09.07.2020 18:26

Bund ruft Masken zurück«Sie rochen wie ein schimmliges Badezimmer»

Der Bund ruft Hygienemasken aus alten Beständen zurück. Bei einer Untersuchung sind Spuren von Pilzbefall festgestellt worden.

von
Thomas Mathis
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Müffelige Masken hat der Bund zu Beginn der Corona-Krise an Grossverbraucher und Kantone abgegeben.

Müffelige Masken hat der Bund zu Beginn der Corona-Krise an Grossverbraucher und Kantone abgegeben.

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Solche Masken kamen etwa im Spital Thun zum Einsatz: «Sie rochen wie ein schimmliges Badezimmer», berichtet ein Mitarbeiter.

Solche Masken kamen etwa im Spital Thun zum Einsatz: «Sie rochen wie ein schimmliges Badezimmer», berichtet ein Mitarbeiter.

Gemeinde Thun
Laut dem Spital sind die Masken nach entsprechenden Rückmeldungen vom Personal umgehend aus dem Verkehr gezogen worden. (Symbolbild)

Laut dem Spital sind die Masken nach entsprechenden Rückmeldungen vom Personal umgehend aus dem Verkehr gezogen worden. (Symbolbild)

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Darum gehts

  • Grossverbraucher und Kantone erhielten zu Beginn der Corona-Krise Hygienemasken vom Bund.
  • Diese werden nun vorsorglich zurückgerufen wegen Pilzbefall.
  • Ein Spitalmitarbeiter sagt, die Masken hätten wie ein «schimmliges Badezimmer» gerochen.

Zu Beginn der Corona-Krise hatte der Bund verschiedenen Grossverbrauchern und Kantonen als Sofortmassnahme Masken aus alten Beständen zur Verfügung gestellt. Diese Masken werden nun vorsorglich zurückgerufen, wie es in einer Mitteilung des Eidgenössischen Departements für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport vom Donnerstag heisst. Grund: Bei einer Untersuchung sind Spuren von Pilzbefall festgestellt worden. Es handelt sich um einen Schimmelpilz.

Ein 41-jähriger Leserreporter, der auf dem Notfall im Spital Thun arbeitet, hat solche müffeligen Masken getragen, wie er erzählt. «Sie rochen wie ein schimmliges Badezimmer. Es war so übel, dass es kaum auszuhalten war.» Dennoch hätten viele die Masken während neun Stunden tragen müssen. «Mehrere Mitarbeitende haben sich bei den Verantwortlichen beschwert. Es hiess aber, dass es keine anderen Masken gibt und wir diese anziehen müssen.»

«Umgehend aus Verkehr gezogen»

Der Spital Thun bestätigt auf Anfrage, dass man zu Beginn der Krise Masken aus den alten Beständen des Bundes erhalten und intern ausgeliefert hatte. «Uns wurden insgesamt 20’000 Masken geliefert», sagt Sprecherin Marie-Anne Perrot. Diese wurden über die Kantonsapotheke bezogen. Der Wochenverbrauch sei zu dieser Zeit bei etwa 16’000 Masken gelegen. Nach der Auslieferung habe das Personal rückgemeldet, dass die Masken übel riechen. «Sie wurden dann umgehend aus dem Verkehr gezogen.»

Laut Mitteilung des Bundes stammen die kontaminierten Hygienemasken aus einem alten Bestand von 13,5 Millionen Masken, die der Bund 2007 für die Pandemievorsorge beschafft hatte. Bei früheren Proben wurde keine solche Verunreinigung festgestellt. Spuren von Verunreinigung wurden ebenfalls bei rund 300’000 FFP2-Masken festgestellt. «Es ist möglich, dass die Kontamination der Masken auf die Lagerung oder den Transport zurückgehen», heisst es in der Mitteilung. Eine Analyse sei im Gang.

Detailhandel nicht betroffen

Alle Verbraucher, die von diesen Maskenlieferungen betroffen sein könnten, wurden bereits oder werden noch von der Armeeapotheke informiert. Nicht betroffen sind die 18 Millionen Masken, die im April an Detailhändler zum Selbstkostenpreis abgegeben worden sind. Alle zurückgerufenen Masken werden kostenlos ersetzt.

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