Aktualisiert 14.09.2016 14:10

Zürichsee

Sie steuert als erste Frau einen Raddampfer

Manuela Balàzs führt als erste Kapitänin der Schweiz auf dem Zürichsee einen Raddampfer. Die 43-Jährige begann ihre Karriere als Malerin.

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som
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Manuela Balàzs gibt am Bürkliplatz übers Sprachrohr das Kommando zur Abfahrt der Stadt Zürich.

Manuela Balàzs gibt am Bürkliplatz übers Sprachrohr das Kommando zur Abfahrt der Stadt Zürich.

Reto Oeschger
Der Raddampfer "Stadt Zuerich" ankert beim Bürkliplatz

Der Raddampfer "Stadt Zuerich" ankert beim Bürkliplatz

Keystone/Walter Bieri

Von der Kommandobrücke des Dampfers Stadt Zürich winkt selbstbewusst eine grossgewachsene Frau mit langen, blonden Haaren, als hätte sie in ihrem Leben nie etwas anderes gemacht, als Dampfschiffe am Steg zwei beim Bürkliplatz zu parkieren. Dabei ist der Dienstag erst der zweite Arbeitstag von Manuela Balàzs als Kapitänin des 107 Jahre alten Salondampfers.

Die Balàzs sind 1956 aus Ungarn in die Schweiz eingewandert. Nach der Schulzeit in Winterthur liess sich Manuela Balàzs zur Malerin ausbilden, dann arbeitete sie im Geschäft des Vaters als Maurerin, Gipserin und Plättlilegerin, bis sie Fahrerin beim Expresskurierdienst DHL wurde. Der erste Karrieresprung gelang ihr als 23-Jährige, als sie beim Formel-1-Rennstall Sauber angestellt wurde, um Chassisteile aus Carbon zu produzieren.

Von der Malerin zur Kapitänin

1997 erschien ein Inserat der Zürichsee-Schifffahrtsgesellschaft, die eine Malerin suchte – «im Winter am See, im Sommer auf dem See». Manuela Balàzs wurde angestellt und begann in der Werft Schiffsrümpfe, Relings und Sitzbänke zu schleifen und zu bemalen. Bis es Frühling war und aus der Malerin eine Matrosin wurde: Schiffe festmachen, Tickets kontrollieren und Landebrücken hin- und herschieben. Sechs Sommer lang war Balàzs Matrosin und Deckchefin, bis sie als 30-Jährige ein Steuerruder in die Hand bekam – als Bootsführerin auf den Limmatbooten.

Seit Montag trägt die 43-jährige Balàzs an ihrer blauen Uniformbluse vier Streifen. Sie ist eine von sieben Dampfschiffkapitänen auf dem See, doch zwei der alten Seebären werden noch 2016 pensioniert. Ihre Prüfung zur Kapitänin hatte sie am Freitag vor einem Experten des Bundesamtes für Verkehr abgelegt. Sie erhielt das B-III-Brevet zur Steuerung von Dampfschiffen im konzessionierten Kursverkehr – als erste Frau der Schweiz.

Anspruchsvolles Steuern von einem Dampfer

Bevor sie zur Prüfung konnte, verbrachte Balàzs 31 Tage im Sommer zusammen mit einem erfahrenen Dampferkapitän auf dem See. «Einen Dampfer zu steuern, ist sehr anspruchsvoll, weil er schwieriger manövrierbar ist und einen sehr grossen Wendekreis hat», sagt sie.

Das Zürcher Seebecken an einem Sommertag mit hektischem Freizeitverkehr zu durchqueren, ist vor ­allem mit einem Raddampfer eine Nervensache. Der Weg gleicht oft einem Slalom – bloss können Dampfer nicht Slalom fahren. Und sie sind wegen ihrer mächtigen Schaufelräder auch breiter und gefährlicher als Motorschiffe.

Übernommen vom «Tages-Anzeiger», bearbeitet von 20 Minuten.

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