Shiwen wird angegriffen: «Sie sah aus wie Superwoman»
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Shiwen wird angegriffen«Sie sah aus wie Superwoman»

Der amerikanische Trainer John Leonard ist der erste Schwimm-Kenner, der Ye Shiwen öffentlich Doping vorwirft. Chinas Reaktion auf den US-Angriff lässt nicht auf sich warten.

von
fox

Nach dem Fabelrekord von Ye Shiwen über 400 m Lagen wunderte sich die Sportwelt, wie ein 16-jähriges Mädchen auf den letzten 50 Metern schneller sein kann als Olympiasieger Ryan Lochte, obwohl dieser der Chinesin über die gesamte Distanz rund 23 Sekunden abnahm (also theoretisch pro Bahnlänge im Schnitt fast drei Sekunden - was sehr viel ist).

Lochte bezeichnete die Leistung als «beeindruckend», Dopingexperten meinten, es sei grundsätzlich möglich, aber schon aussergewöhnlich. Im «Guardian» nimmt jetzt der erste Schwimm-Kenner kein Blatt mehr vor den Mund. US-Trainer John Leonard nennt die Leistung «unglaubwürdig» und «beunruhigend». Starke Verbesserungen der eigenen Bestzeit – wie dies Ye Shiwen im letzten Jahr gelungen ist – könne es zwar geben, «aber die letzten 100 m sind unmöglich».

Superwoman = Doping?

Diese extremen Verbesserungen bezeichnet Dopingexperte Fritz Sörgel im «Stern» als sehr aussergewöhnlich. Bei Amateuren sei dies eher möglich. Aber: «Die Chinesin fängt ja nicht bei null an, sondern hat bereits ein hohes Niveau erreicht.» Trotzdem möchte er nicht auf Doping schliessen: «Im chinesischen System werden die Athleten in jungen Jahren ausgewählt und durchlaufen früh ein Hochleistungstraining.»

Leonard wird da schon deutlicher: «Sie erinnert mich an einige Schwimmerinnen aus der DDR und eine junge Irin im Finale über 400 m Lagen bei den Spielen in Atlanta 1996.» Damit meint er Michelle Smith, welche dreimal Gold holte. Zwei Jahre später wurde die Irin wegen Dopings gesperrt. Leonard glaubt auch bei Shiwen an ein ähnliches Szenario: «Ye sah aus wie Superwoman. Und immer, wenn jemand in der Geschichte unseres Sports aussah wie Superwoman, stellte sich später heraus, dass Doping im Spiel war.»

Olympia-Rekord im Halbfinal

Die Chinesen reagieren auf den amerikanischen Angriff natürlich ungehalten und kontern gegenüber dem Nachrichtendienst Xinhua: «Wir haben auch nicht die Leistungen von Michael Phelps Leistungen hinterfragt, als er in Peking acht Goldmedaillen gewann», so Chinas Anti-Doping-Chef Jiang Zhixue. Auch IOC-Chefmediziner Arne Ljungqvist verteidigt die Olympiasiegerin: «Ich mag Verdächtigungen nicht und applaudiere, so lange ich keine anderen Gründe habe.»

Fast kindlich sorgenfrei antwortet Ye selbst auf Doping-Fragen: «Das chinesische Team hält sich streng an die Anti-Doping-Regeln, daher gibt es absolut kein Problem.» Ach ja, geschwommen ist Shiwen seither auch wieder. Und zwar über 200 m Lagen. Im Halbfinal distanzierte sie die Zweitschnellste um unglaubliche 1,44 Sekunden und stellte mit 2:08.39 Minuten einen neuen olympischen Rekord auf. Das Finale findet heute Abend um 20.43 Uhr statt. Gold ist Ye Shiwen kaum zu nehmen. Weitere Diskussionen wird sie mit dem nächsten Olympiasieg wohl ebenfalls auslösen.

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