Muttenz BL: Sieben Huskys in Dachwohnung gehalten
Aktualisiert

Muttenz BLSieben Huskys in Dachwohnung gehalten

In Muttenz hielt ein Ehepaar sieben Schlittenhunde in einer kleinen Wohnung. Das Baselbieter Veterinäramt sieht darin kein Problem - ganz im Gegensatz zum Tierschutzbund.

von
pjz
Nachbarn störten sich über das Bellen der reinrassigen Samojeden-Schlittenhunde.

Nachbarn störten sich über das Bellen der reinrassigen Samojeden-Schlittenhunde.

Nadja Wüthrich, die Präsidentin des Tierschutzbunds Basel, wurde am 8. Juni von Bewohnern eines Mehrfamillienhauses in Muttenz alarmiert. Der Grund war das unaufhörliche Bellen von mehreren Hunden in der Dachwohnung. Die Tierschützerin begab sich gemeinsam mit der Polizei zum Ort. Als man den Abwart holte, um die Tür zur Wohnung zu öffnen, erschienen die Mieter der Dachwohnung - ein junges Ehepaar. «Mit augenscheinlichem Unbehagen liessen sie uns in die Wohnung ein», sagte Wüthrich gegenüber der «Basler Zeitung».

An jenem Tag - es war Pfingstsonntag - sei es über 30 Grad heiss gewesen und ein übler Geruch hing in der Luft, so die Tierschützerin. Als das Ehepaar die Türe öffnete, habe es Wüthrich «fast gekehrt»: Im Inneren befanden sich sieben Hunde, die Laminatböden und Teppiche seien mit Fäkalien übersät und die weissen Hunde verschmutzt gewesen. «Mit Ausnahme des Schlafzimmers war die Wohnung unmöbliert, zudem hatten die Hunde keine Betten, geschweige denn Rückzugsmöglichkeiten», so die Tierschützerin weiter.

Vorwurf der illegalen Tierzucht

Wüthrich hatte sofort den Verdacht, dass in der Wohnung unter unhaltbaren Bedingungen illegal Hunde gezüchtet wurden. Die Halter der reinrassigen Samojeden stritten dies jedoch ab: Der Wurf sei ein «Unfall» gewesen. Die Tierschützerin glaubte dies nicht. Nach eigenen Recherchen hatte sie auf einer Internetplattform die jungen Hunde mit weissem Fell zum Verkauf ausgeschrieben entdeckt.

Vier Jungtiere wurden von der Polizei dem Tierschutzbund übergeben, welche diese vorübergehend in ein Tierheim brachte. Gleichzeitig wurde das Veterinäramt verständigt. «Der aufgebrachte Hundehalter drohte mir mit dem Anwalt und trat mir gegenüber sehr aggressiv auf», berichtet Wüthrich. Der Mann habe auch die Anwohner im Haus eingeschüchtert und dem Hauswart gedroht, da er diesen im Verdacht hatte, den Tierschutzbund verständigt zu haben. Die Vermieterin hat dem Paar inzwischen gekündigt. In drei Monaten muss es aus der Dachwohnung ausgezogen sein.

Veterinäramt ist anderer Meinung

Wüthrich hat laut ihren Aussagen schon mehrere solche Situationen erlebt - doch sei sie wegen des Muttenzer Vorfalls noch immer ausser sich: Die Kantonsveterinärin befand nun, dass die Unterbringung der Tiere tierschutzkonform sei. Die Tiere wurden drei Tage nach Pfingsten wieder den Besitzern übergeben.

Die Volkswirtschafts- und Gesundheitsdirektion begründet die Rückgabe wie folgt: «Den Sachverhalt betreffend der Tierhaltung können wir nicht bestätigen. Es gab keine Vernachlässigung, keinen illegalen Hundehandel und keine aggressiven Hunde.»

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