13.07.2020 10:40

«Ich habe einen Fehler gemacht»

Sie nahmen Corona nicht ernst – nun sind sie tot

Statt sich vor ihm zu schützen, nahmen zwei Amerikaner das Coronavirus nicht ernst. Den Leichtsinn bezahlten sie nun mit ihrem Leben.

von
Fee Anabelle Riebeling

Darum gehts

  • Zwei Männer starben, weil sie Sars-CoV-2 auf die leichte Schulter genommen haben.
  • Der eine hatte eine sogenannte Covid-19-Party besucht, der andere Masken abgelehnt.
  • Erst zu spät erkannten sie, dass sie mit ihrer Haltung falsch lagen.

«Ich glaube, ich habe einen Fehler gemacht. Ich dachte, dies sei ein Schwindel, aber das ist es nicht» – mit diesen Worten zitiert Jane Appleby, leitende Ärztin am Methodist Hospital in San Antonio im US-Bundesstaat Texas, die letzten Worte eines ihrer Patienten (siehe Video oben).

Der 30-Jährige starb, nachdem er zuvor an einer sogenannten Covid-Party teilgenommen hatte. Bei solchen wetteifern die Teilnehmer – oft Studenten – darum, wer sich zuerst mit dem Virus ansteckt. In Alabama gab es für den Gewinner, also denjenigen, der nach der Party zuerst auf das Coronavirus positiv getestet wurde, sogar Geld.

Der Mann, der nun den Kampf gegen das Virus verloren hat, habe gedacht, «er sei jung und unbesiegbar, es würde ihn schon nicht treffen», so Appleby. Sie betont, keine Panikmacherin zu sein. «Ich versuche nur, ein Beispiel aus der realen Welt zu übermitteln, damit die Menschen erkennen, dass dieses Virus sehr ernst ist und sich leicht verbreiten kann.»

Missachtung des «Hypes» führt zum Tod

Wie nötig das ist, zeigt auch das Beispiel von Richard Rose. Der 37-Jährige aus Port Clinton im US-Bundesstaat Ohio, der sowohl den Irak- als auch den Afghanistan-Krieg überlebte, hatte weder Maskenpflicht noch andere Massnahmen ernst genommen, wie man seinem Facebook-Profil entnehmen kann. Dort postete er deutliche Worte wie: «Damit eins klar ist, ich werde unter gar keinen Umständen so eine f*** Maske kaufen, den Hype mache ich nicht mit!»

Dass ihm das Coronavirus keine Angst machte, zeigt auch das Foto eines Freibadbesuchs am 13. Juni 2020, bei dem keiner der Anwesenden einen Mundschutz trug. Ein Kollege kommentierte das Bild spöttisch mit «Es ist gar nicht so voll – lol!»

Wichtiger Appell nach Tod

Kurz darauf änderte sich der Ton seiner Posts jedoch deutlich. Am 1. Juli schreibt er «Ich war in den letzten Tagen sehr krank. Symptome von Covid-19. Heute Morgen wurde ich endlich getestet. Ich sollte bald wissen, wie das Ergebnis ausfällt. Ich möchte mich nur wieder gut fühlen.» Auf Nachfragen eines Bekannten gibt er an, dass er vermutet, sich in genau dem Freibad infiziert zu haben.

Nur eine Stunde später steht fest: Rose ist positiv. Er muss in Quarantäne bleiben. Dort verschlechtert sich sein Zustand zusehends, wie seinen Posts zu entnehmen ist. Am 2. Juli berichtet er «nur vom Rumsitzen völlig ausser Atem zu sein». Am 3. Juli schrieb er, seit zwei Tagen nicht mehr schlafen zu können. Am 4. Juli war Rose tot.

In einem Nachruf heisst es laut verschiedenen US-Medien: «Rick war erst in seinen 30ern und, soweit wir wissen, gesund. Er hatte nicht das Bedürfnis, eine Maske zu tragen, weil er sich jung und gesund fühlte. Bitte nehmt zur Kenntnis, dass dieses Virus real ist. Nur weil Ihr niemanden kennt, der betroffen ist, heisst das nicht, dass es nicht existiert.»

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107 Kommentare
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ardit

14.07.2020, 19:12

kann man nichts machen es ist so wie es ist

Diana

14.07.2020, 16:22

Danke für den Beitrag. Die Welt erlebte etwas zum gleichen Zeitpunkt: den Lockdown, hervorgerufen durch die späte Reaktion auf einen neuen Virus. Die erlebten Geschichten sind interessante Bio‘s, die weitererzählt sollten, vlt könnte man sie würdevoller niederschreiben

Andre

14.07.2020, 14:14

Journalismus der nur auf Panik macht ist unseriös