Aktualisiert 12.03.2020 06:26

Verkäufer, Kellner, Coiffeure

Sie werden angehustet – und arbeiten doch weiter

Verkäufer und Dienstleistungsangestellte können trotz Coronavirus nicht einfach Homeoffice machen. Während sich einige mehr Schutz wünschen, finden andere die Lage übertrieben.

von
juu/dk
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Diverse ÖV-Verbände riegeln den vorderen Bereich im Bus ab. Im Bus 781 machte eine Leserin nach der Haltestelle Glattbrugg-Oberhusen diese Aufnahme.

Diverse ÖV-Verbände riegeln den vorderen Bereich im Bus ab. Im Bus 781 machte eine Leserin nach der Haltestelle Glattbrugg-Oberhusen diese Aufnahme.

Leser-Reporter
Auch die VBZ riegeln den vorderen Teil ihrer Busse ab, «für Ihre und unsere Gesundheit», wie es auf einer Infotafel heisst.

Auch die VBZ riegeln den vorderen Teil ihrer Busse ab, «für Ihre und unsere Gesundheit», wie es auf einer Infotafel heisst.

Leser-Reporter
Doch auch bei Detailhandels- und Schalterangestellten besteht wegen des Kundenkontakts ein höheres Infektionsrisiko.

Doch auch bei Detailhandels- und Schalterangestellten besteht wegen des Kundenkontakts ein höheres Infektionsrisiko.

Keystone/Martin Ruetschi

Für zahlreiche Verkäufer und Personen mit Kundenkontakt gibt es hingegen noch keine derartigen Schutzmassnahmen. Wie eine neue deutsche Studie zeigt, ist Covid-19 schon in einem frühen Stadium der Infektion sehr ansteckend. «Bei Covid-19 ist ein Husten oder Niesen schon in der Anfangsphase stark infektiös», sagt Clemens Wendtner, Chefarzt Infektiologie im Spital der Ludwig-Maximilian-Universität in München, zur «Redaktion Tamedia».

Wie Angestellte im Detailhandel oder im Gastgewerbe, die täglich mit Dutzenden Kunden zu tun haben, mit der Ansteckungsgefahr umgehen, siehst du in der Bildstrecke.

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Luca (26): Ich arbeite in einer Bäckerei im Verkauf. Wir haben viel Kundenkontakt, aber leider wird bei uns nicht viel unternommen. Wir waschen unsere Hände einfach mehr und desinfizieren sie öfters als sonst. Besondere Massnahmen gibt es aber nicht. Bargeldverbot wäre beispielsweise ein Anfang.

Luca (26): Ich arbeite in einer Bäckerei im Verkauf. Wir haben viel Kundenkontakt, aber leider wird bei uns nicht viel unternommen. Wir waschen unsere Hände einfach mehr und desinfizieren sie öfters als sonst. Besondere Massnahmen gibt es aber nicht. Bargeldverbot wäre beispielsweise ein Anfang.

privat
Fabiana (37): Ich arbeite an der Bar. Wir haben viel Kundenkontakt, am Tresen oder beim Servieren der Drinks. Das Coronavirus macht mir und meinen Kolleginnen definitiv Sorgen. Ich wasche und desinfiziere meine Hände die ganze Zeit. Begrüssungsküsschen gibts momentan nicht. In letzter Zeit merkt man, dass auch die Kunden mehr auf Distanz bleiben.

Fabiana (37): Ich arbeite an der Bar. Wir haben viel Kundenkontakt, am Tresen oder beim Servieren der Drinks. Das Coronavirus macht mir und meinen Kolleginnen definitiv Sorgen. Ich wasche und desinfiziere meine Hände die ganze Zeit. Begrüssungsküsschen gibts momentan nicht. In letzter Zeit merkt man, dass auch die Kunden mehr auf Distanz bleiben.

20M
Postangestellte: Ich arbeite bei der Post mit offenen Schaltern. Wir haben täglich viele Kunden die sich nicht an die Vorschriften halten. Einige husten oder niesen uns ins Gesicht ohne auch nur die Hand vor den Mund zu nehmen. Auf das versprochene Desinfektionsmittel warten wir nun seit einigen Wochen. Auch nach jedem Kunden Händewaschen zu gehen, ist schlicht unmöglich.

Postangestellte: Ich arbeite bei der Post mit offenen Schaltern. Wir haben täglich viele Kunden die sich nicht an die Vorschriften halten. Einige husten oder niesen uns ins Gesicht ohne auch nur die Hand vor den Mund zu nehmen. Auf das versprochene Desinfektionsmittel warten wir nun seit einigen Wochen. Auch nach jedem Kunden Händewaschen zu gehen, ist schlicht unmöglich.

Keystone/Christian Beutler

Migros produziert jetzt selbst Desinfektionsmittel

Gegenüber 20 Minuten betont die Migros, dass sie den Schutz der Mitarbeiter sehr ernst nehme und «Vorkehrungen für verschiedenste Eventualitäten treffe». Neben der Einhaltung der vom Bundesamt für Gesundheit veröffentlichten Verhaltensregeln schütze die Migros ihre Mitarbeitenden besonders: «Weil Desinfektionsmittel zurzeit kaum mehr erhältlich sind, haben wir mit der Produktion von solchen in unserer Eigenindustrie begonnen. Während alle Filialen bereits mit Desinfektionsmitteln ausgerüstet worden sind, erhalten in diesen Tagen alle 100'000 Mitarbeitenden der Migros-Gruppe eine zusätzliche Lieferung an Handreinigern», sagt Sprecher Marcel Schlatter.

Ein Bargeldverbot oder eine Handschuhpflicht für Mitarbeiter sei nicht vorgesehen. «Handschuhe nützen leider nichts, wenn man sich danach trotzdem ins Gesicht fasst. Besser ist es, Hände regelmässig zu waschen oder eben zu desinfizieren.» Ähnlich klingt es auch seitens der Post: «Das Schutzkonzept des BAG sieht weder das Tragen von Hygienemasken noch von Hygienehandschuhen vor. Sie sind nicht wirksam.»

Man setzt auf Eigenverantwortung der Kunden

Oliver Flüeler, Sprecher der Post, bestätigt allerdings, dass die Mitarbeiter in mehreren Poststellen noch immer auf Desinfektionsmittel warten müssen. Dies sei dem derzeitigen Lieferengpass geschuldet. «Wir haben die Auslieferung priorisiert. Mitarbeitende ohne Zugang zu Wasser und Seife in den betreffenden Zustellorganisationen und in Regionen zum betroffenem Ausland erhalten die Desinfektionsmittel zuerst.»

Betreffend die hustenden und niesenden Kunden appelliert die Post an die Eigenverantwortung: «Kranke Kunden sollten aus Verantwortung und Solidarität nicht eine Poststelle besuchen. Die Post bietet ihren Kunden parallel zu den physischen Angeboten zahlreiche digitale Dienstleistungen an, die gerade jetzt eine sinnvolle Ergänzung sind.» Diese Meinung teilt auch die Gewerkschaft Unia. Speziell im Detailhandel gehe es um ein Mindestmass an Solidarität, sagt Sprecherin Leena Schmitter. «Die Angestellten und die Kunden schützen sich gegenseitig.»

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