Aktualisiert 04.04.2020 13:32

Unfaire Amerikaner?

«Sie sind mit grossen Geldkoffern in China»

In der Coronakrise wird der weltweite Kampf um Schutzmasken mit immer härteren Bandagen ausgetragen. Gerade die USA sollen dabei unfair vorgehen.

von
Reuters/gux
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Objekt der Begierde in der Cov-19-Pandemie: Weltweit kaufen Regierungen Schutzmasken aus China ein.

Objekt der Begierde in der Cov-19-Pandemie: Weltweit kaufen Regierungen Schutzmasken aus China ein.

Reuters
In deutschen Regierungskreisen ist davon die Rede, dass US-Vertreter in China mit grossen Summen Bargeld versuchten, Schutzausrüstungsladungen in die USA umzuleiten.

In deutschen Regierungskreisen ist davon die Rede, dass US-Vertreter in China mit grossen Summen Bargeld versuchten, Schutzausrüstungsladungen in die USA umzuleiten.

Jens-ulrich Koch / Pool
US-Präsident Donald Trump hatte nach anfänglichem Zögern die Anordnung gegeben, überall auf der Welt nach medizinischen Schutzgütern zu suchen. Zudem hat er eine Anordnung erlassen, dass alle von US-Firmen produzierte Masken in die USA geliefert werden sollten.

US-Präsident Donald Trump hatte nach anfänglichem Zögern die Anordnung gegeben, überall auf der Welt nach medizinischen Schutzgütern zu suchen. Zudem hat er eine Anordnung erlassen, dass alle von US-Firmen produzierte Masken in die USA geliefert werden sollten.

Getty Images

«Wir betrachten das als Akt moderner Piraterie», sagte Berlins Innensenator Andreas Geisel, nachdem eine Lieferung von 200'000 professionellen Schutzmasken vom Typ FFP-2 in Bangkok «konfisziert» worden sei. Man gehe davon aus, dass dies im Zusammenhang mit dem Ausfuhrverbot für Masken der US-Regierung stehe. In deutschen Regierungskreisen ist davon die Rede, dass US-Vertreter in China mit grossen Summen Bargeld versuchten, Schutzausrüstungsladungen in die USA umzuleiten. Ähnliche Vorwürfe gibt es auch aus Frankreich.

Die USA sind mittlerweile das Land mit den meisten Coronavirus-Fällen. Die Bundesstaaten suchen für die Krankenhäuser dringend Schutzausrüstung. US-Präsident Donald Trump hatte nach anfänglichem Zögern die Anordnung gegeben, überall auf der Welt nach medizinischen Schutzgütern zu suchen. Zudem hat er eine Anordnung erlassen, dass alle von US-Firmen produzierte Masken in die USA geliefert werden sollten. Die Berliner Bestellung betraf das US-Unternehmen 3M in China. Das Weisse Haus wollte den Vorfall nicht kommentieren.

«Keine gute Entwicklung» auf Beschaffungsmarkt

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hatte schon am Mittwoch von «Wild-West»-Methoden auf dem internationalen Beschaffungsmarkt gesprochen, ohne die USA namentlich zu erwähnen. Mit den deutschen Einkäufen vertraute Personen sprechen davon, dass sich die Situation seit vergangenem Wochenende geändert habe, als sich USA auf den Markt drängten.

Gesundheitsminister Jens Spahn wollte am Freitag nicht zu dem konkreten Berliner Fall Stellung nehmen, sagte aber, dass die Entwicklung auf den Weltmärkten von Schutzausrüstung «keine gute» sei. «Ich habe es ein paar Mal erlebt, dass sicher avisierte Landungen nicht gelandet sind», sagte er. Vor wenigen Tagen war in Kenia eine für Deutschland bestimmte Ladung mit Schutzmasken verschwunden.

«Amerikaner zahlen jeden Preis, denn sie sind verzweifelt»

Berlin arbeitet mittlerweile für die Beschaffung mit deutschen Konzernen zusammen, die über gute Verbindungen nach China verfügen, wo das Gros der Schutzausrüstung hergestellt wird.

Der Vertreter einer anderen Firma sagte Reuters, es gebe Berichte von US-Amerikanern, die mit grossen Geldkoffern in China unterwegs seien. «Geld ist egal. Sie zahlen jeden Preis, denn sie sind verzweifelt», beschrieb auch ein christdemokratischer Politiker das mutmassliche Vorgehen der Amerikaner.

In den USA koordinieren das Aussenministerium und die Heimatschutzbehörden den Einkauf. Ein Mitarbeiter der Heimatschutzbehörde räumte gegenüber Reuters ein, dass die USA überhöhte Preise zahlen würden.

Die Regierung werde bis in den August grosse Mengen aufkaufen, «bis wir viel zu viel haben». Auch in den USA gibt es eine Diskussion über eine Maskenpflicht. Der Bedarf würde dann in die Milliarden gehen.

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