Aktualisiert 03.03.2019 14:39

Vorwürfe gegen Berner Polizei«Sie sind mit dem Auto auf die Gruppe zugerast»

In der Nacht auf Samstag ist die Berner Polizei gegen Graffiti-Sprayer vorgegangen. Geschildert werden zwei unterschiedliche Szenarien.

von
kat

Dieses Video soll den Vorfall belegen. (Video: RJG Bern via Facebook)

Eine zivile Polizeipatrouille hat in der Nacht von Freitag auf Samstag an der Neubrückstrasse in Bern eine Gruppe von Sprayern aufgelöst. Auf einem Video, das in den Sozialen Medien kursiert, ist zu sehen, wie das Auto angefahren kommt. Laut der Reitschule und der Revolutionären Jugendgruppe Bern (RJG) handelte es sich dabei um ein ziviles Polizeifahrzeug.

Gemäss RJG ist die Gruppe ruhig geblieben und habe sich zurückgezogen. Die Polizei jedoch sei auf die Gruppe zugerast und auf das Trottoir gefahren, um die Gruppe aufzuhalten. Eine Person sei durch den Wagen gegen die Wand gedrückt und am Bein verletzt worden. Man habe auch viele Unbeteiligte wissentlich gefährdet, heisst es bei RJG. Zu dem Zeitpunkt hätten sich nämlich unzählige Personen auf dem Trottoir aufgehalten.

Polizei weist Vorwürfe von sich

Die Kantonspolizei bestätigt auf Anfrage der «Berner Zeitung» einen Einsatz an der Neubrückstrasse. Ihre Version klingt jedoch etwas anders.

Es seien Vermummte beim Sprayen im Bereich der Neubrückstrasse entdeckt worden. Als sich das zivile Polizeifahrzeug näherte, hätten sich die Meisten in Richtung Reitschule zurückgezogen. Eine Person habe jedoch weitergesprayt und auf das Fahrzeug eingeschlagen. Man habe versucht, diese Person anzuhalten und sei ihr mit dem Auto gefolgt. Dazu habe man auf dem Trottoir angehalten, um die Verfolgung zu Fuss aufzunehmen.

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In der Nacht auf Samstag fuhr ein ziviles Fahrzeug der Polizei bei der Reitschule aufs Trottoir.

In der Nacht auf Samstag fuhr ein ziviles Fahrzeug der Polizei bei der Reitschule aufs Trottoir.

Screenshot: Facebook/RJG
Grund war eine Sprayer-Aktion.

Grund war eine Sprayer-Aktion.

Screenshot: Facebook/RJG
Die beteiligten Seiten schildern die Geschehnisse auf ihre Weise.

Die beteiligten Seiten schildern die Geschehnisse auf ihre Weise.

Screenshot: Facebook/RJG

Die Polizei sei von den Vermummten mit Gegenständen beworfen worden. Um niemandem zu gefährden, habe die Patrouille dann die Aktion abgebrochen. Angaben zu verletzten Personen liegen laut Bericht nicht vor.

Juso äussert sich

Am Samstag hatte sich die Juso der Stadt Bern zu dem Vorfall geäussert. «Wie rechtfertigt die Kantonspolizei derartige Interventionen unter Gefährdung von Leib und Leben und wann wird die Polizei endlich wieder unter Kontrolle gebracht?», heisst es in dem Communiqué.

«Sie sind gezielt auf die Gruppe zugerast, ich war vor Ort und habe es gesehen», sagt Juso-Vertreter Jérémie Reusser auf Anfrage. «Bald wird mehr Bildmaterial als Beweis gesammelt und publiziert.» Die Reitschule erwägt nach eigenen Angaben, Strafanzeige zu erstatten.

Die Kantonspolizei habe den Vorfall relativiert und heruntergespielt. Man werde betreffend weiterer Schritte zu einem späteren Zeitpunkt Stellung beziehen.

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