Aktualisiert 10.02.2004 15:15

«Sie planten Mord und Totschlag»

Der Bundesrepublik ist 2002 womöglich nur knapp ein Terroranschlag von Mitgliedern der islamistischen Organisation Al Tawhid erspart geblieben. Mord und Totschlag sei geplant gewesen, wie Bundesanwalt Dirk Fernholz sagte.

«Sie planten Mord und Totschlag und wollten bei einem Anschlag in der Nähe einer jüdischen Einrichtung in Berlin möglichst viele Menschen mit in den Tod reissen», sagte Bundesanwalt Dirk Fernholz am Dienstag zum Auftakt des Prozesses gegen vier mutmassliche Al Tawhid-Mitglieder vor dem Staatsschutzsenat des Oberlandesgerichts Düsseldorf. Der Prozess soll bis Juli dauern.

Der erste Prozesstag in dem für rund 36 Millionen Euro gebauten neuen Hochsicherheitstrakt war überschattet von technischen Problemen. Die Luft aus der Klimaanlage machte die vier Männer auf der Anklagebank frösteln. Zudem war die Anlage so laut, dass der Prozess mehrmals zwecks Abhilfebemühungen unterbrochen werden musste.

Die Verteidiger stellten Befangenheitsanträge. Das Gericht sei nicht mehr unbefangen, weil es in gleicher Sache bereits im vergangenen Jahr das geständige Al Tawhid-Mitglied Shadi Moh'd Mustafa Abdalla für schuldig befunden und zu vier Jahren Haft verurteilt habe. Die Anwälte missbilligten auch, dass sie durch mächtige Glasscheiben von ihren Mandanten getrennt seien und deshalb während der Verhandlung nicht mit diesen sprechen könnten.

Die Angeklagten - der als mutmasslicher Kopf der Gruppe in Deutschland geltende Jordanier Mohamed Abu D., der Palästinenser Aschraf Al D., der Jordanier Ismail Abdallah Sbaitan S. sowie der Algerier Djamal M. - gaben sich schweigsam. Abu D. zog sich die Jacke über den Kopf, wenn Fotografen und Fernsehteams Aufnahmen machen wollten.

Allerdings zeigten sich die vier teilweise belustigt, als in der Anklage von der Planung und Vorbereitung von Anschlägen in Berlin und auf häufig von Juden besuchte Lokale in Düsseldorf die Rede war. Erst als es um die Beschaffung von Handgranaten und Schusswaffen für die Anschläge sowie um einen Vorschlag von Abu D. ging, sich für ein Selbstmordattentat zur Verfügung zu stellen, versteinerten sich die Mienen.

Nach Überzeugung der Bundesanwaltschaft war allen vier bekannt, dass der Al Tawhid-Führer Abu Musab el Sarkawi Anschläge angeordnet hatte. Zumindest Aschraf Al D. sei dafür auch in einem afghanischen Terroristenlager ausgebildet worden, führte Fernholz aus. Auf eine Frage, wie nahe Deutschland vor zwei Jahren einem Terroranschlag von Seiten der Angeklagten gewesen sei, meinte der Bundesanwalt: «Sie haben mit Hochdruck an der Waffenbeschaffung gearbeitet».

Die Beschuldigten wurden jedoch im April 2002 festgenommen und sitzen seither in Untersuchungshaft. Im Falle einer Verurteilung drohen ihnen bis zu zehn Jahre Haft. (dapd)

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