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Presseschau«Sie zeigten eine teuflische Effizienz»

Xherdan Shaqiri ist der Star des gestrigen Fussball-Abends - darüber sind sich alle einig. Doch ob das Team nun in Samba-Form ist oder der Sieg mehr Glück war, wird unterschiedlich beurteilt.

von
oku

Xherdan Shaqiri (23.) und Gökhan Inler per Penalty (68.) machten beim WM-Quali-Spiel der Schweizer Nati gegen das Team aus Albanien in Luzern den Sack zu. Mit ihren Treffern ist die halbe Fahrkarte nach Brasilien schon in der Tasche - so zumindest die Meinung einiger Journalisten nach der Partie. Dennoch gibt es gewisse Fragezeichen.

Insbesondere ob das gesamte Team nun überzeugen konnte oder ob es da noch einiges zu optimieren gilt, ist einer der Streitpunkte bei der Wahrnehmung der Team-Leistung. 20 Minuten Online hat die Berichterstattung zum Spiel unter die Lupe genommen und die wichtigsten Aussagen in der Presseschau herausgepickt.

«Knallbaner entscheidet das Spiel»

Die NZZ ist trotz des Sieges der Nati eher verhalten. «Es waren zwei nüchterne, ungefährdete Erfolge, nicht immer souverän und auch nicht immer glanzvoll», ist das Verdikt zu den beiden Siegen. Zwar sei unbestritten, dass es «der beste Start einer Schweizer Fussballnationalmannschaft in eine Endrundenqualifikation seit 18 Jahren» war. Sie kommt aber zu dem Schluss: «Es gibt im Team weiterhin Steigerungspotenzial.» Vor allem im Hinblick auf die Emotionalität: «Vielleicht wünscht man sich von dieser Schweizer Mannschaft noch etwas mehr Ausstrahlung, noch etwas mehr offensive Begeisterung, weil man weiss, dass sie dazu fähig wäre.» Lob gibt es insbesondere für einen: «Diego Benaglios aussergewöhnliche Ruhe färbt auf die Abwehr ab, die in beiden Qualifikationsspielen überraschend wenige heikle Situationen überstehen musste.» Und Shaq? «Mit Xherdan Shaqiri haben sie einen Fussballer, der immer dann unberechenbar wird, wenn ihr Spiel steril zu werden droht.»

Ganz anders tönt es da beim Blick: «2:0 - unsere Nati in Samba-Form», frohlockt das Boulevardblatt auf der Titelseite. Von «nicht immer souverän» ist hier definitiv keine Rede. Im Gegenteil: «Schweiz bodigt Albanien in Luzern» ist die Kurzfassung dessen, wie die Blick-Sportredaktoren das Spiel wahrgenommen haben. Auf wessen Konto das geht, ist für die Schreiber klar: «Ein Albaner entscheidet das Spiel der Ehre. Shaqiri, unser Knallbaner, führt die Schweiz zum 2:0 gegen die albanischen Adler.»

«Als ginge es um die Heiligsprechung von Peer Steinbrück»

Überzeugend spielte die Nati auch für die Aargauer Zeitung: «Sie begegneten dem leidenschaftlichen, aber vor allem offensiv limitierten Kontrahenten mit der nötigen Zweikampfhärte - und abermals mit einer verblüffenden Effizienz.» Nebst viel Lob für Benaglios Leistung erhält auch Shaqiri mehr als einen kräftigen Schulterklopfer aus der AZ-Redaktion: «Der Schlüsselspieler der Schweiz liess sich nicht stoppen - weder von den Fouls noch von den gellenden Pfiffen der albanischen Anhänger, die sein Bekenntnis zum SFV nicht akzeptieren mochten.»

Der «Tages-Anzeiger» spricht von einem «Oropax-Spiel». Der Grund dafür waren die leidenschaftlichen albanischen Fans. Doch die Pfiffe seien Benzin gewesen für die albanischstämmigen Spieler der Nati. Und die Autoren ziehen den Hut vor Granit Xhaka, Xherdan Shaqiri und Valon Behrami, da sie sich «ob der ohrenbetäubenden Ablehnung fühlen mussten, als hätten sie auf der Albisgütli-Tagung der SVP die Heiligsprechung des früheren deutschen Finanzministers Peer Steinbrück gefordert». Dennoch: «Der Star der Gastgeber ackerte und schlug Haken, als wolle er den albanischen Fans sagen: Bitte pfeift noch lauter!» Das Gesamturteil des Tagi: «Die Mannschaft von Trainer Ottmar Hitzfeld hat die Reifeprüfung im albanischen Lärm mit Bravour bestanden.»

Das unterstreicht auch das SF: «Die Rotweissen waren den Südosteuropäern spielerisch deutlich überlegen und hatten die Partie über fast die gesamte Spieldauer im Griff.» Herausgestellt wird auch die gute Ordnung in den Abwehrreihen: «Die Schweizer Viererkette, unterstützt vom defensiven Mittelfeld mit Inler und Valon Behrami, fing die Angriffsbemühungen weit vorne ab.»

Teuflisch gut

Die «Tribune de Genève» zeigt sich tief beeindruckt von der punktgenauen Leistung der Schweizer Elf: «Sie zeigten wahrlich eine teuflische Effizienz.» Und auch wenn sie vor allem ein Hohelied auf einzelne Spieler anstimmt: «Das gesamte Team verdient Lob.» Es gab kein Zittern und sie hätten absolut überzeugend gespielt. Etwa differenzierter sieht das «24heures». Dort ist man der Ansicht: «Shaqiri, Behrami und Xhaka - mit ihrer Klasse haben sie die Schweiz zum Sieg geführt». Der «Corriere del Ticino» zeigt sich vor allem erfreut, dass die Chancenverwertung so positiv war und der Kraftwürfel des FC Bayern gleich die erste wirkliche Möglichkeit beim Schopf gepackt hat. Dennoch stellt man auch hier die Leistung des ganzen Teams heraus.

Und wie schauts aus bei den albanischen Medien? Ehrlich gesagt muss die Redaktion da aufgrund sprachlicher Defizite passen. Nur so viel: Das grösste Sport-Portal des Landes schreibt von Amateuren und von «nassen Hühnern» in Luzern. Ob damit gemeint ist, dass die Spieler begossene Pudel waren oder schlicht gerupft wurden von der Schweizer Nati, bleibt leider reine Spekulation. Wie auch immer, der Tenor scheint alles andere als erfreut.

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