04.07.2016 14:06

BerufslehreSie krampft auf dem Bau, er arbeitet in der Krippe

Katja Moser ist Strassenbauerin, Basil Zeier Kleinkinderzieher. In einer Fernsehserie berichten sie von ihren Berufen jenseits der Rollenklischees.

von
B. Zanni
1 / 11
Strassenbauerin Katja Moser: «Ich packe gerne an und habe Freude an den Maschinen und Materialien.»

Strassenbauerin Katja Moser: «Ich packe gerne an und habe Freude an den Maschinen und Materialien.»

SRF
«Ich hatte immer einen guten Draht zu den Kindern meiner Verwandten», sagt Basil Zeier, Fachmann Betreuung mit Fachrichtung Kind. Mit Maschinen und Büroarbeit kann er dagegen nicht viel anfangen.

«Ich hatte immer einen guten Draht zu den Kindern meiner Verwandten», sagt Basil Zeier, Fachmann Betreuung mit Fachrichtung Kind. Mit Maschinen und Büroarbeit kann er dagegen nicht viel anfangen.

SRF
Moser ist auf dem Bau der Cellere-Gruppe Strassenbau Tiefbau die einzige weibliche Angestellte. «Körperlich stosse ich als Frau manchmal an meine Grenzen.»

Moser ist auf dem Bau der Cellere-Gruppe Strassenbau Tiefbau die einzige weibliche Angestellte. «Körperlich stosse ich als Frau manchmal an meine Grenzen.»

SRF

Trotz einer Vielzahl von Berufen wählen die jungen Frauen meist klassische Frauen- und die jungen Männer typische Männerjobs. Katja Moser und Basil Zeier tanzen aus der Reihe. In der TV-Serie «Mini Lehr und ich» (siehe Box) geben die angehende Strassenbauerin und der künftige Kleinkinderzieher Einblick in ihren Lehrlingsalltag.

Katja Moser aus Fischingen schnupperte als tiermedizinische Praxisassistentin, im KV, Detailhandel, als Logistikerin und Tiefbauzeichnerin. «Ich konnte mir nicht vorstellen, auf einem dieser Berufe jeden Tag zu arbeiten», sagt die 18-Jährige. Danach versuchte sie sich auf Anraten ihres Vaters, Besitzer eines Tiefbaugeschäfts, als Strassenbauerin. Die Arbeit habe ihr sofort gefallen. «Ich packe gerne an und habe Freude an den Maschinen und Materialien.»

«Als Frau stosse ich an die Grenzen»

Moser ist auf dem Bau der Cellere-Gruppe Strassenbau Tiefbau die einzige weibliche Angestellte. «Körperlich stosse ich als Frau manchmal an meine Grenzen.» Von ihren Kollegen können sie sich aber jederzeit helfen lassen. Auch teilten sie die Arbeit auf. «Während andere schaufeln oder spitzen, berechne ich etwas oder transportiere Ware.»

Die Strassenbauerin fällt oft auf. «Viele Leute schauen mit entgeisterten Blicken aus dem Auto.» Eine Episode bleibt ihr speziell in Erinnerung. Eine betagte Frau habe täglich mit ihr geschwatzt. «Nach vielen Malen guckte sie mich erstaunt an und meinte: ‹Sie sind ja ein Mädchen.›.» Erzählt Moser Fremden von ihrem Beruf, trifft sie meist auf ungläubige Reaktionen. «Zum Teil lachen die Leute oder glauben, ich verarsche sie.»

«Mit mir wollen sie kämpfen»

Für den Fachmann Betreuung Basil Zeier kamen weder ein handwerklicher Beruf noch eine KV-Lehre infrage. «Mit Maschinen und Büroarbeit konnte ich nicht viel anfangen», sagt der 21-jährige Luzerner. Umso mehr sagten ihm Kinder zu. «Ich hatte immer einen guten Draht zu den Kindern meiner Verwandten.» Kinder faszinierten ihn. «Auch weil sie innerhalb von kurzer Zeit enorme Entwicklungsschritte machen.»

In der Kindergruppe, die er in der Kita Campus betreut, gehört er zur männlichen Ausnahme. «Haben die Kinder das Bedürfnis nach Bewegung oder Kämpfen, kommen sie meist auf mich zu.» Manchmal sei er auch etwas kühner als seine Kolleginnen. «Als wir das Thema Baustelle durchnahmen, brachte ich anstatt eines Gummihammers und der Gumminägel richtiges Werkzeug mit.» Die Kolleginnen hätten dagegen befürchtet, die Kinder könnten sich verletzen.

Sexistische Witze

In seiner Kita ist männliches Personal selbstverständlich. Das Kinderschutz Konzept der Kita verpflichtet die Betreuerinnen und Betreuer, die Türen immer offen zu lassen, wenn sie mit einem Kind in einem Zimmer sind. Zeier hat mit den Eltern nur positive Erfahrungen gemacht. «Sie sind sehr herzlich und haben Freude, dass auch ein Mann zu ihrem Kind schaut.» Zeier glaubt jedoch, dass einige Menschen ihn wegen seines Berufs fälschlicherweise für homosexuell halten.

Wie fühlen sich eine Frau täglich unter lauter Männern und ein Mann unter lauter Frauen? Sie habe sich an die «Männerwelt» etwas gewöhnen müssen, sagt Moser. Sexistische Witze und Rülpsen gehörten zum Alltag. «Meist finden sie dann aber, dass sie sich wegen mir benehmen müssten», sagt sie lachend. Zeier fühlt sich bei seinen Kolleginnen wohl. «Sie sind fürsorglicher als Männer.» Dennoch schätzt er, dass auf einer anderen Abteilung zwei Männer arbeiten. «Dann kann ich mit jemandem auch mal über Fussball reden.»

Köchin, Tierärztin und Plattenleger

Am Montag, 4. Juli, startet um 20.55 Uhr im Schweizer Radio und Fernsehen (SRF 1) die dritte Ausgabe der Dokuserie «Mini Lehr und ich». Neben Katja Moser und Basil Zeier begleitet das Fernsehen drei weitere Lernende im letzten Jahr vor der Lehrabschlussprüfung.

Elena Magara (23) aus Zürich entschied sich nach dem Gymnasium für eine Lehre als Köchin im Lokal «Caduff's Wine Loft» ihres Onkels. Die Zwillinge Florian und Fabian Jenzer (18) aus Frutigen BE absolvieren eine Lehre als Plattenleger. Florian ist dabei Angestellter im Geschäft seines Vaters. Und Nina Lanicca (19) aus Kaufdorf BE kann das Publikum bei ihrer Arbeit als angehende tiermedizinische Praxisassistentin über die Schulter schauen.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.