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Jobsuche«Sie müssen nicht alles im Stelleninserat können»

Jobinserate stellen oft viele Anforderungen. Ein Personalexperte erklärt, was Bewerber wirklich mitbringen müssen.

von
vay
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Soll man sich nicht bewerben, wenn man nicht alle Anforderungen in der Stellenausschreibung erfüllt?  Der Personalexperte Michel Ganouchi von der Firma Recruma verneint: «Sie müssen nicht alles im Stelleninserat können. Es reicht im Normalfall, wenn man 70 bis 80 Prozent der Anforderungen mitbringt.»

Soll man sich nicht bewerben, wenn man nicht alle Anforderungen in der Stellenausschreibung erfüllt? Der Personalexperte Michel Ganouchi von der Firma Recruma verneint: «Sie müssen nicht alles im Stelleninserat können. Es reicht im Normalfall, wenn man 70 bis 80 Prozent der Anforderungen mitbringt.»

Keystone/Christian Beutler
Manche Arbeitgeber würden bewusst höhere Anforderungen stellen, als es nötig sei. Es würden zum Beispiel Kandidaten gesucht, die jung und hervorragend ausgebildet seien, gleichzeitig aber schon über viel Arbeitserfahrung verfügten.

Manche Arbeitgeber würden bewusst höhere Anforderungen stellen, als es nötig sei. Es würden zum Beispiel Kandidaten gesucht, die jung und hervorragend ausgebildet seien, gleichzeitig aber schon über viel Arbeitserfahrung verfügten.

Keystone/Gaetan Bally
In der Schweiz sucht jeder Fünfte nur deshalb einen neuen Job, weil er die eigene Work-Life-Balance verbessern will.

In der Schweiz sucht jeder Fünfte nur deshalb einen neuen Job, weil er die eigene Work-Life-Balance verbessern will.

Portra/iStock

Eine feste Stelle haben, aber trotzdem nach einem neuen Job Ausschau halten: Das machen laut einer Studie 27 Prozent der Schweizer. Auf dieser sogenannten passiven Stellensuche sind heute rund ein Drittel mehr Angestellte als noch vor vier Jahren, wie die Erhebung von Jobcloud zeigt.

Wer sich Stelleninserate anschaut, merkt aber schnell, dass die Liste an gewünschten Berufs-Qualifikationen bei vielen Inseraten sehr lang ist. Eine Stichprobe auf einem Stellenportal zeigt: Von einem Hauswart wird beispielsweise nicht nur erwartet, dass er über Ausbildung und Arbeitserfahrung verfügt, sondern auch, dass er «sehr gute schriftliche Deutschkenntnisse» hat und zudem «flexibel», «gepflegt» und« teamfähig» ist. All diese spezifischen Anforderungen können Stellensuchende davon abschrecken, sich um einen neuen Job zu bewerben.

Höhere Anforderungen als nötig

Doch ist diese Vorsicht beim Bewerben sinnvoll? Der Personalexperte Michel Ganouchi von der Firma Recruma verneint: «Sie müssen nicht alles im Stelleninserat können. Es reicht im Normalfall, wenn man 70 bis 80 Prozent der Anforderungen erfüllt.» Er spricht Stellensuchenden Mut zu: «Seien Sie selbstbewusst, bewerben Sie sich lieber einmal zu oft als zu wenig.»

Manche Arbeitgeber würden bewusst höhere Anforderungen stellen, als nötig sei. Es würden zum Beispiel Kandidaten gesucht, die jung und hervorragend ausgebildet sind und schon über viel Arbeitserfahrung verfügen. Dies sei vor allem bei sehr beliebten Jobs der Fall: «Wenn sie als Personalmanager über Hundert Bewerbungen auf eine Stelle erwarten, sind die Ansprüche automatisch höher», sagt Ganouchi. In Branchen, die mit Personalmangel kämpfen, sei es dagegen wahrscheinlicher, dass man weniger Anforderungen erfüllen müsse.

Geschichten erzählen ja, Lügen nein

Wenn man als Bewerber zum Bewerbungsgespräch eingeladen wird, sollte man darauf vorbereitet sein, dass die fehlenden Qualifikationen angesprochen werden. Der Experte rät: «Überlegen Sie vor dem Gespräch, wie Sie Lücken im Lebenslauf erklären können. Erzählen Sie eine runde Geschichte dazu und lenken Sie das Gespräch auf ihre Stärken.»

Ganouchi warnt davor, fehlende Qualifikationen vorzutäuschen: «Ein Vorstellungsgespräch ist wie ein erstes Date. Es kann zu einer langjährigen Beziehung führen. Früher oder später fliegen Lügen auf.»

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