26.09.2016 04:43

Marionna Schlatter Sie war schon mit 14 Jahren Pilzkontrolleurin

Die Zürcher Präsidentin der Grünen, Marionna Schlatter, war einst die jüngste Pilzkontrolleurin der Schweiz. Heute gibt sie ihr Wissen an andere weiter.

von
som
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Marionna Schlatter geht schon seit ihrer frühsten Kindheit in die Pilze.

Marionna Schlatter geht schon seit ihrer frühsten Kindheit in die Pilze.

zvg
Im Alter von nur 14 Jahren legte sie die Prüfung als Pilzkontrolleurin ab. Das war 1995. Damals porträtierte sie der Zürcher Oberländer.

Im Alter von nur 14 Jahren legte sie die Prüfung als Pilzkontrolleurin ab. Das war 1995. Damals porträtierte sie der Zürcher Oberländer.

Auszug Zürcher Oberländer
Dieses Amt führt sie bis heute in der Saison mehrmals pro Woche aus. Mit ihrem Vater Xaver Schmid bestimmt sie Pilze in der Kontrollstelle Wetzikon/Pfäffikon.

Dieses Amt führt sie bis heute in der Saison mehrmals pro Woche aus. Mit ihrem Vater Xaver Schmid bestimmt sie Pilze in der Kontrollstelle Wetzikon/Pfäffikon.

Ein paar Tage braucht es noch Geduld. Dann werden die Pilze nach einer langen Trockenphase aus dem Boden schiessen. Das verspricht die Präsidentin der Grünen des Kantons Zürich, Marionna Schlatter. Die 35-Jährige aus Hinwil weiss, wovon sie spricht. Sie streifte mit ihrem Vater, einem Pilzkontrolleur, schon als kleines Kind durch die Wälder – stets fasziniert von der Vielfalt auf deren Böden.

Ob Maronen, Pfifferlinge oder der giftige Knollenblätter: «Ich lernte von ihm Pilze zu bestimmen wie andere Kinder eine zweite Sprache.» So hielt sie mit nur 14 Jahren schon das Diplom als Pilzkontrolleurin in den Händen – die Prüfung meisterte sie als Jahrgangsbeste. So jung hat das vor- und nachher niemand mehr geschafft.

Selten hochgiftige Pilze

«In diesem Alter ist das auch nicht sehr empfehlenswert, denn offiziell darf man erst ab 18 Jahren als Kontrolleurin arbeiten», sagt Schlatter. Trotzdem half der Teenager dem Vater oft auf der Kontrollstelle Wetzikon/Pfäffikon, die vollen Körbe durchzuschauen. Kaum war sie volljährig, segnete sie die geniessbaren Pilze mit ihrer Unterschrift selbst ab.

Dieses Amt führt sie bis heute in der Saison mehrmals pro Woche aus. «Wir haben Stammkunden, die schon seit 30 Jahren zu uns kommen. Sie oder ihre Familien wollen sicher sein, dass nichts Giftiges auf dem Teller kommt.» Dann gebe es aber auch Neulinge, die mal alles mitnehmen würden, was der Waldboden so biete: «Da kann es schon mal sein, dass das meiste ungeniessbar ist.» Glücklicherweise seien aber selten hochgiftige Pilze darunter.

Viele Jüngere gehen wieder in die Pilze

Schlatter hat den Eindruck, dass wieder mehr Jüngere pilzeln – viele mit kleinen Kindern: «Vielleicht hat das damit zu tun, dass man generell wieder mehr die Nähe zur Natur sucht.»

Jüngere seien auch vermehrt unter den angehenden Kontrolleuren. Seit fünf Jahren testet Schlatter diese als Expertin. Am Samstag hat die jährliche Prüfungswoche in Landquart begonnen. Anwärter brauchen nicht nur ein grosses Wissen über die gängigen Pilzsorten, sondern auch über Ökologie, Toxikologie und Lebensmittelgesetze.

Wer den Knollenblätterpilz nicht erkennt, fliegt durch

Einiges werde in Landquart vermittelt, so Schlatter: «Die Vorbereitung dauert aber Jahre. Viele sind schon lange in Pilzclubs dabei, bevor sie die Prüfung ablegen.» Bauchschmerzen bereitete den rund 20 Kandidaten pro Jahr meist der praktische Teil, bei dem sie 70 echte Pilze bestimmen müssen – von einigen liegen nur Stiele oder Schirme auf dem Präsentiertisch. Wer etwa einen Knollenblätterpilz nicht erkennt, fliegt sofort durch. «In der Praxis kann man sich einen solchen Fehler auch nicht leisten», sagt Schlatter.

Trotz der grossen Verantwortung wird man laut Schlatter nicht reich als Pilzkontrolleur. «Einige arbeiten ehrenamtlich, andere erhalten von den Gemeinden eine Entschädigung.» Sie findet, dass diese Funktion auch angemessen vergütet sein sollte, auch wenn sehr viel Leidenschaft dabei sei.

Diese Leidenschaft gibt Schlatter, die etwa 800 Pilzsorten ohne Buch bestimmen kann, an ihre Kinder weiter. Wie es einst ihr Vater mit ihr tat, nimmt sie heute ihre Tochter (5) und ihren Sohn (2) in die Wälder um Hinwil mit – dieses Jahr sei die Ausbeute ziemlich ergiebig gewesen: «Wir haben schon im Juni und Juli Herbstpilze gefunden – dafür gab es in der eigentlichen Saison im September nur wenige.» Die Klimaveränderung zeige sich eben auch an den Pilzen.

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