Lebenslänglich für Kofferbomber gefordert: «Sie wollten möglichst viele Menschen töten»
Aktualisiert

Lebenslänglich für Kofferbomber gefordert«Sie wollten möglichst viele Menschen töten»

Es hätte der blutigste Terroranschlag in der Geschichte Deutschlands werden können: der Kofferbombenanschlag von Köln. Gut zwei Jahre nach der Tat geht der Prozess gegen einen der beiden Bombenbauer in die Schlussphase - die Bundesanwaltschaft fordert lebenslange Haft für den angeklagten 23-Jährigen.

Staatsanwältin Duscha Gmel sagte am Mittwoch in ihrem Schlussplädoyer vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht, der 24-jährige Youssef E.H. habe zusammen mit seinem in Beirut bereits zu zwölf Jahren Haft verurteilten Komplizen Jihad Hamid ein Blutbad anrichten wollen.

«Aus ihrer Sicht waren die Sprengvorrichtungen todsicher. Beide beabsichtigten, durch die Detonation möglichst viele Menschen zu töten», meinte die Staatsanwältin. Deutschland sei einem islamistischen Anschlag nie nähergekommen als im vorliegenden Fall.

«Die Tat sollte möglichst spektakulär werden»

Youssef E.H. habe sich des versuchten Mordes in einer unbestimmten Anzahl von Fällen und des versuchten Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion schuldig gemacht, sagte die Staatsanwältin. Er sei die treibende Kraft bei dem Anschlag gewesen und habe bei Tatplanung und Durchführung eine hohe kriminelle Energie bewiesen.

Zusammen mit Jihad Hamad hatte der Angeklagte im Juli 2006 auf dem Kölner Hauptbahnhof zwei Kofferbomben in Regionalzügen nach Hamm und Koblenz deponiert. Nur ein Konstruktionsfehler verhinderte nach Einschätzung der Bundesanwaltschaft die Explosion. Anlass für die Anschlagsplanungen sollen die auch in Deutschland nachgedruckten Mohammed-Karikaturen gewesen sein.

Urteil am 18. November erwartet

Youssef E. H. hatte allerdings im Prozess erklärt, er habe die Sprengsätze im letzten Moment selbst sabotiert, weil er Gewissensbisse bekommen habe. Nur deshalb sei die Bombe nicht explodiert.

Die Bundesanwaltschaft hält diese Angaben allerdings für unglaubwürdig. «Die Tat sollte möglichst spektakulär werden», sagte die Staatsanwältin. Und nach Einschätzung der Bombenbauer wäre sie umso spektakulärer gewesen, je mehr Todesopfer es gegeben hätte. Die Bilder einer Überwachungskamera im Kölner Hauptbahnhof, die zeigen, wie die beiden jungen Männer ihre mit Sprengstoff gefüllten Koffer zu den Zügen bringen, gingen 2006 um die Welt.

Das Schlussplädoyer hatte sich um mehrere Stunden verzögert. Ein Verteidiger des Angeklagten kündigte am Mittwoch überraschend vor Gericht an, er wolle am 10. November in den Libanon reisen. Er wolle dort dem Verdacht nachgehen, dass ein Geständnis Hamads mit der Androhung von Schlägen erzwungen worden sei. Der Staatsschutzsenat lehnte es jedoch nach ausführlicher Beratung ab, deswegen das Plädoyer zu verschieben.

Das Urteil soll am 18. November verkündet werden. (dapd)

Deine Meinung