Breitenbach SO: «Sie kamen mit gezogenen Waffen auf mich zu»
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Breitenbach SO«Sie kamen mit gezogenen Waffen auf mich zu»

Adrian F.* wurde kürzlich Zeuge einer bewaffneten Verhaftung durch Zivilpolizisten. Er sagt, er sei mitten hineingeraten. Das Ereignis hat Spuren hinterlassen.

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Adrian F.* (47) wurde am 17. Februar Zeuge einer bewaffneten Verhaftung in Breitenbach SO. Der Vorfall hat beim Vater einer zehnjährigen Tochter Spuren hinterlassen.

Adrian F.* (47) wurde am 17. Februar Zeuge einer bewaffneten Verhaftung in Breitenbach SO. Der Vorfall hat beim Vater einer zehnjährigen Tochter Spuren hinterlassen.

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Die Beamten waren in Zivil. F. habe zunächst gar nicht gewusst, dass es sich um Polizisten gehandelt habe. (Symbolbild)

Die Beamten waren in Zivil. F. habe zunächst gar nicht gewusst, dass es sich um Polizisten gehandelt habe. (Symbolbild)

AP/Bernat Armangue
Die Zielperson habe sich hinter ihm auf der Brücke befunden. Die Polizisten seien mit gezogenen Waffen auf ihn zu und dann an ihm vorbeigegangen.

Die Zielperson habe sich hinter ihm auf der Brücke befunden. Die Polizisten seien mit gezogenen Waffen auf ihn zu und dann an ihm vorbeigegangen.

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«Wieso musste ich gerade dann dort durchlaufen?» fragt sich Adrian F.* aus Breitenbach SO immer wieder. Am Nachmittag des 17. Februars geriet der 47-jährige Vater auf der Fussgängerbrücke des Rechenmachergässli in eine bewaffnete Verhaftung, wie er sagt. «Männer in Zivil kamen mit gezogenen Waffen auf mich zu. Ich wusste zunächst gar nicht, dass es Polizisten sind. Ich stand einen Meter neben der Schusslinie», erzählt er. Die Augen der Männer seien aber nicht auf ihn fokussiert gewesen, sondern auf eine Person hinter ihm, die sich mitten auf der kleinen Brücke befunden habe, erinnert sich F.

«Ich habe Panik bekommen», so der Mann. Er könne sich noch genau an das knallrote Gesicht der Zielperson erinnern. «Das werde ich nie vergessen», sagt er. Die Verhaftung selber habe er aber nicht mitbekommen, weil er so schnell wie möglich nach Hause gegangen sei. «Ich muss immer an meine zehnjährige Tochter denken. Sie läuft dort regelmässig durch. Was, wenn sie in die Situation geraten wäre?» fragt er sich.

Aargauer griffen im Solothurn zu

Noch am selben Abend wandte sich F. an die Solothurner Polizei. Diese habe den Einsatz bestätigt, mehr aber auch nicht. Er fühle sich im Stich gelassen. Gegenüber 20 Minuten bestätigt Polizeisprecher Thomas Kummer die Verhaftung auf Anfrage, verweist aber auf die Aargauer Kantonspolizei, die den Einsatz durchgeführt habe. Demnach erfolgte die Verhaftung im Rahmen einer Strafuntersuchung der Aargauer Staatsanwaltschaft. Es gehe um bewaffnete Raubüberfälle, wie auf Anfrage zu erfahren war.

Roland Pfister, Sprecher der Kantonspolizei Aargau, gibt an, dass vor dem Zugriff der Polizisten ein Passant vorbeigegangen sei. Beim Zugriff habe sich aber «keine Drittperson dazwischen» sondern «bereits hinter den agierenden Polizisten» befunden und sei danach nicht mehr vor Ort gewesen.

Kommt noch ein Kontakt zustande?

Damit konfrontiert hält F. weiter an seiner Sicht der Dinge fest. «Ich kann nicht verstehen, dass es abgestritten wird. Das macht mich noch mehr kaputt», sagt er. Er wolle den Polizisten nichts Böses, aber wenigstens eine Entschuldigung habe er sich erhofft.

«Wenn die Person vor Ort nicht mehr anzutreffen ist, macht es das schwierig», erklärt Pfister weiter. Hätte sich F. dort gemeldet, hätte man ihm helfen können. «Da haben wir eine Sorgfaltspflicht», so Pfister.

Doch F. war vor Ort nicht in der Lage, Kontakt mit den Beamten aufzunehmen, wie er sagt. Denkbar auch, dass die überkantonale Natur des Einsatzes die Kommunikation noch erschwert hat. Darum bittet Pfister F., sich direkt bei der Medienstelle oder dem Polizeikommando der Kantonspolizei Aargau zu melden. «Wir können über die Situation sprechen und anderweitig Hilfe – wie ein Care-Team – aufbieten», so der Sprecher.

Solche Aktionen sind selten

«Es ist in der Schweiz sehr selten, dass die Polizei eine Person mit gezückter Waffe festnimmt», sagt Markus Mohler, Sicherheitsexperte und ehemaliger Kommandant der Kantonspolizei Basel-Stadt. Nach den Schilderungen hätten die Polizisten davon ausgehen müssen, dass die Zielperson sehr gefährlich sei und jederzeit Gebrauch von einer Schusswaffe habe machen können. Die Androhung der Waffengewalt ist laut Mohler eines der äussersten Mittel, in einer solchen Situation jedoch legal und legitim, um die gefährliche Person von der «Aussichtslosigkeit» einer Gegenwehr zu überzeugen.

Die Polizei könne sich die Situation nicht aussuchen, erklärt Mohler weiter. Der Staat habe eine Schutzpflicht und müsse handeln, wenn von einer Person eine Gefahr ausgehe und die Polizei davon Kenntnis habe. Einer unbeteiligten Drittperson in der Nähe sei es aber nicht zu verübeln, wenn sie die Situation selber als eine gewisse Bedrohung wahrgenommen habe.

*Name der Redaktion bekannt

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