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Gewaltexzess in München«Sie können es nicht auf den Alkohol schieben»

Die drei jugendlichen Schläger von München hatten bei ihren brutalen Taten weniger als ein Promille Alkohol im Blut. Sie waren damit keineswegs enthemmt während des Gewaltexzesses, sondern brachten laut den Ermittlern ein «gehöriges Aggressionspotenzial» mit.

von
amc

«Der Alkohol hat sie vollkommen enthemmt»: Für den Anwalt von Mike B. war klar, dass ein übermässiger Alkoholkonsum zum Gewaltexzess der drei Küsnachter Schüler geführt hat. Anders könne er sich nicht erklären, wie es zum «Komplett-Ausraster» gekommen sei, sagte Florian Schneider noch am Wochenende gegenüber der «SonntagsZeitung».

Nur zwei Tage später ist alles anders: Die drei 16-Jährigen standen zwar unter dem Einfluss von Alkohol, waren aber, mit einem Blutalkoholwert von weniger als einem Promille, nicht schwer betrunken gewesen, wie Christoph Reichenbach, Sprecher der Münchner Polizei, am Dienstag auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA sagte. «Sie können ihre Taten nicht auf den Alkohol schieben», so Reichenbach weiter. Unabhängig vom Alkohol sei somit ein «gehöriges Aggressionspotenzial» im Spiel gewesen.

Anwalt legt Mandat nieder

Aber das ist längst nicht alles: Am Dienstagnachmittag wurde bekannt, dass Florian Schneider sein Mandat als Rechtsvetreter von Mike B. niedergelegt hat (20 Minunten Online berichtete). «Ich vertrete die Interessen von Mike B. nicht mehr», so Schneider gegenüber 20 Minuten Online. Ob der Rechtsanwalt sein Mandat auf eigenen Wunsch niederlegte oder ob die Familie von Mike B. sich zu diesem Schritt entschied, wollte Schneider nicht mitteilen.

Sicher ist: Am Dienstagmorgen fand die Akteneinsicht für die Rechtsvertreter statt. Hat der Blutalkoholwert und die Akteneinsicht den Rechtsanwalt womöglich ernüchtert? Am Wochenende hatte sich Schneider jedenfalls noch geäussert, dass sein Mandant Reue zeige und dem Opfer einen Entschuldigungsbrief schicken wolle. Mindestens letzteres hat er bis Dienstag noch nicht. (amc/sda)

Schweizer Schüler prügeln in München

Drei Schüler aus dem Kanton Zürich sitzen seit Mittwoch, 1. Juli, in München in Untersuchungshaft. Sie werden des versuchten Mordes und der schweren Körperverletzung beschuldigt. Am Abend zuvor tranken und kifften sie und gingen danach wahllos auf Passanten los. Einen verletzten sie lebensgefährlich. Die Jugendlichen befanden sich mit ihrer Klasse des 10. Schuljahrs der Weiterbildungs- und Berufswahlschule Küsnacht (WBK) in einer externen Kurswoche in München.

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