladens Wohnsitz angehalten, ihre Wohnungen nicht mehr zu verlassen und die Lichter zu löschen, berichtet BBC. Kurz darauf seien die ersten Schüsse gefallen.

Hier wurde Osama Bin Laden getötet

Etwa 40 Minuten dauerte die riskante Kommandoaktion, bei der der meistgesuchte Terrorist der Welt getötet wurde. Es ist der 2. Mai 2011.

Bin Laden lebte neben einer Militärakademie

Der TV-Sender CNN berichtete, dass Bin Laden nach einem längeren Feuergefecht durch einen Kopfschuss gestorben sei. Ein Mitglied des pakistanischen Geheimdiensts sagte, er wisse nicht, wer den tödlichen Schuss auf den Chef der Terrorzelle abgegeben habe.

Der Gründer und Chef des Terrornetzwerks Al Kaida versteckte sich nicht wie oft vermutet in einer Höhle im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet vor den USA, die Bin Laden seit den Anschlägen vom 11. September 2001 weltweit jagten. Er verschanzte sich in einer herrschaftlichen Residenz in Abbottabad.

Das Haus soll rund eine Million Dollar wert sein. Das Anwesen sei von bis zu vier Meter hohen Mauern umgeben, die zudem mit Stacheldraht gesichert waren und mit Videokameras überwacht wurden. Der Bau hat sich nur rund 800 Meter entfernt von einer pakistanischen Militärakademie befunden. Bin Laden war sehr vorsichtig. Laut der «New York Times» stellten seine Leute den Müll nicht vor die Tür, sie verbrannten ihn. Wie die Nachrichtenagentur AP meldet, gab es weder Telefon- noch Internetleitungen zu dem Anwesen.

Ein Al-Kaida-Bote brachte die Geheimdienste auf Bin Ladens Spur

Der Komplex sei vor fünf Jahren in Abbottabad errichtet worden. Pikant: In der von Bergen umgebenen Stadt leben viele Generäle. Im Spätsommer 2010 habe es erste Hinweise darauf gegeben, dass sich Bin Laden hier aufhalten könnte. Auf die Spur kamen die US-Geheimdienste dem Al-Kaida-Chef demnach über einen Al-Kaida-Boten, den sie bereits seit einiger Zeit überwachten. Die CIA verfolgten ihn rund fünf Jahre. Gefangene - laut der «New York Times» Guantánamo-Insassen - hatten zuvor in Verhören erklärt, der Kurier sei ein enger Vertrauter Bin Ladens und es sei sehr wahrscheinlich, dass er beim Al-Kaida-Führer wohne.

Bin Laden setzte Boten zur Kommunikation ein. Sie übermittelten seine Botschaften mittels Zetteln. In den letzten Wochen sollen die Amerikaner genug Informationen gehabt haben, um zuzuschlagen. Am 29. April genehmigte US-Präsident schliesslich die gezielte Tötung Bin Ladens.

Bei der Kommandoaktion wurden neben Bin Laden drei weitere Männer und eine Frau getötet. Bei den Männern habe es sich offenbar um einen Sohn Bin Ladens sowie zwei Boten gehandelt. Die Frau sei erschossen worden, als einer der Männer hinter ihr in Deckung gegangen sei. Ausserdem seien zwei weitere Frauen verletzt worden.

Der Einsatz des Sonderkommandos wurde live ins CIA-Hauptquartier nach Lanley, Virginia, übertragen. Dies sagte ein Regierungsvertreter. Dort verfolgten CIA-Chef Leon Panetta und weitere Geheimdienstler die 40-minütige Aktion. «Als klar war, dass der Einsatz ein Erfolg war, gab es von den CIA-Leuten einen ziemlich kräftigen Applaus», gab der Sprecher zu Protokoll.

«Das war ein besonders gefährlicher Einsatz», sagte ein ranghoher US-Vertreter, der namentlich nicht genannt werden wollte. Mehrere Frauen und Kinder hätten sich zum Zeitpunkt des Zugriffs in dem Anwesen befunden.

Amerikaner zerstörten eigenen Helikopter

Die US-Spezialkräfte blieben unverletzt. Allerdings sei einer der beiden Helikopter wegen einer «mechanischen Panne» ausgefallen und deshalb zerstört worden, hiess es. Beim Rückzug habe die gesamte Einheit mit dem verbliebenen Helikopter ausgeflogen werden müssen - samt der Leiche Bin Ladens. Um sicher zu sein, dass es sich beim Toten um Bin Laden handelt, wurde laut US-Informationen eine DNA-Analyse gemacht.

Die US-Regierung gab zunächst nicht bekannt, welche Spezialkräfte genau den Einsatz ausführten. Der TV-Sender ABC berichtete allerdings, es habe sich um rund 25 Soldaten der Eliteeinheit Navy Seals gehandelt. (meg/feb/erf/sda)

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