Protestaktion: Sie stecken hinter den Fake-UBS-Postern

Aktualisiert

ProtestaktionSie stecken hinter den Fake-UBS-Postern

In Schweizer Grossstädten sind gefakte UBS-Plakate aufgetaucht. Offenbar handelt es sich um eine Aktion von Klimaschützern.

von
Dominic Benz
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Diese Plakate sind derzeit in Zürich und Basel zu finden.

Diese Plakate sind derzeit in Zürich und Basel zu finden.

Leser-Reporter
Darauf ist das UBS-Logo zu sehen und es heisst: «Merci viel mal. Ihr habt uns gerettet. Jetzt retten wir euer Klima.»

Darauf ist das UBS-Logo zu sehen und es heisst: «Merci viel mal. Ihr habt uns gerettet. Jetzt retten wir euer Klima.»

Leser-Reporter
Ein QR-Code verlinkt auf eine anonyme Website, die ebenfalls das Plakat zeigt.

Ein QR-Code verlinkt auf eine anonyme Website, die ebenfalls das Plakat zeigt.

20 Minuten/Screenshot

In Zürich und Basel sind an verschiedenen Orten mysteriöse UBS-Plakate aufgetaucht. Darauf zu lesen ist: «Merci viel mal. Ihr habt uns gerettet. Jetzt retten wir euer Klima.» Dazu steht neben einem aus 10-Euro-Noten gefalteten Tannenbaum der Hashtag #UBS4climate und der Hinweis «100% Klimaneutral». Am Claraplatz in Basel will eine Leserreporterin gleich vier der Poster vor einer UBS-Filiale gesichtet haben.

Bei den Plakaten handelt es sich allerdings um einen Fake. Aufgehängt haben sie Umweltschützer. Am Donnerstagabend bekannte sich die Kunstplattform Ignorance Unlimited zu der Kampagne. Zudem veröffentlichte sie ein Video auf Youtube:

Ein auf dem Plakat aufgebrachter QR-Code führt auf die Webseite Ubs4climate.com, auf der lediglich das Sujet des Plakats zu sehen ist. Ignorance Unlimited ist nach eigenen Angaben eine Verbindung von «unterschiedlichen Aktionsgruppen, die die Ignoranz der Stadt Basel anprangern wollen». Dabei gehe es darum, dass lokale Konzerne Mensch und Natur in anderen Teilen der Welt ausbeuten würden.

Die UBS-Aktion war allerdings nicht auf Basel beschränkt: Hundert Menschen hätten in der Nacht vom 1. auf den 2. Mai Plakate in Bern, Basel, Genf, Nyon, Lausanne, St. Gallen, Wädenswil, Winterthur und Zürich verteilt. Damit nehme die Plattform die «katastrophale Investitionspolitik der UBS ins Visier».

UBS findet Aktion «witzig»

Die UBS nimmts mit Humor. «Diese witzige Aktion macht auf ein wichtiges Thema aufmerksam, das uns in der Tat sehr am Herzen liegt», so UBS-Sprecherin Anita Greil. Nachhaltigkeit sei für die UBS zentral. Das Plakat sei im alten Brand-Design der Bank gehalten. Rechtliche Schritte gegen die Urheber der Aktion seien nicht geplant.

Der Zeitpunkt, an dem die gefakten Plakate auf Schweizer Strassen auftauchten, ist kein Zufall. Heute Donnerstag fand in Basel die Generalversammlung der UBS statt. Seit langem kritisieren Umweltschützer die Investitionen der Grossbanken UBS und Credit Suisse (CS) in Kohle- oder Öl-Unternehmen, die mit ihrem hohen CO2-Ausstoss das Klima schädigen. Die Aktivisten fordern von den Banken, ihr Anlageportfolio umzukrempeln und nur noch nachhaltige Firmen zu finanzieren.

UBS gibt sich grün

Laut UBS versucht man heute schon, nachhaltig zu investieren. Entsprechende Angebote an Anlagemöglichkeiten für Kunden erweitere man laufend. Zudem betont die UBS, dass man in der Schweiz 100 Prozent der elektrischen Energie aus erneuerbaren Quellen beziehe. Auch die Flugkilometer habe man global von einer Milliarde Kilometer im Jahr 2007 auf rund die Hälfte 2018 gesenkt. Im kommenden Jahr will sich die UBS weiter verbessern: Weltweit soll der gebrauchte Strom vollständig aus erneuerbaren Quellen stammen. Auch der Abfall sowie die selbst verursachten Treibhausgase will man weiter reduzieren.

Für Klimaexperte Georg Klingler von Greenpeace sind diese Klima-Bemühungen unglaubwürdig. Denn das wahre Problem liege darin, dass die Banken noch immer Milliarden in Unternehmen steckten, die mit fossilen Brennstoffen wie Kohle, Öl und Gas Geld verdienten. Die Banken seien dadurch für die massiven CO2-Emissionen mitverantwortlich. «Mit erneuerbaren Stromquellen und Reduktion von Flugkilometern das ganze Geschäftsmodell grün waschen zu wollen, ist haarsträubend», so Klingler. Er fordert daher den Stopp solcher Investitionen. «Sonst werden die Ziele des Pariser Klimaabkommens nie erreicht.»

Laut der aktuellen Analyse «Banking on Climate Change» von Greenpeace und anderen Nichtregierungsorganisationen haben die UBS und die CS von 2016 bis 2018 zusammen rund 83 Milliarden Dollar in Unternehmen im Berich fossile Brennstoffe investiert. Davon hat die CS mit knapp 60 Milliarden Dollar Investitionen den Löwenanteil.

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