LGBTQ-Tiktoker in Zürich attackiert: «Es eskaliert, weil alles geschlossen ist»
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LGBTQ-Tiktoker in Zürich attackiert«Es eskaliert, weil alles geschlossen ist»

Zwei Jugendliche wurden am Samstag in Zürich durch eine grössere Gruppe angegriffen. Ein Tiktoker sagt, dass der Lockdown der Grund für die Krawalle ist.

von
Katja Fässler
Thomas Mathis

Diese Szenen von der Samstagnacht am Stadelhofen gingen auf Tiktok viral.

Darum gehts

  • In der Nacht auf letzten Sonntag kam es am Stadelhofen zu einer grösseren Menschenansammlung.

  • Die Polizei bestätigte, dass es mehrere Auseinandersetzungen gegeben habe.

  • Unter anderem wurden zwei Jugendliche von einer Gruppe verfolgt und verprügelt.

  • Nun äussert sich eines der Opfer zu der Gewaltnacht.

Mehrere Videos einer grossen Menschenansammlung am Zürcher Stadelhofen gingen am Wochenende viral. Es kam zu verschiedenen Auseinandersetzungen. Die Polizei berichtete unter anderem auch von einem Angriff auf zwei Personen durch eine grössere Gruppe, worauf ein 16-jähriger Tatverdächtiger festgenommen wurde.

Ein 19-jähriger Tiktoker aus der Region Zürich, der am Samstag das Geschehen beobachtet hat, findet es «krass und unnötig», was passiert ist. «Wir wollten mit drei Kollegen am See hängen, weil wir nicht in den Ausgang können. Plötzlich hatte es viele Leute», erzählt er. Diese seien gekommen, weil auch in der Community bekannte Tiktok-Stars vor Ort waren. Darunter ist der 16-jährige Vincenzo.

«Es eskaliert wegen Lockdown»

Dann sei es zu Krawallen gekommen. «Die Massen rannten hin und her. Mehrere Personen warfen Flaschen gegen die Polizei.» Er vermutet, dass es wegen dem Lockdown zu den Krawallen gekommen ist. «Alles ist zu, deswegen eskaliert es», sagt er. Man wolle beweisen, dass die Szene am Stadelhofen ihren Namen verdient habe.

Auch er kämpfe mit dem Lockdown und sei müde. «Es ist brutal anstrengend, dass wir nichts unternehmen können. Ich fühle mich eingesperrt. Was soll ich meinen Kindern erzählen, was ich in meiner Jugend gemacht habe?» Früher sei er gern am Zürichsee gehängt, nun herrsche eine aggressive Stimmung. «Ein falscher Blick und schon gibt es Stress.»

«Gruppe hat uns angepöbelt»

Mehrere Zeugen berichten dem «Tagesanzeiger», dass es sich um einen gezielten Angriff auf Transpersonen und Homosexuelle gehandelt habe. Sie seien vom Stadelhoferplatz bis zum Opernplatz verfolgt und dann verprügelt worden.

Eines der Opfer ist der 16-jährige Vincenzo. Er sei glücklicherweise nicht ernsthaft verletzt worden. Sein Freund sei mit Fusstritten angegriffen worden. «Ich war mit Kollegen am See, wir haben Musik gehört und getanzt. Eine Gruppe aus rund zehn jungen Männern hat uns gesehen und angepöbelt. Sie kennen uns, weil wir auf Tiktok aktiv sind und eine gewisse Bekanntheit haben», schildert er.

Ihre Homosexualität sei dabei für Tausende von Followern kein Geheimnis. In einem Video an seine Community schildert Vincenco das Ganze dann noch einmal, weil viele nach seinem Wohlbefinden gefragt hatten. «Ich bin zur Security gegangen und habe eine Anzeige gemacht», erzählt er. Es ginge ihm aber gut, es «sei alles ok».

Angriffe auf LGBTQ wiederholen sich

Auf den Kanälen der LGBTQ-Gemeinschaft schlägt der Vorfall hohe Wellen. «Wer schwul, lesbisch oder trans ist, muss in der Gegend rund um den Stadelhofen sowieso dauernd mit Anfeindungen leben», sagt Alessia Scupola, die sich in der LGBTQ-Gemeinschaft engagiert, gegenüber der Zeitung. Immer wieder kommt es im Zürcher Nachtleben zu ähnlichen gewaltsamen Attacken.

Auf Clubhouse fand am Sonntag ein Treffen mit rund 100 Teilnehmern statt, welche die Problematik der homophoben Gewalt diskutierten. Das Meeting angestossen hat eine Äusserung des Comedians Zeki zum Vorfall am Stadelhofen, die in der LGBTQ-Community scharf kritisiert wurde. Zeki sagte auf Anfrage des Tagesanzeigers, dass er nun mit seinen 600’000 Followern seine Reichweite nutzen will, um auf das Thema aufmerksam zu machen.

Tiktoker Vincenzo will aber trotz der schlechten Erfahrung nicht in Angst leben. «Ich werde nun noch stolzer am Stadelhofen auftreten. Mich jetzt zu verstecken, wäre genau das falsche Signal.»

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