Essensausgabe während Corona - Sie verteilen täglich 300 warme Mahlzeiten an Bedürftige in Zürich
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Essensausgabe während CoronaSie verteilen täglich 300 warme Mahlzeiten an Bedürftige in Zürich

Schwester Ariane Stocklin und Pfarrer Karl Wolf organisieren täglich eine Essensausgabe für bedürftige Menschen bei der Zürcher Europaallee. Ihre Arbeit stösst auf viel Dankbarkeit.

von
Lynn Sachs

Darum gehts

  • Der Verein Incontro verteilt täglich 300 bis 400 warme Mahlzeiten bei der Zürcher Europaallee.

  • Schwester Ariane Stocklin und Pfarrer Karl Wolf haben sich zu Beginn der Pandemie dazu entschieden, Essen zu verteilen und andere Angebote zu realisieren.

  • Die Aktion stösst auf Dankbarkeit.

Hinter den Bahngleisen bei der Zürcher Europaallee stehen täglich über hundert Menschen in einer Schlange. Menschen jeden Alters und aus verschiedenen Kulturen warten auf eine warme Mahlzeit. Durchgeführt wird diese Essensausgabe vom Verein Incontro. «Seit über drei Jahren gehen wir täglich auf die Gasse im Langstrassenviertel und bauen Beziehungen und Freundschaften zu den Menschen auf», sagt Schwester Ariane Stocklin.

Die 48-jährige Schwester und Pfarrer Karl Wolf hatten sich zu Beginn der Corona-Krise dazu entschieden, auf der Gasse zu bleiben und den Menschen täglich mit Mahlzeiten und Lebensmitteln, einem offenen Ohr und jeglichen weiteren Anliegen beiseite zu stehen. 20 Minuten durfte die beiden Helfenden für einen Tag begleiten.

Essensgutscheine sind begehrt

Der Tag startet im «Primero», einem Lokal des Vereins im Kreis vier. Hier können sich die Menschen aufwärmen, etwas trinken, Hilfe finden oder zur Ruhe kommen. Bereits bevor das Lokal um 15 Uhr öffnet, bildet sich vor der Türe eine Schlange – rund 70 Personen stehen davor. Es hatte sich herumgesprochen, dass Schwester Ariane und Pfarrer Karl Wolf Essensgutscheine verteilen, welche die Stadt dem Verein zur Verfügung gestellt hat.

Das Angebot ist für Menschen, die wegen Corona in die Armut geraten sind, eine echte Hilfe: «Der Verein Incontro hilft uns nicht nur dabei, unsere Kinder zu ernähren, sie helfen uns auch seelisch durch diese schwierigen Zeiten», sagt eine alleinerziehende Mutter, die in er Schlange steht. Sie war in die Schweiz gekommen, um im Milieu zu arbeiten. Aufgrund der Corona-Pandemie verlor sie jegliches Einkommen.

Ein 26-jähriger Spanier ist im Januar 2021 in die Schweiz gekommen, um Arbeit zu suchen. «Ich hatte kleinere Nebenjobs, doch eine Festanstellung oder eine Wohnung fand ich nicht», erzählt er. Zu Schwester Ariane und Karl fand er über einen Tipp in der Notschlafstelle. Durch den Verein hat er nun ein Dach über dem Kopf, besucht einen Intensiv-Deutschkurs und hat eine Stelle gefunden. «Ich bin Incontro jeden Tag sehr dankbar.»

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Schwester Ariane und Pfarrer Karl Wolf verteilen in Zürich Esswaren und Mahlzeiten.

Schwester Ariane und Pfarrer Karl Wolf verteilen in Zürich Esswaren und Mahlzeiten.

20min/Marco Zangger
«Seit über drei Jahren gehe ich täglich auf die Gasse im Langstrassenviertel und suche den Kontakt zu den Menschen», sagt Ariane Stocklin.

«Seit über drei Jahren gehe ich täglich auf die Gasse im Langstrassenviertel und suche den Kontakt zu den Menschen», sagt Ariane Stocklin.

20min/Marco Zangger
Zusammen mit Pfarrer Karl Wolf hat sie sich dazu entschieden, auch während der Corona-Pandemie den Leuten auf der Gasse beizustehen.

Zusammen mit Pfarrer Karl Wolf hat sie sich dazu entschieden, auch während der Corona-Pandemie den Leuten auf der Gasse beizustehen.

20min/Marco Zangger

400 warme Mahlzeiten

Jeden späten Nachmittag treffen sich Freiwillige am Helvetiaplatz. Mit vollen Bollerwagen geht es dann zur Europaallee. Neben Mahlzeiten werden an diesem Tag auch Säcke mit Grundnahrungsmitteln und Kleidern verteilt. Schon bei der Ankunft der Freiwilligen stehen viele Leute in der Reihe. «Wir verteilen täglich zwischen 300 und 400 warme Mahlzeiten, einige Personen holen Mahlzeiten für sich selbst, andere für die ganze Familie», erzählt Karl.

«Zur Essensausgabe komme ich auch für das Zwischenmenschliche», sagt ein 49-jähriger IV-Bezüger. Er freue sich, die Freiwilligen zu sehen. «Ich hole regelmässig Mahlzeiten für mehrere Personen und bringe sie ins «Primero». Dort essen wir zusammen.» Auch eine 60-jährige Sozialhilfebezügerin wartet auf eine Mahlzeit. Sie erzählt von Auseinandersetzungen in der Reihe. Viele Leute hätten dieselben Probleme. «Es ist eine aufgeladene Situation. So kommt es teilweise zu Streitereien.»

«Erschöpft, aber glücklich»

Nach rund drei Stunden waren alle Mahlzeiten verteilt. Schwester Ariane und Karl kehrten erschöpft ins «Primero» zurück. «Der Tag war sehr intensiv, aber es macht glücklich, bei den Menschen zu sein und mit ihnen ein Stück ihres Weges zu gehen», sagt Karl. Jeder Tag sei eine Überraschung, man wisse nie, was einem erwarte. Schon am nächsten Tag werden sie etlichen neuen Menschen begegnen, die Unterstützung brauchen.

«Der Tag der guten Tag» ist eine Initiative von Coop Schweiz.

«Der Tag der guten Tag» ist eine Initiative von Coop Schweiz.

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