Annemiek van Vleuten: Sie lag zwei Minuten am Boden – keiner half
Aktualisiert

Annemiek van VleutenSie lag zwei Minuten am Boden – keiner half

Die Holländerin Annemiek van Vleuten stürzt in Rio schwer. Es dauert sehr lange, bis der Verletzten geholfen wird.

von
hua

Der schreckliche Sturz von Annemiek van Vleuten. (Quelle: SRF)

Es war die Horrorszene des zweiten Olympia-Tages:

Die Holländerin Annemiek van Vleuten stürzte im Strassenrennen der Frauen schwer. Der Sturz sah schrecklich aus, die 33-Jährige blieb regungslos liegen.

Heute tauchte ein Video aus einer anderen Perspektive auf, das zeigt, dass es mehrere Minuten dauerte, bis der Verunfallten geholfen wurde. Dem Zeugen, der die Szenerie die ganze Zeit über filmt, scheint es nicht in den Sinn zu kommen, sich um die Holländerin zu kümmern, lieber filmt er weiter. Glücklicherweise kam doch noch Hilfe und kurze Zeit später folgte die Entwarnung, Van Vleuten gehe es den Umständen entsprechend besser.

Der Radprofi meldet sich einige Stunden später selber via Twitter: «Ich bin jetzt im Spital mit ein paar Verletzungen und Brüchen, aber alles wird gut», schrieb sie. Bei einem MRI am Montag wurden keine weiteren Verletzungen festgestellt, aber Van Vleuten sollte im Spital bleiben. «Das Wichtigste, was sie im Moment braucht, ist absolute Ruhe», sagte der niederländische Teamarzt Cees Rein van den Hoogenband. Van Vleuten selbst trauerte der Chance auf Gold hinterher. «Zu wissen, dass man eine solche Chance nur alle vier Jahre hat, macht es nicht einfach.»

Gratulation an die Teamkollegin

Typisch Profi ist Van Vleuten ihr Abschneiden am Rennen beinahe wichtiger als ihre Gesundheit. Es ist verständlich, lag die 33-Jährige doch klar in Führung, die Goldmedaille war in Reichweite.

Natürlich bekam das Sturzopfer von vielen Seiten Anteilnahme und Genesungswünsche, worüber sie sich auch via Twitter höflich bedankte. Ganz Profi gratulierte sie im gleichen Post ihrer Landsfrau Anna van der Breggen, die an ihrer Stelle Gold für Holland holte, und den anderen Fahrerinnen des holländischen Teams.

Kritik wird laut

Siegerin Van der Breggen hatte den Sturz ihrer Kollegin gesehen, musste sich aber danach auf ihr eigenes Rennen konzentrieren. Das war äussert schwierig, Van der Breggen sagte nach dem Rennen: «Das sah übel aus. Ich dachte schon, sie ist tot.»

Der Sturz brachte auch Kritik zutage. Der Ex-Bahnradfahrer Chris Boardman machte den Organisatoren schwere Vorwürfe. «Das war kein technischer Fehler. Es ist einfach eine sehr gefährliche Stelle. Das heisst, dass die Leute, die die Strecke begutachtet haben, die Gefahr verkannt haben. Ich bin richtig böse, man hätte das verhindern können. Aber man wollte die Strecke offenbar so gefährlich haben», wird der Brite auf Focus.de zitiert. An einer ähnlichen Stelle war am Samstag beim Männer-Rennen bereits der Italiener Vincenco Nibali schwer gestürzt und hatte sich das Schlüsselbein gebrochen.

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