Aktualisiert 08.09.2017 18:26

Jugendsexualität

«Sie wollen keinen Sex – machen es aber trotzdem»

Drinks gegen Küsse: Warum lassen sich junge Menschen auf Sex-Deals ein? Und wie reagiert man in solchen Situationen am besten?

von
dk
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Verschiedene Beispiele aus einer Studie der Hochschule für Soziale Arbeit in Freiburg zeigen, dass Sex-Deals unter Jugendlichen zum heutigen Alltag gehören.

Verschiedene Beispiele aus einer Studie der Hochschule für Soziale Arbeit in Freiburg zeigen, dass Sex-Deals unter Jugendlichen zum heutigen Alltag gehören.

Keystone/Martin Ruetschi
So sagt Bettina Steinbach von der Frauenberatung Zürich: «Mit dem Aufkommen des Internets und Social Media haben sich die Formen sexueller Übergriffe verändert, aber das Problem besteht noch immer.»

So sagt Bettina Steinbach von der Frauenberatung Zürich: «Mit dem Aufkommen des Internets und Social Media haben sich die Formen sexueller Übergriffe verändert, aber das Problem besteht noch immer.»

Keystone/Martin Ruetschi
Die folgenden Beispiele sind Zitate aus der Studie der Hochschule für Soziale Arbeit in Freiburg.

Die folgenden Beispiele sind Zitate aus der Studie der Hochschule für Soziale Arbeit in Freiburg.

Ein Mann spendiert einer Frau im Club einen Drink. Als sie annimmt, küsst er sie. Obwohl sie das nicht wirklich wollte, lässt sie es geschehen. Das Beispiel aus einer Studie der Hochschule für Soziale Arbeit in Freiburg ist kein Einzelfall.

Ein 20-Minuten-Leser berichtet, dass eine junge Frau auf ihn zukam, weil sie mit ihren Eltern Streit hatte und darum vorübergehend ein Dach über dem Kopf suchte. Er bot ihr an, auf dem Sofa zu übernachten. Im Gegenzug schlief sie mit ihm. Eine Leserin erzählt, wie sie als 15-Jährige ihrem gleichaltrigen Nachbarn einen Blowjob gab, nur weil ihre Kolleginnen sie unter Druck setzten, es zu tun.

Bettina Steinbach von der Frauenberatung Zürich bestätigt, dass solche Situationen keine Randerscheinung sind, sondern zum heutigen Alltag gehören. Sie erlebe es immer wieder, dass ein Mädchen mit einem Mann nach Hause gehe, ohne mit ihm schlafen zu wollen. Schlussendlich hätten sie dann trotzdem Sex.

«Wenn ich ihn spitz mache, muss ich mit ihm schlafen»

«Bei den Frauen hält sich der Mythos: ‹Ich habe ihn schon spitz gemacht, jetzt muss ich ja mit ihm schlafen›. Sie nehmen sich oft nicht das Recht heraus, Nein zu sagen», so Steinbach. Das seien oft Frauen, die als Kind nicht gelernt hätten, Nein zu sagen. Ausserdem erstarrten viele Frauen, wären überrascht und schockiert. «Sie erzählen mir im Nachhinein, sie hätten es einfach über sich ergehen lassen.»

Steinbach empfiehlt jungen Frauen und Männern, die eigene Erwartungshaltung zu klären und sich selber bewusst zu sein, dass ein «Nein» immer möglich ist. Zudem soll man sich, seine Gefühle und seinen Körper ernst nehmen: «Zu lernen, die eigenen Wünsche und Neigungen zu respektieren, ist ein sehr wichtiger Faktor.»

«Idealisierung der sexuellen Grenzenlosigkeit»

Es gäbe aber auch Frauen, die sich mit Händen und Füssen wehrten. «Leider denken viele Männer immer noch, wenn eine Frau Nein sage, möchte sie es nur noch mehr.»

Dominik Lusser, Männerexperte bei der christlichen Stiftung Zukunft CH, wehrt sich dagegen, Männer einfach als Täter abzustempeln. «Die sexuelle Grenzenlosigkeit wird mittels Internet-Pornografie in unserer Gesellschaft idealisiert und als falsche Freiheit propagiert.» Jugendliche würden darauf konditioniert, im Gegenüber nur noch ein austauschbares Objekt zur Befriedigung der eigenen Lust zu sehen. So dürfe man sich über eine Zunahme von sexuellen Übergriffen nicht wundern.

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