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Doktor Sex«Sie stöhnt nicht und ist steif wie ein Brett!»

Rian hat eine tolle, offene Freundin. Alles läuft super - ausser im Bett: Da lässt sie ihn die ganze Arbeit allein machen. Soll er sie darauf ansprechen?

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Wenn sich eine Frau beim Sex nicht gehen lassen kann, liegt das zuweilen auch am Partner. (Symbolbild: Colourbox.com, Mich�le Constantini)

Wenn sich eine Frau beim Sex nicht gehen lassen kann, liegt das zuweilen auch am Partner. (Symbolbild: Colourbox.com, Mich�le Constantini)

Frage von Rian (26) an Doktor Sex: Ich habe seit sechs Monaten eine tolle Freundin. Sie ist eine sehr offene Person und es läuft alles super - ausser im Bett. Beim Sex liegt sie steif wie ein Brett da und ich muss die ganze Arbeit machen. Da sie auch noch nicht stöhnt, habe ich keine Ahnung, ob es ihr gefällt, was ich mache. Soll ich sie darauf ansprechen?

Antwort von Doktor Sex

Lieber Rian

«Sprich nur, wenn du die Stille verbessern kannst», habe ich neulich irgendwo gelesen. Auch wenn ich diese Aufforderung wunderbar passend zu unserer geschwätzigen Welt finde: Dir rate ich unbedingt zum Reden, denn Schweigen führt in eurem Fall mit grosser Wahrscheinlichkeit zu einer Katastrophe. Ohne gleich den Teufel an die Wand malen zu wollen: Das Verhalten deiner Freundin ist auffällig und wirft bei mir Fragen auf, die ich dir nicht vorenthalten möchte:

Hat sie vor der Beziehung mit dir beim Sex etwas Unangenehmes erlebt, allenfalls sogar Gewalt? Ist sie «nur» unsicher und weiss nicht, wie sie sich dir mitteilen soll? Bist du möglicherweise zu forsch im körperlichen Umgang mit deiner Freundin? Weisst du, was ihr Spass macht, oder ziehst du einfach durch, was man(n) halt so macht? Bist du besetzt von einer bestimmten Vorstellung davon, wie sie sich beim Sex verhalten sollte? Suchst du vielleicht in erster Linie Bestätigung für dich?

Ich empfehle dir, der einen oder anderen dieser Fragen auf den Grund zu gehen – für dich allein, und da, wo es dir sinnvoll erscheint, in einem achtsamen und sorgfältigen Gespräch mit deiner Freundin. Was ihr beide wissen müsst: Niemand ist für den Orgasmus oder die sexuelle Befriedigung seines Partners oder seiner Partnerin allein verantwortlich. Und zu glauben, man könne sich gegenseitig die Wünsche von den Augen – oder von wo auch immer – ablesen, ist hoffnungslos romantisch und naiv. Auch ganz wichtig: Zusammen Sex zu haben muss man lernen. Und dieses Lernen braucht Zeit. Sechs Monate reichen dafür jedenfalls nicht.

Lasst euch Zeit, euch gegenseitig auch auf der körperlichen Ebene in Ruhe kennenzulernen. Findet heraus, was euch Spass macht. Für euch je einzeln allein und auch gemeinsam. Entwickelt euer eigenes Vokabular, euere eigene Sprache und lernt, zusammen über Sex und das, was ihr bei der Selbstbefriedigung erlebt, zu sprechen. Das alles schafft Vertrauen und dieses wiederum ist ein gutes Fundament für ein entspanntes Liebesspiel. Und zudem die Möglichkeit, zunehmend auch über sensible Dinge rund um die Themen Liebe, Sex und Beziehung zu sprechen.

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