Fifa-Ethik-Kommission: «Sie wollen ihren Ruf nicht für eine Show hergeben»
Aktualisiert

Fifa-Ethik-Kommission«Sie wollen ihren Ruf nicht für eine Show hergeben»

Die Fifa sagt der Korruption den Kampf an. Ist das nur ein Lippenbekenntnis oder der erste Schritt zu einem saubereren Weltfussball? Ein Anti-Korruptions-Spezialist erklärt.

von
Antonio Fumagalli

Fifa-Urgestein Sepp Blatter sagte an der gestrigen Pressekonferenz, er sei ein «glücklicher Präsident». Der Grund seiner Zufriedenheit: Das Exekutiv-Komitee hatte zuvor die Bildung einer Ethik-Kommission beschlossen – so wie er sie angeregt hatte und sie von der unabhängigen Kommission «Independent Governance Committee» (IGC) ausgearbeitet wurde. Damian Heller, Direktor des «Basel Institute on Governance» und Bindeglied zwischen dem IGC und der Fifa, war massgeblich daran beteiligt. Er erklärt im Interview, was der Entscheid genau bedeutet.

Herr Heller, ist der Weltfussball ab jetzt weniger korrupt?

Das ist ein langer Weg und wir stehen erst am Startpunkt. Aber ich bin vorsichtig positiv gestimmt.

Vorsichtig?

Der Fifa schlägt nach all den Vorkommnissen enormes Misstrauen entgegen. Wenn so viel Vertrauen zerstört ist, ist es schwierig, der Welt klarzumachen, dass nun alles anders sein soll. Dieser Prozess muss in kleinen Schritten erfolgen und wird Jahre dauern.

Also sind die Entscheide des Exekutiv-Komitees mehr als nur Lippenbekenntnisse?

Ja. Die Vorsitzenden der beiden Kammern sind integre Juristen, die fachlich über alle Zweifel erhaben sind und in keiner Weise mit dem Fussball verbandelt sind. Sie würden ihren Ruf nicht hergeben wollen für eine Show.

Letzte Woche wurde per Bundesgerichts-Verfügung bekannt, dass Millionen in die Taschen von verschiedenen Fifa-Mitgliedern geflossen sind. Ist dies nur die Spitze des Eisbergs?

Das werden die Untersuchungen der Ethik-Kommission zeigen, sie wird auch die Vergangenheit unter die Lupe nehmen können. Ich gehe davon aus, dass insbesondere die untersuchende Kammer viel Arbeit haben wird. Jede dem Ethik-Kodex unterstellte Person, die einen begründeten Anfangsverdacht hat, kann sich an die Kommission wenden. Wenn es gelingt, wichtige Fälle aufzudecken und zu beurteilen, ist die präventive Wirkung der Kommission sicher.

Welche Rolle bleibt dabei dem «Independent Governance Committee» unter der Leitung von Professor Mark Pieth?

Es wird nun ein Treffen geben zwischen dem IGC und den Vorsitzenden der beiden Kammern. Das Fortbestehen des Komitees hängt vom Verhalten der Fifa ab: Wenn sie nicht mehr bereit ist, die Reformvorschläge anzuhören und umzusetzen, kann es auch nicht mehr funktionieren.

Mark Pieth sagte im Vorfeld des Fifa-Beschlusses, mit dem heutigen Schritt sei erst ein Drittel des Weges beschritten. Was muss noch kommen?

Ein zentraler Punkt ist die Amtszeitbeschränkung der Exekutivmitglieder. Es entspricht nicht guter Governance, wenn ein Entscheidungsgremium jahrzehntelang aus mehr oder weniger den gleichen Personen besteht, weil damit die Gefahr von gegenseitigen Abhängigkeiten wächst.

Und der Lohn von Präsident Blatter? Soll der auch endlich veröffentlicht werden?

Die Offenlegung der einzelnen Zahlen halte ich für weniger entscheidend. Viel wichtiger ist, dass die Kriterien, die Verantwortlichen, ja das ganze System hinter den Vergütungen transparent werden. Wenn man alles nur an einer Zahl aufhängt, gefährdet man den Rest. Der Fifa-Kongress von Mai 2013 ist ein wichtiger Fixpunkt, dann werden diese Punkte hoffentlich in den revidierten Statuten abgesegnet.

Dennoch: Ist Sepp Blatter als Präsident der Fifa noch tragbar?

Es liegt nicht an mir, dies zu beurteilen. Man darf ihm zugute halten, dass er Bewegung in die Sache brachte. Ob er sich damit nur ein Vermächtnis als Reformer schaffen will, das müssen Sie ihn selbst fragen.

Deine Meinung