Sicherheit am Afrika-Cup: «Sie werden hier sowieso ständig überwacht»
Aktualisiert

Sicherheit am Afrika-Cup«Sie werden hier sowieso ständig überwacht»

Nach dem Anschlag auf die togolesische Nationalmannschaft ist die Sicherheit rund um den Afrika-Cup ein grosses Thema. Angst hat in Luanda jedoch niemand.

von
Reto Fehr
Luanda
Das Thema Sicherheit ist am Afrika-Cup omnipräsent. (Bild: AP)

Das Thema Sicherheit ist am Afrika-Cup omnipräsent. (Bild: AP)

Immer wieder fährt man auf den Strassen von Luanda an bewaffneten Soldaten vorbei. Diese beobachten meist in Zweiergruppen grössere Kreuzungen. Zudem begegnet man auch öfters der Polizei. «Das ist alles wegen dem Afrika-Cup», erklärt mein Fahrer. Gut möglich also, dass man nach den Vorfällen mit Togos Fussballern in Cabinda das Sicherheitspersonal erhöht hat. «Aber so etwas wie in Cabinda kann in den anderen drei Spielorten nicht geschehen», ergänzt der Taxi-Chauffeur. Die Exklave war schon im Vorfeld des Turniers ein heisses Thema. Denn die Befreiungsfront FLEC kämpft seit langem für die Unabhängigkeit. Da kam die öffentliche Betrachtung durch den Afrika-Cup gerade recht für die Anschläge.

Luanda, wo ich mich befinde, ist allerdings fast 400 Kilometer entfernt vom «Brandherd» Cabinda. Das ist fast doppelt so weit wie die Entfernung zwischen Genf und Zürich. Zusätzlich ist die Entfernung auf dem afrikanischen Kontinent durch die schlechten Verbindungen gefühlt noch weiter. Die Gefahr durch die FLEC ist für mich also weit weg.

Noch kein grosser Zwischenfall in Luanda bekannt

Und nicht nur das. Während dem Afrika-Cup gabs in Luanda noch keinen bekannten grösseren Raubüberfall. Im Gegenteil: Solange man nicht mit der Fotokamera um den Hals die Hasardeure zum Diebstahl einlädt, sind die Menschen sehr freundlich und freuen sich über den exotischen Gesprächspartner. Trotzdem sind die Einheimischen extrem auf das Thema Sicherheit fokussiert. Als ich mich beim CAF (dem afrikanischen Fussballverband) für ein Interview mit dem Sicherheitschef erkundigte, antwortete die Dame am Empfang sofort: «Sie müssen sich keine Sorge um die Sicherheit machen. Hier werden Sie sowieso die ganze Zeit überwacht.»

Zu Fuss einkaufen kein Problem

Auch im Kleinen habe ich eine ähnliche Erfahrung gemacht. Die Gegend, in welcher ich wohne, ist auf keinen Fall ein besseres Viertel der Stadt. Abfall liegt vor dem Haus, ausgebrannte Autos gleich um die Ecke. Trotzdem gehe ich die rund 500 Meter zu Fuss zum Einkaufen, vorbei an herumhängenden Jugendlichen und Strassenverkäufern. Die Einheimischen und einige Touristen versichern mir, dass sie sich auch problemlos zu Fuss in der Innenstadt bewegen und die Candongueiros (Minibusse) benutzen, welche mir mein Gastgeber nicht empfohlen hat.

Sicherheitsbedenken sind im normalen Rahmen auf jeden Fall angebracht. Doch wenn man die wichtigsten Regeln für ein Drittweltland beachtet, kann man das Risiko eines Überfalls schon beachtlich reduzieren. Ein wirklich mulmiges oder unsicheres Gefühl hatte ich bisher nie. Auch dann nicht, als Angola im Eröffnungsspiel gegen Mali in den letzten Minuten noch einen 4:0-Vorsprung hergab. Die rund 50 000 Fans verliessen das Stadion enttäuscht, aber friedlich. Wer weiss, wie die Fans in der Schweiz auf so ein Ereignis reagiert hätten.

Der Kolumnist

20-Minuten-Online-Sportchef Reto Fehr bereist Afrika seit knapp zehn Jahren immer wieder. Allerdings ist es sein erster Besuch beim Afrika-Cup. Fehr veröffentlicht regelmässig sein Reise-Tagebuch und kommentiert aktuelle Ereignisse.

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