Ältestes Skelett der Schweiz: Sie war ein Er, dann eine Sie, dann ein Er und schliesslich doch eine Frau
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Ältestes Skelett der SchweizSie war ein Er, dann eine Sie, dann ein Er und schliesslich doch eine Frau

In Nenzlingen befand sich in einer Grotte das bisher älteste Skelett der Schweiz. Archäologen rätselten jahrzehntelang, ob es sich um eine männliche oder weibliche Person handelte.

von
Alexia Mohanadas
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So könnte die Frau ausgesehen haben, die vor rund  8300 Jahren bei Nenzlingen BL bestattet wurde.

So könnte die Frau ausgesehen haben, die vor rund 8300 Jahren bei Nenzlingen BL bestattet wurde.

Archäologie Baselland
In dieser Grotte stiess der damalige Amateurarchäologe Carl Lüdin 1944 auf ein mittelalterliches Skelett. Damals vermutete man noch eine männliche Person, schreibt der heutige Kantonsarchäologe Andreas Fischer. 

In dieser Grotte stiess der damalige Amateurarchäologe Carl Lüdin 1944 auf ein mittelalterliches Skelett. Damals vermutete man noch eine männliche Person, schreibt der heutige Kantonsarchäologe Andreas Fischer.

Archäologie Baselland
Laut Fischer, wurde diese Annahme aber wieder verworfen und man wechselte auf eine Frau. Jedoch auch diese These überzeugte nicht und somit wurde aus der Frau wieder eine Mann. Aller guten Dinge waren dann aber vier und es blieb eine Frau.

Laut Fischer, wurde diese Annahme aber wieder verworfen und man wechselte auf eine Frau. Jedoch auch diese These überzeugte nicht und somit wurde aus der Frau wieder eine Mann. Aller guten Dinge waren dann aber vier und es blieb eine Frau.

Archäologie Baselland

Darum gehts

  • In Nenzlingen stiess ein Amateurarchäologe 1944 auf alte Knochen.

  • Wie sich heraustellte handelt es sich um das bis dato älteste Skelett, das in der Schweiz gefunden wurde.

  • Forscher rätselten jahrzehntelang über das Geschlecht des Skeletts.

In Nenzlingen BL wurde das bislang älteste Skelett der Schweiz ausgegraben. In ihrem aktuellsten Facebook-Post widmet sich die Archäologie Baselland dem steinzeitlichen Fund und seiner speziellen Geschichte.

In einer kleinen und nur schwer zugänglichen Grotte, unter einem vorspringendem Felskopf an der Birs, stiess der damalige Amateurarchäologe Carl Lüdin um 1944 auf menschliche Knochen. Der heutige Kantonsarchäologe Andreas Fischer schreibt in seinem Bericht, dass es sich dabei um einen besonderen Fund handle. Denn das Skelett sei vor rund 8300 Jahren in der Grotte bestattet worden. Bisher wurden jedoch äusserst wenige Bestattungen aus jener Zeit entdeckt.

Lange rätselten Forscher, ob es sich bei dem Skelett um eine Frau oder einen Mann handelte. Laut Fischer wurde das Skelett wegen dem dicken Schädel zunächst als «sicher männlich» beschrieben. 1978 sei dann aufgrund von Vergleichen mit zeitgleichen Skeletten wieder eine Frau vermutet worden. 15 Jahre später wurde daraus doch ein Mann. Letztendlich kam Bruno Kaufmann 1996 mit der Erklärung, dass die Merkmale bei mittelsteinzeitlichen Schädeln generell sehr kräftig ausgeprägt waren und männlich wirken. Das Becken der Skeletts sei hingegen klar weiblich.

Folglich bestätigt Fischer, dass es sich bei der Person um eine etwa 1.60 Meter grosse Frau handelt, die im Alter zwischen 40 und 45 Jahren verstorben ist.

Privilegiert aber ungesund

Wie die Menschen in der mittleren Steinzeit genau gelebt haben, wissen die Archäologen nicht. Allerdings stellen sie sich mobile Gruppen vor, die ihre Behausungen in Flusstälern oder auf Hochflächen stellten. Was aber in ganz Europa selten sei, sind erhaltene Bestattungen. Es wird also vermutet, dass die in Nenzlingen gefundene Frau eine besondere Stellung hatte. Möglicherweise wurde ihr eine weltliche oder geistige Macht zugesprochen.

Wieviel Macht sie auch besass, der Gesundheitszustand der Frau war nicht besonders gut. Nach Fischer habe sie in jungen Jahren wohl eine Mangelernährung erlitten und an mehren Knochen kann Arthrose nachgewiesen werden. «Spektakulär» findet der Archäologe zwei Verletzungen am Schädel, die wahrscheinlich auf Hiebe mit einem stumpfen Gegenstand zurückzuführen seien.

Dem Tod begegnete die Frau wohl wegen einem grossen Abszess, der einen Teil des Kieferknochens schwer beschädigte. Eine solche eitrige Entzündung würde auch heute noch, ohne Behandlung mit Antibiotika, zu einer Blutvergiftung führen, so Fischer.

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