Aktualisiert 07.10.2014 11:26

Talk von Schawinski «Sie spielen sich hier auf wie der Gross-Inquisitor»

IZRS-Chef Nicolas Blancho war zu Gast bei Roger Schawinski. Dieser versuchte vergeblich, von ihm eine klare Distanzierung zur Terrormiliz IS zu erhalten.

von
num
Roger Schawinski mit seinem Gast Nicolas Blancho: Chaotisches Gespräch ohne klare Bekenntnisse.

Roger Schawinski mit seinem Gast Nicolas Blancho: Chaotisches Gespräch ohne klare Bekenntnisse.

Zu Beginn der Sendung versuchte Schawinski einen kurzen Blick in den Mensch Blancho und sein Privatleben zu erhaschen. Die Einstiegsfrage - «Wer sind Sie?» - beantwortete dieser mit: «Ich bin das, was die Medien aus mir gemacht haben: ein Extremist, ein Radikaler, ein Islamist. Der Bin Laden von Biel. Dabei bin ich ein normaler Mensch, ein offener Mensch. Mit mir kann man diskutieren.»

Schawinski versuchte, Blanchos Familienverhältnisse zu beleuchten. Blancho spöttisch: «Ich bin mir nicht mehr sicher, wie viele Frauen ich habe, es ist ein Harem.» Als Schawinski ihn darauf festnageln wollte, seufzte Blancho: «Sie haben weniger Humor, als ich erwartet habe.» Fragen zu seinem Privatleben beantworte er nicht.

Schliesslich wandten sich die beiden der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) zu - und das Gespräch mündete im Chaos, da sich beide gegenseitig ins Wort fielen und grosse Themensprünge vollzogen. Blancho wiederholte mantraartig seine Position, dass die Terrormiliz in der Schweiz nur deshalb Anhänger finde, weil sich die muslimische Jugend hierzulande in die Ecke gedrängt fühle, weil die Islamophobie allgegenwärtig sei - und niemand etwas dagegen tue.

Dies könne Muslime in die Kriegsgebiete locken. «Sie sehen in der IS eine trügerische Perspektive, weil man ihnen hier keine Optionen gibt.» Muslime fühlten sich in der Schweiz diskriminiert. Blancho: «Wenn wir auf unseren Facebook-Seiten ‹Raus mit dem Dreckspack› lesen müssen, dann kommt kein Aufschrei.» Stehe hingegen «Raus mit den Juden», dann sei berechtigterweise der Aufschrei da. «Hier herrscht eine totale Lethargie in der Politik», konstatierte er.

«Monströses Kind westlichen Versagens»

Schawinski versuchte daraufhin mehrmals und fast verzweifelt, aus Blancho die klare Distanzierung von Blancho zum IS rauszukitzeln. «Sagen Sie in die Kamera, dass die Jugendlichen nicht zum ‹Islamischen Staat› gehen sollen, sagen Sie es, ich gebe Ihnen hier die Chance!» Blancho liess sich jedoch nicht darauf ein: «Sie spielen sich jetzt auf wie ein Gross-Inquisitor, das ist doch unglaublich.»

Die Weigerung des IZRS-Chefs, einfache Fragen mit Ja oder Nein zu beantworten, liess den Talkmaster verzweifeln. Doch je lauter Schawinski wurde, desto unantastbarer gab sich Blancho. «Wir übernehmen unsere Verantwortung. Aber das, das ist die Aufgabe des NDB (Nachrichtendienst des Bundes, Anm. d. Red.), das ist Aufgabe des Bundesrats, wir spielen jetzt nicht die Helden.» Der IS sei ein monströses Kind westlichen Versagens.

Schliesslich musste Schawinski die Segel streichen. Den IZRS-Chef konnte er nur selten aus der Reserve locken. Zu gut hatte dieser die meisten seiner Sätze auswendig gelernt und Ausweichmanöver in Gesprächen einstudiert.

Bei den Zuschauern kam das nicht gut an:

Andere fanden seinen Auftritt gelungen:

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