Schiesserei in den USA: Sieben Tote bei Amoklauf in Sikh-Tempel
Aktualisiert

Schiesserei in den USASieben Tote bei Amoklauf in Sikh-Tempel

Bei einem Angriff auf einen Sikh-Tempel im US-Bundesstaat Wisconsin sind mindestens sieben Menschen getötet worden. Der Täter wurde erschossen. Das FBI spricht von Inlandterrorismus.

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bee/kub

Bei einer Schiesserei in einem Sikh-Tempel im US-Staat Wisconsin sind sieben Menschen ums Leben gekommen. Darunter sei der mutmassliche Schütze, teilte die Polizei mit. Mindestens drei Menschen wurden schwer verletzt ins Spital gebracht.

Polizeichef Bradley Wentlandt sagte, es sei vermutlich einem einzelnen Polizisten zu verdanken, dass es nicht mehr Opfer gab. Er habe den Schützen konfrontiert und sei dabei durch mehrere Kugeln schwer verletzt worden. Es sei ihm aber gelungen, den Täter selbst «niederzustrecken».

Laut Wentlandt handelte es sich wahrscheinlich um einen Einzeltäter. Zunächst war befürchtet worden, Komplizen hätten sich mit Geiseln in dem Tempel in Oak Creek verschanzt. Die Lage sei aber noch «in Bewegung», sagte er. Das Motiv des Täters war zunächst unklar.

Schüsse vor dem Mittagessen

Der Schütze hatte den Polizeiangaben zufolge das Feuer am Sonntagvormittag gegen 10.25 Uhr (Ortszeit) in dem Tempel eröffnet. Der 21-jährige Sunny Singh aus Milwaukee berichtete, ein Freund von ihm sei auf den Parkplatz des Tempels gefahren, habe Schüsse gehört und zwei Menschen hinfallen sehen. Der Angreifer habe dann nach Beobachtung des Freundes seine Waffe neu geladen und sei in den Tempel gegangen. Wentland sagte, vor dem Tempel seien zwei, darin vier von dem Angreifer getötete Menschen gefunden worden.

Lokalsendern zufolge hielten sich zum Zeitpunkt der Bluttat möglicherweise bis zu 100 Menschen in dem Gebäude auf. Oak Creek hat eine wachsende Sikh-Gemeinde mit etwa 400 Mitgliedern. In weiteren Berichten hiess es, die Schüsse seien während Vorbereitungen auf ein Mittagessen der Gläubigen gefallen.

Häuser evakuiert

Nach dem Angriff führt nach Polizeiangaben das FBI die Ermittlungen. Der Grund sei, dass die Schiesserei als Inlandsterrorismus behandelt würde, sagte der Polizeichef von Oak Creeks, John Edwards.

Die Polizei hat in einem Vorort von Milwaukee einige Häuser evakuiert. Dabei wurden vier Blocks in dem Ort Cudahy abgesperrt, der nur wenige Kilometer von dem Tempel entfernt liegt, wo zuvor ein unbekannter Schütze sechs Menschen getötet hatte.

Bei der Evakuierung war nach Angaben einer Polizeisprecherin auch ein Bombenentschärfungskommando vor Ort. Warum dieses gerufen wurde, führte die Sprecherin allerdings nicht aus.

Zwei Wochen nach Massaker von Aurora

Der Sikhismus ist eine im 15. Jahrhundert in Indien entstandene monotheistische Religion. Sie hat weltweit 27 Millionen Anhänger. Gläubige Sikhs lassen sich nicht ihr Haar schneiden und tragen Bärte. Nach Angaben der in Washington ansässigen Sikh-Coalition wurden in den USA seit den Anschlägen vom 11. September 2001 mehr als 700 Gewalttaten gegen Sikhs in den USA verzeichnet. Einige Menschenrechtsaktivisten verweisen darauf, dass Sikhs wegen ihrer Bärte und Turbane oft mit Muslimen verwechselt werden.

Die jetzige Schiesserei passierte nur etwa zwei Wochen nach dem Massaker in einem Kino in Colorado. Dort hatte ein Amokläufer bei einer «Batman»-Premiere 12 Menschen erschossen und knapp 60 verletzt.

Darauf entbrannte erneut eine Debatte über die freizügigen Waffengesetze in den USA. Der Angeklagte James Holmes muss sich wegen Massenmordes vor Gericht verantworten. Ihm droht die Todesstrafe.

(bee/kub/sda/dapd)

Verbindung zwischen Hinduismus und Islam

Sikhs sind Anhänger einer im 15. Jahrhundert in Nordindien entstandenen religiösen Reformbewegung. «Sikh» bedeutet übersetzt «Schüler». Die Religion wurde von dem Wanderprediger Guru Nanak (1469-1538) begründet. Er versuchte, mit der neuen Religion eine Verbindung zwischen Hinduismus und Islam zu schaffen.

Heute gibt es weltweit rund 25 Millionen Sikhs. Die meisten davon leben in Indien. Auch in Grossbritannien und Nordamerika gibt es viele Anhänger.

Sikhs tragen als Ausdruck von Gleichberechtigung gemeinsame Nachnamen. Sikh-Frauen tragen den Nachnamen Kaur (Prinzessin) und Männer Singh (Löwe). Sie respektieren den Willen (hukam) der Schöpfung, der sich in den Naturgesetzen manifestiert.

Beim Sikhismus gilt der Grundsatz der Toleranz gegenüber anderen Religionen sowie die Gleichberechtigung aller Menschen und Geschlechter. Gläubige Sikhs leben nach strengen Vorschriften: Nikotin und Alkohol sind verboten, ebenso Ehebruch und sexuelle Beziehungen vor der Ehe.

Zu den Kennzeichen eines Gläubigen gehören unter anderem das ungeschnittene Haar mit Turban (für Spiritualität), ein kleines Schwert (für Mut und Selbstaufopferung) und ein stählernes Armband (für die Einheit mit Gott).

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