Knox nach Knast: Sie kannte weder Twitter noch Bieber
Aktualisiert

Knox nach KnastSie kannte weder Twitter noch Bieber

Sie harrte zwei Jahre in italienischer Haft aus. Nun, zurück in den USA, lanciert Amanda Knox ein Buch über diese Zeit. Sie beteuert «Ich bin keine Mörderin!» und erzählt, wie sie am Stiefel die Sexualität entdeckte.

von
gux

In einem emotionalen Interview mit dem «People Magazine» hat Amanda Knox im Haus ihrer Mutter in Seattle über ihre Zeit im italienischen Gefängnis und ihre Zukunft gesprochen. Auch in diesem Interview beteuerte sie: «Ich bin keine Mörderin!»

Knox war am 5. Dezember 2009 zusammen mit ihrem damaligen Freund Raffaele Sollecito des Mordes an der Austauschschülerin und WG-Partnerin Meredith Kercher für schuldig befunden worden. Zwei Jahre sprach sie ein Berufungsgericht frei.

«Ich entdeckte meine Sexualität»

Als sie nach der Haft wieder in die USA gereist sei, sei sie zusammengebrochen. «Ich war in mir selbst gefangen», so Knox. Neuheiten wie den Nachrichtendienst Twitter oder Computer mit Touch-Screens hätten sie überfordert, zumal sie diese Dinge nicht gekannt habe. Auch populäre Stars und Sternchen seien ihr unbekannt gewesen. «Ich fragte meine Familie: Wer ist Justin Bieber?»

Ihre Mutter Edda habe sie zu einem Psychologen geschickt, damit sie im Alltag wieder Tritt fassen konnte. Aber auch Gespräche mit Freunden und Familie hätten ihr enorm geholfen. Vor dem Albtraum in Italien sei sie ein sehr unsicherer Teenager gewesen. Sie sei nach Perugia gereist, um selbstständiger zu werden und Erfahrungen auch mit Männern zu sammeln: «In dieser Zeit entdeckte ich meine Sexualität», so Knox zurückblickend.

Kein Kontakt mit Familie des Mordopfers

Dem «People Magazine» verriet Knox auch, wie sie sich ihre Zukunft vorstellt: Sie träumt von einer Heirat mit ihrem Freund, dem Musiker James Terrano, und von Kindern. «Ich weiss, was es bedeutet, eine gute Mutter zu sein, denn ich habe selbst eine. Ich wünsche mir, auch so zu sein », so Knox. Nach ihrem Abschluss an der Universität von Washington will Knox aber erstmal wieder reisen – auf dem amerikanischen Kontinent. Sie plant einen Trip nach Ecuador.

Über ihre Zeit im Gefängnis hat Knox ein Buch geschrieben, das kommende Woche herauskommt. Auch im Interview mit dem «People Magazine» erzählt sie von der prägenden Erfahrung: «Manchmal dachte ich darüber nach, wie ich mich am friedlichsten umbringen könnte. Ich hätte meine Adern aufgeschlitzt und die Dusche angestellt, so dass der Wärter mich durch den Dunst nicht gesehen hätte.» Sie sei sehr einsam gewesen in dieser Zeit und habe Stunden damit verbracht, ihr Foto-Album anzusehen und die Gesichter der Menschen zu streicheln.

Knox hat nie Kontakt zur Familie von Mordopfer Kercher aufgenommen, «aus rechtlichen Gründen», wie Knox sagt. Auch habe sie sich der trauernden Familie nicht aufdrängen wollen. Die Kerchers hatten wiederholt erklärt, dass sie Knox auch nach dem Freispruch vom 3. Oktober 2011 des Mordes an ihrer Tochter verdächtigen.

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