21 Tote in Bar: «Sie sprühten eine Substanz in die Menge, wir erstickten»

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21 Tote in Bar«Sie sprühten eine Substanz in die Menge, wir erstickten»

Eine Schülerparty in einer informell betriebenen Bar in Südafrika endete in einer Tragödie. 21 Menschen kamen ums Leben. Eine Augenzeugin erzählte, was sie erlebte, bevor sie für mehrere Stunden das Bewusstsein verlor. 

von
Karin Leuthold
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Mindestens 21 Jugendliche sind am 26. Juni nach einer Party in einer Bar in der südafrikanischen Stadt East London unter mysteriösen Umständen ums Leben gekommen.

Mindestens 21 Jugendliche sind am 26. Juni nach einer Party in einer Bar in der südafrikanischen Stadt East London unter mysteriösen Umständen ums Leben gekommen.

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Eine Zeugin behauptet, es könnte sich um eine Gasvergiftung handeln. 

Eine Zeugin behauptet, es könnte sich um eine Gasvergiftung handeln. 

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Die Enyobeni Tavern sei an jenem Abend voll gewesen, sagt die Schülerin. Das Personal habe die Gäste aufgefordert, den Club zu verlassen.

Die Enyobeni Tavern sei an jenem Abend voll gewesen, sagt die Schülerin. Das Personal habe die Gäste aufgefordert, den Club zu verlassen.

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Darum gehts

  • 21 Jugendliche zwischen 13 und 17 Jahren wurden am Sonntag leblos in einer kleinen Taverne in der Stadt East London aufgefunden.

  • Eine Zeugin erzählt, wie ein Türsteher ein Gas in die Menge sprühte, um die Leute aus dem Lokal zu verscheuchen.

  • Die Polizei fand Leichen in sich zusammengesunken auf Stühlen, Sofas und der Tanzfläche.

Um vier Uhr morgens begann plötzlich das Telefon der Polizeistation in der südafrikanischen Ortschaft East London pausenlos zu klingeln. Dutzende junge Menschen riefen verzweifelt um Hilfe. Einige hatten gesehen, wie in der Bar Enyobeni Gäste um sie herum tot zusammensackten und über Tische fielen oder zu Boden stürzten, andere rangen verzweifelt nach Luft oder konnten ihre Gliedmassen nicht bewegen.

Was in der Nacht in der informell betriebenen Bar in einem Township von East London, einer Stadt 1000 Kilometer östlich von Kapstadt, passierte, ist unklar. Doch nach Zeugenangaben dürften die Jugendlichen mit Gas vergiftet worden sein. Als die Polizei eintraf, entdeckte sie 17 Leichen. Die Beamten fanden die Leichen in sich zusammengesunken auf Stühlen, Sofas und der Tanzfläche. Vier weitere Jugendliche starben später im Spital. Bei den Opfern handelt es sich um Schüler und Schülerinnen eines Gymnasiums, die das Ende des Schuljahr feierten. Das jüngste Opfer war erst 13 Jahre alt, das älteste 17.

«Sie sprühten eine Substanz in die Menge»

Die 17-jährige Sinethemba, Schülerin der zwölften Klasse des Gymnasiums, erzählte dem Sender «Al-Jazeera», dass sie mit Freunden und Freundinnen die Party besucht habe, weil ihnen gesagt worden war, dass zwei lokale Seifenopern-Promis unter den Gästen sein würden.

Jugendliche unter 18 Jahren gelten in Südafrika gesetzlich als Minderjährige und dürfen keinen Alkohol kaufen oder konsumieren. Sinethemba musste warten, bis ihre Eltern schlafen gingen, um sich aus dem Haus zu schleichen. Die Enyobeni Tavern sei an jenem Abend voll gewesen, sagt die Schülerin. Das Personal habe die Gäste aufgefordert, den Club zu verlassen. Als die Leute dieser Aufforderung nicht nachkamen, schloss einer der Sicherheitsbeamten die Tür und begann, «eine Substanz in die Menge zu sprühen», erzählt Sinethemba.

Die Schülerin wartete. «Ein Türsteher sperrte die Ausgänge zu. Wir konnten nicht mehr atmen, wir hatten das Gefühl, zu ersticken und drängten uns gegenseitig. Aber es war sinnlos, einige Leute starben», sagte sie. «Es roch nach Gas. Ich bin mir nicht sicher, ob es Tränengas oder Pfefferspray war.» Dann weiss Sinethemba nicht mehr genau, was passierte. «Ich schlief drei Stunden lang ein. Sie weckten uns alles auf, zuerst dachten sie, ich sei auch tot», so die 17-Jährige. Als sie aufwachte, konnte Sinethemba eines ihrer Beine nicht bewegen, sie konnte nicht aufstehen.

Nachbarn ärgerten sich über Lärm in der Bar

Die Enyobeni-Bar ist ein zweistöckiges Gebäude, das sich inmitten von Wohnhäusern in einem dicht besiedelten Gebiet befindet. Wie die BBC berichtet, habe die Taverne schon oft für Unmut in der Gemeinde gesorgt. Anwohner und Anwohnerinnen hatten sich zuvor bei der Polizei über den Lärm und die späten Öffnungszeiten beschwert.

Derzeit führen Gerichtsmediziner die Autopsien an den Leichen durch. Proben wurden bereits am Sonntag per Flugzeug nach Kapstadt geschickt. Spezialisten aus Pretoria ermitteln, eine Festnahme erfolgte bislang nicht. 

Trauerst du oder trauert jemand, den du kennst?

Hier findest du Hilfe:

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Seelsorge.net, Angebot der reformierten und katholischen Kirchen

Muslimische Seelsorge, Tel. 043 205 21 29

Jüdische Fürsorge, info@vsjf.ch

Lifewith.ch, für betroffene Geschwister

Verein Regenbogen Schweiz, Hilfe für trauernde Familien

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Pro Senectute, Beratung älterer Menschen in schwierigen Lebenssituationen

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