Erster Wolf in Baselland gesichtet – «Ein Abschuss ist überhaupt kein Thema»
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Erster Wolf in Baselland gesichtet«Ein Abschuss ist überhaupt kein Thema»

Der Jungwolf, der am Montag im Baselbiet beobachtet wurde, ist laut Experten wohl ein Einzelgänger. In Lauwil wurden bereits sieben Geissen gerissen. Der Bauernverband mahnt indes zu Ruhe.

von
Seline Bietenhard
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Der am Montag im Baselbiet aufgetauchte Wolf wurde per Zufall von einer Privatperson beobachtet.

Der am Montag im Baselbiet aufgetauchte Wolf wurde per Zufall von einer Privatperson beobachtet.

Amt für Wald beider Basel
Der gesichtete Jungwolf ist laut Experten und Expertinnen wohl ein Einzelgänger auf der Suche nach einem neuen Territorium und einem Paarungspartner.

Der gesichtete Jungwolf ist laut Experten und Expertinnen wohl ein Einzelgänger auf der Suche nach einem neuen Territorium und einem Paarungspartner.

Google Maps
Ob das Tier für die gerissenen Lauwiler Geissen von vergangener Woche verantwortlich ist, ist noch nicht bekannt.

Ob das Tier für die gerissenen Lauwiler Geissen von vergangener Woche verantwortlich ist, ist noch nicht bekannt.

Amt für Wald beider Basel

Darum gehts

  • Am Montag wurde im Kanton Baselland per Zufall ein Wolf von einer Privatperson beobachtet.

  • Experten und Expertinnen gehen davon aus, dass der Wolf alleine auf der Suche nach einem neuen Territorium ist.

  • Der Bauernverband findet die Wolfsichtung sei ein «zweischneidiges Schwert».

Am Montag wurde in Zeglingen BL an zwei verschiedenen Orten ein Wolf beobachtet und fotografiert. Laut Gabriel Sutter, Fachspezialist Jagd Kanton Basel-Landschaft, wurde der Wolf von einer Privatperson per Zufall gesehen. «Das Amt für Wald geht zusammen mit der Stiftung Kora (Koordinierte Forschungsprojekte zur Erhaltung und zum Management der Raubtiere in der Schweiz) davon aus, dass es sich bei dem Raubtier um einen Jungwolf handelt. Er ist wahrscheinlich alleine unterwegs und legt grössere Strecken zurück», sagte Sutter zu 20 Minuten. Es könne gut sein, dass der Wolf das Gebiet bereits wieder verlassen hat.

Gemäss Ralph Manz, Wolfsmonitoring der Stiftung Kora, handle es sich beim in Zeglingen gesichteten
Wolf wahrscheinlich um einen abwandernden Jungwolf. «Der Wolf ist auf der Suche nach einem Paarungspartner und einem neuen Territorium», sagte Manz gegenüber 20 Minuten. Jungwölfe würden ein bis zwei Jahre nach ihrer Geburt ihr Rudel verlassen und dann abwandern. Es sei nicht bekannt, wohin das Tier unterwegs sei, die Wölfe könnten bis zu 1000 Kilometer weit wandern.

«Jungwölfe können sich manchmal neugieriger und naiver verhalten und bisweilen eine geringere Fluchtdistanz zu Menschen aufweisen, als ausgewachsene Wölfe. Wobei es auch hier individuelle Unterschiede gebe», so Manz. «Wölfe sind aber meist in der Dämmerung und der Nacht unterwegs», sagte Manz. Dass sich die Tiere tagsüber zeigen würden, sei eher selten und ein Ausnahmefall.

Gerissene Geissen werden untersucht

Letzte Woche wurden in Lauwil sieben Geissen gerissen. Die Tiere wurden ins Labor gebracht und werden nun untersucht. Zur Methode der DNA-Analyse sagt Gabriel Sutter, dass diese ähnlich funktioniere wie die Forensik. «Im Labor wird jetzt eine Artbestimmung gemacht, um herauszufinden, was hinter den gerissenen Geissen steckt. Da wird überprüft, ob es sich um einen Wolf, Hund oder Luchs handeln könnte», so Sutter.

Die Ergebnisse würden voraussichtlich in zwei Wochen erwartet. Gemäss Sutter sei ein Abschuss des Tiers «überhaupt kein Thema». «Es müssen vorher diverse Herdenschutzmassnahmen getroffen und mehrere Risse vom gleichen Tier innerhalb eines Zeitfensters nachgewiesen werden, bevor ein Abschuss überhaupt zur Debatte stehen würde», sagte Sutter.

«Jetzt Ruhe bewahren»

Der Präsident des Bauernverbands beider Basel, Marc Brodbeck, findet die Wolfsichtung sei ein «zweischneidiges Schwert». «Der Bauernverband hat nicht gerade Freude an dieser Angelegenheit», sagte Brodbeck zu 20 Minuten. Man müsse die Situation jetzt beobachten. «Jetzt, in dieser Jahreszeit, werden viele Tiere in die Ställe und näher zum Haus gebracht, da sind sie besser geschützt», so Brodbeck. Der Präsident des Bauernverbands glaubt nicht, dass die Bäuerinnen und Bauern nervös sind.

«Das Wichtigste ist jetzt, Ruhe zu bewahren», sagte Brodbeck. Nächsten Frühling könne allenfalls der Herdenschutz zum Thema werden, wenn dann der Wolf noch da sei, obwohl dies einen finanziellen und personellen Mehraufwand bedeuten würde. Man werde ein Auge darauf halten. «Die Bauern sind in der Thematik geschult und wissen, wie sie sich verhalten müssen», so Brodbeck.

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