Femizid in Bergdietikon: «Sie war eine engagierte und fachlich hoch kompetente Partnerin der Firma»

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Femizid in Bergdietikon«Sie war eine engagierte und fachlich hoch kompetente Partnerin der Firma»

Die Trauer um die getötete Zweifachmutter S.I. ist gross. Beim dringend Tatverdächtigen soll es sich um den Ehemann des Opfers handeln. 

von
Lynn Sachs
Monira Djurdjevic
Anna Ehrensberger
Tim Haag
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Bei der Getöteten handelt es sich um die 41-jährige S.I.

Bei der Getöteten handelt es sich um die 41-jährige S.I.

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Die Polizei nahm einen Mann fest. 

Die Polizei nahm einen Mann fest. 

20min/ase
Beim Verhafteten soll es sich um den Ehemann handeln. Mit ihm und den beiden Kindern lebte die promovierte Ökonomin laut Nachbarn in der Wohnung in Bergdietikon AG. 

Beim Verhafteten soll es sich um den Ehemann handeln. Mit ihm und den beiden Kindern lebte die promovierte Ökonomin laut Nachbarn in der Wohnung in Bergdietikon AG. 

20min/ase

Darum gehts

Die Zweifachmutter und Wirtschaftswissenschaftlerin S.I.* wurde am Sonntag tot in ihrer Wohnung gefunden. Die Polizei nahm einen Mann fest. Beim Verhafteten soll es sich um den Ehemann handeln. Mit ihm und den beiden Kindern lebte die promovierte Ökonomin laut Nachbarn in dem Haus in Bergdietikon AG. Gleich in der Wohnung nebenan habe die Schwiegermutter gewohnt.

Die 41-Jährige war Lehrbeauftragte an der Universität St. Gallen. Zudem arbeitete sie bei einem renommierten Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen. «Wir sind zu tiefst schockiert und bedauern den Tod von Frau I. sehr schmerzlich. Sie war eine sehr engagierte und fachlich hoch kompetente Partnerin unserer Firma. Ihre positive Einstellung, Hilfsbereitschaft und Willenskraft waren innerhalb der ganzen Firma vorbildlich», sagt eine Sprecherin auf Anfrage. 

I. stammt ursprünglich aus dem Kosovo und kam 1990 in die Schweiz. Ihre Eltern waren aus Gjilan im Südosten Kosovos geflüchtet. Nach der Primar- und Sekundarschule wechselte I. ans Gymnasium und schliesslich an die Universität Zürich. 2010 schloss sie ihre Promotion als Doktorin der Wirtschaftswissenschaften ab. Das schrieb «NZZ Folio» vor vier Jahren, als die Zeitung die «Vorzeige-Kosovarin», wie sie die «SonntagsZeitung» 2010 in einem Bericht bezeichnete, porträtierte. 

«Ich bin sehr froh darüber, dass meine Ausbildungen, mein Engagement und meine Leistungen mit einer entsprechenden Karriere belohnt worden sind», sagte I. im Jahr 2020 in einem Interview anlässlich des liechtensteinischen Businesstags für Frauen. Dennoch sei für sie die Familie ihr Glück. «Eine gesunde und unterstützende Familie zu haben, ist nicht selbstverständlich. Hinter jeder starken Frau steht eine noch stärkere Familie.»

«Möge deine Seele in Frieden ruhen, Schwester»

Auf Social Media trauern die Eltern, Verwandten und Freunde um die 41-Jährige: «Heute haben wir unsere Tochter und die Kinder ihre geliebte Mutter verloren. Möge die Erinnerung an dich ewig sein», heisst es in einem Facebook-Post. Und der Bruder des Opfers schreibt: «Möge deine Seele in Frieden ruhen, Schwester.»

Gemäss der Kantonspolizei Aargau ging am Sonntagmorgen bei der Notrufzentrale die Meldung ein, wonach in Bergdietikon eine weibliche Person in ihrem Badezimmer eingeschlossen sei und nicht auf das Zurufen von Familienmitgliedern reagiere. Die rasch eingetroffenen Rettungskräfte hätten die Tür rasch aufbrechen können, bei der 41-jährigen Frau im dahinterliegenden Raum aber nur noch den Tod feststellen.

Die anschliessend eingeleiteten Ermittlungen ergaben Unklarheiten zur vorgefundenen Situation. Beim Leichnam wurde daher eine Obduktion angeordnet. Das Spurenbild und die Ergebnisse der rechtsmedizinischen Untersuchung weisen auf eine Fremdeinwirkung hin. Infolge wurde ein 47-jähriger Schweizer aus dem Umfeld der Verstorbenen festgenommen.

Die Staatsanwaltschaft hat ein Strafverfahren wegen vorsätzlicher Tötung eröffnet und Untersuchungshaft beantragt. Die genauen Umstände und Hintergründe sind unklar und Gegenstand der laufenden Ermittlungen. Es gilt die Unschuldsvermutung.

*Name der Redaktion bekannt

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