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Doktor Sex«Sie will, dass ich mir den Sex anderswo hole!»

Für Georgs Freundin ist Sex so unwichtig, dass sie diesbezüglich am liebsten in Ruhe gelassen würde. Ihm beschert diese Haltung Potenzprobleme.

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Eine Beziehung zu führen, in der eine der beteiligten Personen keinen Sex will, ist eine grosse Herausforderung. (Symbolbild: «Labor Day», Paramount Pictures)

Eine Beziehung zu führen, in der eine der beteiligten Personen keinen Sex will, ist eine grosse Herausforderung. (Symbolbild: «Labor Day», Paramount Pictures)

Frage von Georg (38) an Doktor Sex: Ich bin seit über einem Jahr mit einer Frau zusammen. Das gemeinsame Leben ist für beide lebenswert. Nur mit dem Sex klappt es nicht. Sie verweigert sich zwar nicht, jedoch hat sie mir ziemlich früh klar gemacht, dass Sex für sie unwichtig ist. Vor mir hatte sie nur einen einzigen Freund, mein Sexleben hingegen war interessant und abwechslungsreich. Mehrfach hat sie mir erklärt, dass sie keine Probleme hätte, wenn ich meine sexuellen Bedürfnisse durch Seitensprünge ausleben würde. Sie behauptet, nicht eifersüchtig zu sein.

Nun ist es so, dass ich, seit wir zusammen sind, beim Sex keine vollständige Erektion mehr habe. In der Nacht, im Halbschlaf, merke ich allerdings, dass ich nach wie vor richtige Erektionen bekomme. Einige Wochen bevor ich meine jetzige Lebensgefährtin kennenlernte, hatte ich eine Leistenbruch-Operation. Zunächst war ich der Meinung, meine Erektionsstörungen seien darauf zurückzuführen. Nun weiss ich aber ja aufgrund der nächtlichen Erektionen, dass dies nicht sein kann. Somit muss der Mangel an Potenz psychisch bedingt sein, wohl weil die Freundin nicht wirklich bei der Sache ist. Was rätst du mir?

Antwort von Doktor Sex

Lieber Georg

Deine Frage verwirrt mich. Wenn ich dich richtig verstehe, hat deine Partnerin klar gesagt, dass sie sich nichts aus Sex macht und dir angeboten, deine diesbezüglichen Gelüste ausserhalb der Beziehung zu befriedigen. Aber statt von diesem Angebot Gebrauch zu machen, also dein Sexleben wie bis anhin in vollen Zügen zu geniessen und daneben mit deiner Freundin gemeinsam ein – wie du es nennst – lebenswertes Leben zu leben, zerbrichst du dir den Kopf über eine Erektionsstörung, von der du genau weisst, was der Grund dafür ist.

Es scheint, dass du zu den Männern gehörst, deren Geschlechtsidentität buchstäblich mit der Erektion steht oder fällt und die glauben, sie müssten unter allen Umständen und zu jeder Zeit einen stahlharten Ständer hinkriegen, da sie andernfalls das Gesicht und jegliches Selbstvertrauen verlieren.

Ich rate dir deshalb, dich mit deiner Männlichkeit auseinanderzusetzen, die Konzepte kritisch zu hinterfragen, die du dir dazu in deiner Vergangenheit gemacht hast und andere – lebendigere und menschlichere – für dich zu (er-)finden. Das wird dir nicht von heute auf morgen gelingen, sondern einige Zeit in Anspruch nehmen. Damit du diesen Prozess in Ruhe angehen und gesundheitliche Probleme in Zusammenhang mit der Erektionsstörung ganz sicher ausschliessen kannst, empfehle ich dir einen Check-up bei deinem Hausarzt oder, falls dir das lieber ist, bei einem Urologen.

Hilfreich könnte sein, wenn du deine Freundin in den Identitätsfindungsprozess mit einbeziehst. Zum Beispiel, indem ihr euch gegenseitig eure Vorstellungen darüber mitteilt, was ein «richtiger» Mann oder eine «richtige» Frau ist und welche mentalen Modelle in Bezug auf eine «gute» Beziehung in euren Köpfen herumgeistern. Das wird es dir und vielleicht auch deiner Freundin ermöglichen, alte Zöpfe abzuschneiden und gemeinsam eine Form des Zusammenlebens zu entwickeln, die zu euch und euren individuellen Voraussetzungen passt. Vielleicht kannst du dann auch auf ihr Angebot eingehen und Sex und Beziehung voneinander trennen. Viel Glück!

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