Jugendgewalt: Sie quälten so lange, bis er ums Ende bat
Aktualisiert

JugendgewaltSie quälten so lange, bis er ums Ende bat

Vor dem Strafgericht in Vevey VD stehen vier junge Leute. Ihnen wird vorgeworfen, 2006 in Clarens VD einen Rentner misshandelt und getötet zu haben. Einen damals knapp 18-Jährigen hat das Jugendgericht in dem Fall wegen Mordes bereits verurteilt.

Über eine Stunde lang hatten die Jugendlichen am Abend des 29. Mai 2006 den am Boden liegenden 62-jährigen Mann traktiert. Sie hieben mit Fäusten und Füssen auf ihn ein, dann benutzen sie Flaschen und Hanteln, um auf ihn einzuschlagen, um schliesslich mit einem Messer rund 20 Mal zuzustechen.

Die Misshandlungen potenzierten sie, indem sie dem Opfer erst Wein, dann Parfum über den blutigen Kopf gossen. Der Gequälte habe seine Peiniger nach einer Stunde gebeten, eine Ende zu machen, fasst der Untersuchungsbericht zusammen.

Jugendgericht verurteilte damaliger Freund wegen Mordes

Die Mordanklage lastet auf der 21-jährigen Frau sowie einem 24- jährigen Mann. Ungerührt wohnten beide am Dienstagmorgen der Verlesung der Anklageschrift bei. Während den Ermittlungen haben sie weder Reue noch Bedauern gezeigt.

Vom Jugendgericht bereits wegen Mordes verurteilt worden ist der damalige Freund der angeklagten jungen Frau, ein zum Tatzeitpunkt minderjähriger Mann. «Ich versuche zu vergessen», sagte der als Zeuge Vorgeladene am Dienstagnachmittag vor Gericht. Seine Erinnerungen an den Tathergang blieben vage.

Nach mehrfachem Nachfragen durch das Gericht bestätigte er aber, dass der Entscheid zu Töten aus einer gemeinsamen Absicht der Dreien hervorgegangen sei.

Rache für zweideutige Anspielungen

Die Gruppe hatte sich zum Tatort begeben, um sich für sexuelle Avancen zur rächen, die der IV-Renter dem Paar gemacht haben soll. Auch wollten sie das Kokain des 62-Jährigen klauen.

Weniger verstrickt in den eigentlichen Tathergang sollen zwei Männer sein, denen unterlassene Hilfeleistung am Opfer sowie Beihilfe zu schwerem Raub vorgeworfen wird.

Das Schwurgericht wird in den kommenden vier Tagen versuchen, die Tat zu rekonstruieren und die Rollen der einzelnen Täter festzustellen. Das Urteil wird zu einem späteren Zeitpunkt gefällt.

(sda)

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