Eis und Schnee: Sie müssen heute Auto fahren? Beachten Sie dies!

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Eis und SchneeSie müssen heute Auto fahren? Beachten Sie dies!

Der erste Schnee sorgt für Unfälle und Chaos auf den Strassen. Zwei Experten geben Tipps, wie Autolenker sicher unterwegs sind.

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lie/20M

Autofahren auf Eis und Schnee: Eine 20-Minuten-Reporterin wagte den Selbstversuch. (Video: Murat Temel)

Der erste Schneefall bis ins Mittelland hat zu mehreren Unfällen und chaotischen Zuständen auf den Strassen geführt. Die A1 musste in der Region Bern-Solothurn nach einem Unfall gesperrt werden. Bei Glatteis und Schnee unterwegs zu sein, erfordert einige Vorsicht. «Am besten sollte man dann gar nicht unterwegs sein», sagt Willi Wismer, Präsident des Zürcher Fahrlehrerverbands. Wer nicht ums Autofahren herumkommt, kann sich an diese Tipps halten:

Glatteis: «Wenn es sich nicht vermeiden lässt, sollte man warten, bis die Winterdienste ihre Arbeit erledigt haben», sagt der Fahrlehrer Willi Wismer. Sollte das nicht möglich sein, empfiehlt er, sämtliche Bewegungen ganz sanft auszuführen und höchstens mit Schritttempo zu fahren. «Wenn die Strassen schneebedeckt oder nass sind und die Temperatur 5 Grad Celsius oder weniger beträgt, ist mit Glatteis zu rechnen», sagt TCS-Sprecher David Venetz. Besondere Vorsicht ist laut TCS bei Ampeln oder Kreuzungen geboten. Auch exponierte Stellen wie Brücken, Waldstücke oder Strecken entlang von Bächen und Flüssen sind mit Vorsicht zu befahren.

Abstand: Der TCS empfiehlt, dass der Sicherheitsabstand zum vorausfahrenden Auto etwa dreimal so gross sein sollte wie auf trockener Fahrbahn.

Winterreifen: Ab Temperaturen unter 8 Grad braucht es Winterreifen, wie Willi Wismer sagt. Wer die Winterreifen jetzt noch nicht montiert hat, sollte handeln. «Winterreifen führen zu einem kürzeren Bremsweg, mehr Halt und bieten einen besseren Aquaplaning-Schutz», sagt TCS-Sprecher Venetz. Damit Winterreifen sicher sind, brauchen sie mindestens vier Millimeter Profiltiefe. Eine gesetzliche Winterreifenpflicht gibt es übrigens nicht. Versicherungen könnten bei Unfällen aber Regress nehmen. «Heutzutage sollten Reifen schneller gewechselt werden. Bei etwa 10'000 bis 20'000 Kilometern ist ein Wechsel angesagt», sagt Fahrlehrer Wismer. «Das hängt damit zusammen, dass die Laufruhe besser geworden ist, was sich auf die Reifen durchschlägt. Die Laufflächen aussen gehen nicht so tief wie das Profil.»

Eiskratzer und Schneebesen: Sind ein Muss im Winter. «Scheiben, Lichter, Rückstrahler, Dach und Aussenspiegel sind von Schnee und Eis sauber zu halten», sagt TCS-Sprecher Venetz. «Wer sich nicht daran hält und nur mit einem Guckloch losfährt, gefährdet sich und die anderen Verkehrsteilnehmer und riskiert eine Busse und den Ausweisentzug.»

Bremsen bei Schnee und Glatteis: «Fährt man ein Auto mit ABS, sollte man die Kupplung bedienen, die Bremse drücken und – nur wenn nötig – gefühlvoll lenken», sagt Willi Wismer vom Zürcher Fahrlehrer-Verband. Bei einem Auto ohne ABS sei die Vorgehensweise die folgende: «Kupplung runterdrücken, Bremse gefühlvoll drücken, ohne die Räder zu blockieren, und auch hier, falls nötig, sanft lenken.»

Hohe Gänge fahren: Im Winter gilt als Faustregel, dass höher besser ist. Fahrlehrer Wismer empfiehlt, früh hochzuschalten, um zu vermeiden, dass beim Beschleunigen zu viel Kraft auf die Räder wirkt. Dann könnten die Räder durchdrehen. Beim Langsamerwerden sollte man zudem nicht zu früh in einen tieferen Gang wechseln. «Die Bremse soll diese Arbeit erledigen.» Der TCS empfiehlt, allenfalls im zweiten Gang anzufahren und möglichst früh in einen höheren Gang zu schalten, auch wenn der Motor ein wenig stottert.

Unterwegs mit Roller oder Bike: Der TCS weist darauf hin, dass es auch für Roller empfehlenswerte Winterreifen gibt. Im Winter sollten Besitzer von Zweirädern besonders auf die Batterie achten, die bei tiefe Temperaturen stark beansprucht wird. Auch eine regelmässige und gründliche Pflege des Antrieb-Ketten-Satzes ist empfehlenswert, weil dort Salzverschmutzungen zu verstärkter Korrosion führen.

Warme Kleider: Fahrlehrer Willi Wismer empfiehlt, im Auto immer warme Kleider dabeizuhaben. Wenn etwas passiert, steht man dann nicht schutzlos in der Kälte.

Sicherheitsgurt: Gurte wirken nur dann, wenn der Fahrer keine dicken Jacken oder Pullover trägt. Darum: Winterjacken vor dem Einsteigen ins Auto immer ausziehen.

Trügerische Technik: Die Allrad-Antriebe seien ein Problem, sagt Fahrlehrer Wismer. «Beim Beschleunigen hat man als Autolenker keine grossen Probleme mehr mit einem Allrad und merkt dann erst beim Bremsen, dass das Auto rutscht», sagt er. «Die Technik hilft uns sehr, gibt uns aber auch ein trügerisches Sicherheitsgefühl.»

Teile dieses Artikels erschienen in ähnlicher Form am 10. Januar 2017 und am 24. November 2015.

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