Saferparty.ch an der Street Parade: Sie verhindert gerade eine MDMA-Überdosis
Aktualisiert

Saferparty.ch an der Street ParadeSie verhindert gerade eine MDMA-Überdosis

Am Stand von Saferparty.ch sorgt man dafür, dass die Drogenkonsumenten an der Street Parade wenigstens wissen, was sie zu sich nehmen. 20 Minuten war vor Ort.

von
V. Fehlmann

Christian Kobel, Leiter der Jugendberatung Streetwork, erklärt im Interview, was Saferparty.ch an der Street Parade macht. (Video: 20Minuten/vro)

Ecstasy, Kokain, MDMA – vieles wird an der grössten Technoparty der Schweiz konsumiert. Doch bei illegalen Drogen ist das Risiko gross, dass etwa die Dosierung gefährlich hoch ist oder gefährliche Streckmittel enthalten sind. Hier kommt saferparty.ch von der Zürcher Jugendberatung Streetwork ins Spiel: Mitten im Getümmel beim Bürkliplatz testen Mitarbeiter an einem Stand die Drogen, die ihnen Street-Parade-Besucher vorbei bringen.

Ein Augenschein vor Ort zeigt: Der Stand ist gut besucht. Die Sonne scheint, die Stimmung ist gut. Vor dem Stand riecht es wie andernorts zeitweise nach Marihuana. Fast immer steht eine Traube von Menschen beim Stand. Es sind Menschen jeder Altersklasse. Nicht alle lassen hier illegale Drogen auf ihre Zusammensetzung testen. Manche informieren sich über die Gefahren des Konsums, die auf Plakaten geschildert werden, oder bedienen sich an den Prospekten.

Eine Pille, die gefährlich werden könnte

Saferparty.ch macht an der Street Parade rund 30 bis 40 Drug Checks, wie Christian Kobel, Leiter der Jugendberatung Streetwork, sagt. In einem mobilen Labor analysieren die Mitarbeiter in rund 20 Minuten eine Probe, die sie etwa einer Pille entnommen haben. So können sie genau herausfinden, welche Inhaltsstoffe die Substanz hat. «Die Leute bringen vor allem Ecstasy-Pillen, aber auch Kokain, Amphetamin und vereinzelt auch LSD», erklärt Kobel. Insgesamt wurden dieses Jahr 62 Substanzen getestet.

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Am Stand von Saferparty.ch können Street-Parade-Besucher jedes Jahr Drogen testen lassen. So finden sie heraus, wie sie zusammengesetzt sind.

Am Stand von Saferparty.ch können Street-Parade-Besucher jedes Jahr Drogen testen lassen. So finden sie heraus, wie sie zusammengesetzt sind.

20 Minuten/vro
Am Stand können sich auch alle Interessierten über die Gefahren von Drogen informieren oder sich beraten lassen.

Am Stand können sich auch alle Interessierten über die Gefahren von Drogen informieren oder sich beraten lassen.

20 Minuten/vro
Rings um den Stand herum hängen Plakate, die vor den Gefahren der jeweiligen Substanzen warnen.

Rings um den Stand herum hängen Plakate, die vor den Gefahren der jeweiligen Substanzen warnen.

20 Minuten/vro

Die Testresultate sind oft überraschend: Ein junger, stämmiger Mann brachte am Samstag beispielsweise eine Ecstasy-Pille vorbei. Die Mitarbeiterin schabt ein Stück davon ab und gibt es in ein Reagenzglas. Nach rund 20 Minuten steht das Ergebnis fest. Als der Mann dieses erfährt, wirkt er fast sprachlos. Er scheint komplett verblüfft. Tatsächlich war die Pille stark überdosiert, wie die Mitarbeiterin erklärt. Sie enthielt 270 Milligramm MDMA.

Bereits ab 120 Milligramm warnt saferparty.ch vor dem Konsum. Hätte der kräftige Mann seine Pille in einem Stück genommen, hätte das für ihn böse enden können.

Kobel warnt auch: «Gefährlich sind momentan die hoch dosierten Ecstasy-Pillen.» Aktuelle Zahlen zeigen, dass die Droge immer stärker wird. Im ersten Halbjahr waren in einer Pille durchschnittlich 173,4 Milligramm MDMA. Gerade an der Street Parade ist die Gefahr gross, gefährliche Substanzen zu erhalten. «Wir raten davon ab, an der Street Parade selbst Drogen zu kaufen. Das Risiko ist gross, dass einem eine Fälschung oder Ähnliches untergejubelt wird», sagt Kobel.

Keine Junkies, dafür alles andere

Den typischen Drogenkonsumenten scheint es am Stand nicht zu geben. Die, die sich hier über die Tests informieren, sehen aus wie du und ich: Junge Menschen – meistens Männer – die in Partylaune sind. Die einen tragen indianischen Kopfschmuck oder sonstige aufwendige Kostüme, die anderen tragen normale Kleider und fallen kaum auf. Manche kennen sich, andere sind alleine hier. Offensichtliche Drogenabhängige sucht man hier vergebens.

Was auffällt: Die Mitarbeiter am Stand führen viele Gespräche. Das Risiko beim Drogenkonsum scheint vielen bewusst und real. Ganz verzichten wollen sie aber offenbar doch nicht. Und nach dem Zwischenstopp am Stand von saferparty.ch tauchen sie deshalb bald wieder ab in der Masse der Tanzenden.

Hoch dosiert und dreckig

Die Drogentests an der Street Parade zeigten, dass rund ein Drittel der getesteten Substanzen, als riskant eingestuft wurden, sieben gar als hoch riskant, wie die Jugendberatung Streetwork am Sonntag mitteilte.

Insgesamt haben die Fachleute 62 Substanzen getestet, darunter Ecstasy, Kokain sowie Amphetamin und LSD. Neben zu hoher Dosierung stellten die Fachleute auch einen Viagra-Wirkstoff in MDMA-Pulver sowie gefährliche Streckmittel in Kokain- und Amphetaminproben fest.

Rund 350 Personen haben die Drug Checking Angebote im Verlauf der Street Parade in Anspruch genommen. Mit all diesen Personen seien obligatorische Beratungsgespräche geführt worden, bei denen riskante Konsummuster und Suchtgefährdung angesprochen worden seien.

Das macht saferparty.ch

Die Jugendberatung Streetwork führt mit saferparty.ch als Teil des Sozialdepartementes der Stadt Zürich Drug-Checking mit Beratung durch. Dabei geht es darum, illegal erworbene psychoaktive Substanzen auf ihren tatsächlichen Inhaltsstoff hin zu analysieren und Konsumenten zu den Risiken des Konsums zu informieren. Dies ermöglicht, gefährlichere und unerwartete Stoffe, hohe Dosierungen sowie neue Substanzen aufzudecken und die Konsumierenden entsprechend zu warnen.

Mehr Informationen unter www.saferparty.ch

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