Rumänin erpresst Zürcher: «Sie stellte mein Nacktvideo auf Facebook»
Aktualisiert

Rumänin erpresst Zürcher«Sie stellte mein Nacktvideo auf Facebook»

Der Zürcher Daniel F. (26) ist in eine Sex-Falle getappt: Ein Video, das ihn beim Chat nackt bis auf die Boxershorts zeigt, veröffentlichten die Erpresser auf Facebook.

von
Marco Lüssi

Daniel F. (Name geändert) lernte am Montagabend auf der Dating-Plattform Badoo die 24-jährige «Susan» kennen. «Ich hatte ein paar Bierchen getrunken, bevor ich online ging», berichtet der 26-Jährige aus dem Kanton Zürich. Im Chat erzählte ihm die gutaussehende Susan, sie sei halb Engländerin und halb Rumänin und halte sich derzeit bei Verwandten in der Schweiz auf. Sie sagte F., sie wolle ihn sehen, er solle die Webcam einschalten und sie per Skype kontaktieren. F. wollte erst nicht: «Ich sagte ihr, ich würde sie lieber mal treffen und sei jetzt sowieso müde», so der Zürcher Single.

Doch Susan liess nicht locker, bis F. einwilligte und die Skype-Verbindung stand. Dann kam sie in Fahrt: «Sie zog sich aus, spielte mit ihren Brüsten», berichtet F. «Daraufhin forderte sie mich auf, mich ebenfalls zu entkleiden.»

Opfer sollte 700 Euro nach Rumänien überweisen

Am Ende hatte F. nur noch die Boxershorts an: «Ich bin halt auch nur ein Mann.» Susan drängte ihn, auch die Unterhosen auszuziehen, sie wolle seinen Penis sehen. «Ich hatte schon von Sextortion gehört und wurde misstrauisch. Deshalb fragte ich sie: Woher weiss ich, dass du das nicht ins Internet stellst?» In diesem Moment war es vorbei mit der knisternd erotischen Stimmung: Susan offenbarte ihm, dass sie genau dies vorhabe, wenn er ihr nicht 700 Euro zahle.

Und sie schritt gleich zur Tat, um ihrer Forderung Nachdruck zu verleihen: «Sie schickte mir mehrere Youtube-Links, die zeigten, dass das Video bereits online war.» Wenn ich nicht zahle, werde es auch an meine Facebook-Freunde geschickt. F. erklärte sich zum Schein bereit, die Zahlung zu machen. «Ich hoffte, dass die Infos, die sie mir für die Überweisung geben würde, der Polizei später helfen könnten, die Täter zu fassen.»

Tatsächlich erfuhr er, dass er das Geld nach Rumänien überweisen sollte und erhielt auch einen Namen. Gezahlt hat F. nicht – er gab vor, er habe technische Probleme bei der Transaktion.

Im Internet als «Pädophiler» bezeichnet

Das rächte sich: Tatsächlich stellte Susan das Video auf Facebook, alle seine Freunde konnten es sehen. «Das war natürlich peinlich, doch glücklicherweise haben meine Freunde locker reagiert, viele fragten mich, wie sie mir helfen könnten.» Natürlich sei er aber froh, dass er sich geweigert habe, seine Boxershorts auch noch auszuziehen. Schlimmer noch als die Veröffentlichung des Videos ist für ihn, dass Susan den Film mit einem Begleittext versah, in dem sie seinen vollen Namen, seinem Wohnort und Bezeichnungen wie «Pädophiler» und «Kinderschänder» aufführte. «Das könnte mir sehr schaden, weil ich beruflich mit Jugendlichen zu tun habe.»

Aus dem Internet konnte F. das Video wieder entfernen, indem er es bei Youtube als «anstössig» meldete. Von Susan hat er nichts mehr gehört. «Ich traue der Sache noch nicht ganz, aber ich vermute, dass ihr und ihren Hintermännern der Aufwand mit mir zu gross ist und sie sich bereits neue Opfer gesucht hat», sagt F. Er werde aber bei der Polizei Anzeige wegen versuchter Erpressung erstatten.

«Mehrere Tätergruppen»

Ähnliches wie F. erleben viele Schweizer Männer. Im Sommer dieses Jahres hat die Koordinationsstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (Kobik) des Bundesamts für Polizei vor der Sextortion-Masche gewarnt – solche Fälle würden sich häufen. Trotz der Warnung haben die Fälle seither nicht abgenommen: «Der Meldungseingang ist stabil», sagt Sprecherin Danièle Bersier.

Die Kobik kennt mehrere Fälle, in denen wie bei F. die Drohung, das Sexvideo ins Netz zu stellen, umgehend wahrgemacht wurde. Die Betroffenen könnten aber – wie es F. auch gemacht hat – bei den Online-Plattformen veranlassen, dass das Video wieder gelöscht werde: «Bei Facebook und Youtube sind pornografische Inhalte beispielsweise nicht erlaubt und werden in der Regel relativ rasch gelöscht», so Bersier. Das Vorgehen, das Opfer zusätzlich unter Druck zu setzen, in dem man es im Internet als «pädophil» bezeichnet, sei der Kobik bekannt.

Aussergewöhnlich ist im Fall von F., dass die Erpresser offenbar aus Rumänien stammen. Der Kobik seien vor allem Fälle bekannt, in denen Geld nach Westafrika überwiesen werden sollte, so Bersier. Aber: «Es ist von mehreren Tätergruppen auszugehen.»

Sind Sie auch Opfer von Sextortion geworden? Schildern Sie uns Ihren Fall per Mail an feedback@20minuten.ch

Das sollten Sextortion-Opfer tun

Opfern von Sextortion rät die Kobik, den Kontakt zu dieser Person sofort abzubrechen und keinesfalls auf die Erpressung einzugehen. Häufig werde nach einer ersten Bezahlung weiter Geld gefordert. Zudem würden die Täter oftmals die Bilder oder Videos trotz Zahlung ins Internet stellen. In einem solchen Fall helfe nur, das Video oder Foto von der entsprechenden Plattform löschen zu lassen. Hat man bereits gezahlt, kann man beim Polizeiposten am Wohnort Anzeige wegen Erpressung erstatten. Es empfiehlt sich laut Kobik, alle gesammelten Beweismittel wie Kontaktangaben, Printscreens von Chats etc. mitzunehmen.

Die Chancen, an die Täter zu gelangen, sind in solchen Fällen aber sehr gering.

Generell rät Kobik, unbekannten Personen übers Internet keine persönlichen Daten preiszugeben und keine intimen Details oder Bilder zukommen zu lassen: Sind diese einmal in fremden Händen, können sie jederzeit irgendwo im Internet auftauchen.

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