Toter 15-Jähriger in Sugiez FR: «Sie versuchten sicher 30 Minuten ihn zu reanimieren»
Publiziert

Toter 15-Jähriger in Sugiez FR«Sie versuchten sicher 30 Minuten ihn zu reanimieren»

Am Samstag starb im Kanton Freiburg ein 15-Jähriger, nachdem er am Bahnhof in Sugiez von einem Zug erfasst wurde. Dem Unfall geht offenbar ein langer Streit zwischen Banden aus der Region voraus.

Darum gehts

  • Nach Streitigkeiten zwischen Teenagergruppen im Kanton Freiburg starb ein 15-Jähriger.

  • Der Teenager wurde auf einem Gleis im Bahnhof Sugiez von einem Zug erfasst.

  • Dorfbewohner berichten vom Unfall – und einem Bandenkrieg, unter dem sie schon lange leiden.

Am Samstagabend verabredeten sich zwei Teenagergruppen im Kanton Freiburg zu einem Streit. Nachdem die Polizei die Gruppen am Bahnhof Murten getrennt hatte, kam es beim Bahnhof in Sugiez zu einem tödlichen Unfall. Ein 15-Jähriger lief auf die Gleise und bemerkte einen herannahenden Zug nicht. Er starb im Spital an seinen Verletzungen.

Ein Anwohner, der direkt gegenüber des Bahnhofs wohnt, sagt zu 20 Minuten: «Am Wochenende hat es oft viele Jugendliche dort, gestern hörten wir aber Schreie und wie der Zug hart abbremste.» Weiter hätten sie gesehen, wie sich die Anwesenden um den verunfallte 15-Jährigen kümmerten. «Sie haben sicher 30 Minuten lang versucht, ihn zu reanimieren.» Es sei ein schrecklicher Abend gewesen. Am Sonntagmorgen habe er dann aus den Medien erfahren, dass es der Junge nicht geschafft habe.

1 / 7
Am Bahnhof von Sugiez verstarb ein 15-Jähriger.

Am Bahnhof von Sugiez verstarb ein 15-Jähriger.

Leser-Reporter
Zwei Teenagergruppen verabredeten sich am Freitagabend im Kanton Freiburg zu einem Streit. Die Polizei rückte aus, um eine Konfrontation zwischen den Gruppen bereits präventiv zu verhindern. Eine der beiden Gruppen konnte in Murten aufgelöst werden.

Zwei Teenagergruppen verabredeten sich am Freitagabend im Kanton Freiburg zu einem Streit. Die Polizei rückte aus, um eine Konfrontation zwischen den Gruppen bereits präventiv zu verhindern. Eine der beiden Gruppen konnte in Murten aufgelöst werden.

20Min
Am Bahnhof von Sugiez traf die zweite Gruppe, bestehend aus rund 30 Teenagern ein. Dort wartete ebenfalls bereits die Polizei. Die Beamten forderten die Teenager auf, den nächsten Zug zurück nach Neuenburg zu nehmen.

Am Bahnhof von Sugiez traf die zweite Gruppe, bestehend aus rund 30 Teenagern ein. Dort wartete ebenfalls bereits die Polizei. Die Beamten forderten die Teenager auf, den nächsten Zug zurück nach Neuenburg zu nehmen.

20Min

Weitere Einwohner des Dorfes bestätigen, dass sich vor allem an Wochenendabenden viele Jugendliche um den Bahnhof herum versammeln. Es handle sich um einen regelrechten Bandenkrieg zwischen Teenagern aus Neuenburg und Murten. «Sie terrorisieren das ganze Dorf», sagt eine Einwohnerin. Man treffe sich regelmässig, um sich zu prügeln. Oft gingen 20 bis 30 Personen aufeinander los, sagt sie weiter.

Tiktok-Video als Auslöser?

Der Kantonspolizei Freiburg liegen gemäss Mediensprecher Yvan Buchs keine Hinweise darauf vor, dass es in Sugiez bereits früher zu Auseinandersetzungen gekommen sei: «Im konkreten Fall wurden wir informiert, dass sich eine grössere Gruppe Jugendliche am Bahnhof in Murten versammelt habe. Wir rückten aus, um sicherzustellen, dass die aufgrund der Corona-Krise geltenden Massnahmen eingehalten werden.» Im Gespräch mit den Jugendlichen habe die Polizei erfahren, dass offenbar eine zweite Gruppe aus Neuenburg auf dem Weg sei, um einen Konflikt auszutragen.

Die Polizei nehme die Sorgen der Anwohner ernst, sagt Buchs: «Wenn jemand feststellt, dass sich eine grössere Personengruppe versammelt und etwas verdächtig scheint, darf man ungeniert die Polizei anrufen. Insbesondere jetzt, wo wir aufgrund von Corona verhindern wollen, dass sich grössere Gruppen treffen, seien es nun Jugendliche oder Erwachsene.»

Auch in Murten sind die Streitigkeiten offenbar weitläufig bekannt. Ein 18-Jähriger will die Ursache für die Probleme kennen: ein Tiktok-Video. Eine Gruppe aus der Hiphop-Szene Murtens habe einen Clip gezeigt, der Murten «abfeiert». Daraufhin hätten Jugendliche aus Neuenburg Beleidigungen darunter gepostet. «Das Ganze ist dann eskaliert und hätte am Samstag in Murten mit Fäusten ausgetragen werden sollen», so ein Betroffener aus Murten.

Bist du oder jemand, den du kennst, von sexualisierter, häuslicher, psychischer oder anderer Gewalt betroffen?

Hier findest du Hilfe:

Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz

Fachstelle Frauenberatung

Onlineberatung für Frauen (BIF)

Onlineberatung für Männer

Onlineberatung für Jugendliche

Frauenhäuser in der Schweiz und Liechtenstein

Zwüschehalt, Schutzhäuser für Männer

LGBT+ Helpline, Tel. 0800 133 133

Pro Juventute, Tel. 147

(bla/cho/mag)

Deine Meinung