Richterin tadelt Anwalt: «Sie machen die Frau fertig»
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Richterin tadelt Anwalt«Sie machen die Frau fertig»

Sein Mandant soll versucht haben, eine Frau zu vergewaltigen. Sein Verteidiger schoss sich auf das mutmassliche Opfer ein, bis dieses im Basler Strafgericht in Tränen ausbrach.

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Am Dienstag, 17. September wurde vor dem Basel-Städtischen Strafgericht einem 36-jährigen Nigerianer der Prozess gemacht. Die Staatsanwaltschaft erhebt Anklage wegen versuchter Vergewaltigung.

Am Dienstag, 17. September wurde vor dem Basel-Städtischen Strafgericht einem 36-jährigen Nigerianer der Prozess gemacht. Die Staatsanwaltschaft erhebt Anklage wegen versuchter Vergewaltigung.

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Der 36-Jährige soll versucht haben, eine 45-jährige Frau, die in einem Wohnheim lebt, in ihrem Zimmer zu vergewaltigen.

Der 36-Jährige soll versucht haben, eine 45-jährige Frau, die in einem Wohnheim lebt, in ihrem Zimmer zu vergewaltigen.

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Er war zusammen mit seiner Ehefrau bei deren Freundin zu Besuch, als er auf die Nachbarin der Freundin aufmerksam wurde.

Er war zusammen mit seiner Ehefrau bei deren Freundin zu Besuch, als er auf die Nachbarin der Freundin aufmerksam wurde.

Keystone/Georgios Kefalas

Ein nigerianischer Staatsangehöriger (36) musste sich am Dienstag unter anderem wegen versuchter Vergewaltigung vor dem Strafgericht Basel-Stadt verantworten.

Der in Basel wohnhafte Mann soll die psychisch angeschlagene Frau (46) im Juli 2018 in ihre Wohnung gedrängt und sexuell genötigt haben. Dann habe er versucht, sie zu vergewaltigen, wie die Staatsanwaltschaft schreibt, wobei es jedoch beim Versuch geblieben sei, weil sie laut geschrien habe.

Eklat bei der Befragung

Das Verfahren hatte sich wegen Anträgen hinausgezögert und die Geduld der Richter ohnehin strapaziert. Als dann das mutmassliche Opfer während der Befragung durch den Verteidiger zu weinen begann, hatte die Gerichtspräsidentin genug: «Sie machen die Frau fertig», tadelte sie den Anwalt.

«Das lasse ich mir von Ihnen nicht sagen», giftete dieser zurück, gewährte der Frau aber eine kurze Verschnaufpause. Später im Plädoyer beteuerte er, dass nicht seine Fragen sondern das Setting vor Tribunal, Anwälten und Presse zum kurzzeitigen Zusammenbruch geführt hätte.

Macht eine psychische Störung unglaubhaft?

Im Grunde war die Verteidigungsstrategie darauf ausgerichtet, die Glaubhaftigkeit der Frau in Zweifel zu ziehen. So zog die Verteidigung alle Register, um Widersprüche in ihren Aussagen hervorzuheben.

Zudem betonte der Verteidiger mehrfach, dass die Frau an einer bipolaren Störung leidet, Psychopharmaka einnimmt und substanzabhängig ist. Er monierte, dass die Staatsanwaltschaft dies nie habe abklären lassen. «Wir wissen nicht, ob die Erkrankung Einfluss auf die Denkweise des Opfers hat», argumentierte er.

Beschuldigter will nur Handy geholt haben

Der Beschuldigte bestritt alle Anschuldigungen und beteuerte, dass er nur in der Liegenschaft war, um sein Handy bei einer befreundeten Nachbarin des mutmasslichen Opfers zu holen. Danach habe er das Haus verlassen.

Tatsächlich wurde er von niemanden, nicht einmal von der 46-Jährigen, identifiziert. Eine andere Nachbarin gab aber zu Protokoll, einen dunkelhäutigen Mann gesehen zu haben, auf den die Beschreibung des Täters passt. Besonders auffällig sei seine türkisfarbene Hose gewesen. Eine solche wurde auch beim Beschuldigten gefunden.

18 Monate und Landesverweis gefordert

«Die Verteidigung will die Glaubwürdigkeit des Opfers als Person in Zweifel ziehen. Das ist aber nicht relevant, weil es um die Glaubwürdigkeit der Aussagen zu einem bestimmten Ereignis geht», plädierte die Staatsanwältin. Diese stufte sie bei der Frau als höher ein, als bei deren mutmasslichem Peiniger.

Sie forderte eine Freiheitsstrafe von 18 Monaten für den Mann, davon neun Monate bedingt. Zudem beantragte sie dem Gericht einen achtjährigen Landesverweis. Die Verteidigung hingegen wollte einen Freispruch.

Die Urteilsverkündung ist für Mittwoch, 11 Uhr angekündigt.

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