Solingen (D) - Sie soll fünf ihrer sechs Kinder ertränkt haben – jetzt packen die Väter aus
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Solingen (D)Sie soll fünf ihrer sechs Kinder ertränkt haben – jetzt packen die Väter aus

Im September 2020 fand die Polizei in einer Wohnung im deutschen Solingen fünf tote Kinder. Die Mutter soll sie je einzeln in der Badewanne ertränkt haben. Vor Gericht sagen nun die Väter aus.

von
Reto Heimann
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Die Mutter, die fünf ihrer sechs Kinder getötet haben soll, steht vor Gericht.

Die Mutter, die fünf ihrer sechs Kinder getötet haben soll, steht vor Gericht.

Oliver Berg/dpa
Sie ist sechsfache Mutter von drei verschiedenen Vätern.

Sie ist sechsfache Mutter von drei verschiedenen Vätern.

Oliver Berg/dpa
Einer dieser Väter sagte vor Gericht aus: Er habe die Angeklagte auf einer Escort-Seite kennengelernt.

Einer dieser Väter sagte vor Gericht aus: Er habe die Angeklagte auf einer Escort-Seite kennengelernt.

Oliver Berg/dpa

Darum gehts

  • Die Mutter, die im vergangenen September in Solingen fünf ihrer sechs Kinder in der Badewanne ertränkt haben soll, arbeitete als Sexarbeiterin.

  • Vor Gericht äusserte sich der Vater eines der toten Kinder.

  • «Ich habe sie im Internet auf einer Escort-Seite kennengelernt», sagt der Vater.

In Wuppertal steht eine 28-jährige Mutter vor Gericht. Ihr wird vorgeworfen, im September 2020 fünf ihrer sechs Kinder getötet zu haben. Sie soll dabei ihre Kinder zuerst mit Medikamenten betäubt und nachher je einzeln in der Badewanne ertränkt haben. Am vierten Verhandlungstag war nun der Vater eines der Kinder vor Gericht vorgeladen, um als Zeuge auszusagen. Darüber berichtet «Bild».

Der heute 36-jährige Mann lernte die Angeklagte online kennen – auf einer Seite, auf der Frauen ihren Körper gegen Geld anbieten. «Es ist unangenehm, darüber zu sprechen. Ich habe sie im Internet auf der Escort-Seite Kaufmich.de gesehen und ein paar Mal getroffen», so der Mann, der mit der Mutter einen zum Zeitpunkt des Todes achtjährigen Sohn hatte.

«Ging davon aus, dass sie Pille nimmt»

«Sie war jung, attraktiv, konnte sich gut unterhalten, machte einen intelligenten Eindruck. Anfangs hatte die Sache einen finanziellen Aspekt. Man zahlt für die Dienstleistung», so der Mann, der von Beruf Justizbeamter ist.

Aus dem Sexarbeits-Verhältnis wurde schnell mehr, so der Justizbeamte, so dass er irgendwann nicht mehr für den Sex mit der Angeklagten habe bezahlen müssen. Verhütung sei kein Thema gewesen: «Ich ging davon aus, dass sie die Pille nimmt», meinte der Mann vor Gericht.

Der älteste Sohn überlebte

Irgendwann aber bekam er ein Telefon. «Sie rief mich auf der Arbeit an und sagte, dass sie schwanger ist», so der Justizbeamte. Für ihn liege der Verdacht nahe, dass die Angeklagte es darauf abgesehen habe, schwanger zu werden. Der Kontakt brach ab, das nächste was der Mann von der Angeklagten bekam, war Post vom Jugendamt. Es ging um die Feststellung der Vaterschaft.

Die sechs Kinder der Angeklagten stammten von drei verschiedenen Vätern. Ihr erstes Kind erwartete sie mit 15. Auch der Vater des ältesten Kindes äusserte sich vor Gericht. Er kommt aus dem gleichen Dorf wie die Angeklagte. Das gemeinsam Kind, ein elfjähriger Sohn, ist das einzige Überlebende. «Als sie nach drei Monaten schwanger wurde, war ich überrascht. Ich schrieb ihr, dass ich nicht dahinterstehe. Von da an haben wir uns nicht mal mehr gegrüsst», so der heute 29-Jährige vor Gericht.

Zerrüttete Ehe

Die Motive des Verbrechens sind bislang öffentlich nicht genauer bekannt. Unmittelbar nach der Tat vermuteten die Ermittler, dass die Mutter die Taten in einem «Zustand emotionaler Überforderung» begangen haben könnte, wobei ihre zerrüttete Ehe ein möglicher Hintergrund gewesen sein könnte.

In diese Richtung äusserte sich auch die neue Lebenspartnerin vom Ehemann der Angeklagten. Mit ihm hatte sie vier Kinder, die nun alle tot sind. Ein Foto und eine Statusmeldung auf Whatsapp, das die neue Lebensgefährtin zusammen mit dem Ehemann der Angeklagten zeigte, soll der Auslöser für den mutmasslichen fünffachen Kindesmord gewesen sein. Die 28-jährige Mutter bestreitet die Tat.

Hast du oder hat jemand, den du kennst, ein Kind verloren?

Hier findest du Hilfe:

Fachstelle Kindsverlust, Beratung während Schwangerschaft, Geburt und erster Lebenszeit

Himmelskind.ch, für Akuthilfe und Trauerbegleitung

SIDS, nach plötzlichem Kindstod

Verein Regenbogen Schweiz, Hilfe für trauernde Familien

Mein-Sternenkind.ch, für betroffene Väter, Familien, Angehörige

Lifewith.ch, für betroffene Geschwister

Appella, Telefon- und Onlineberatung bei früher Fehlgeburt

Pro Pallium, Trauergespräche und Trauertreffen

Seelsorge.net, Angebot der reformierten und katholischen Kirchen

Muslimische Seelsorge, Tel. 043 205 21 29

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