Aktualisiert 03.08.2006 17:24

Sieben Tote bei Raketenangriffen auf Nordisrael

Die militärische Auseinandersetzung zwischen Israel und der Hisbollah-Miliz hat heute auf beiden Seiten wieder Opfer unter der Zivilbevölkerung gekostet.

Bei massiven Raketenangriffen der Hisbollah auf den Norden Israels wurden nach Behördenangaben sieben Menschen getötet. Bei der Bombardierung des libanesischen Dorfes Taibeh durch die israelischen Streitkräfte kam in der Nacht eine dreiköpfige Familie ums Leben. Mit einer neuen Bodenoffensive wollten die Israelis unterdessen ihre angekündigte Pufferzone im südlichen Libanon schaffen.

Die Hisbollah feuerte nach Angaben der Polizei am Donnerstagnachmittag binnen weniger Minuten mindestens 100 Raketen auf den Norden Israels ab. Dabei wurden in der Küstenstadt Acre und in der Ortschaft Maalot jeweils drei Menschen getötet. Ein siebtes Todesopfer gab es an einem anderen Ort. Es war die höchste Zahl von Toten unter der israelischen Zivilbevölkerung seit dem 16. Juli, als bei einem Angriff auf Haifa acht Menschen ums Leben kamen. Der Bürgermeister von Maalot, Schlomo Buhbut, sprach von einem «schwarzen Tag» für die Stadt.

Israelische Truppen gingen im Bereich von elf Grenzorten in Stellung. Dabei stiessen sie weiter auf erbitterten Widerstand der schiitischen Hisbollah-Miliz, drei israelische Soldaten wurden nach Angaben der Streitkräfte getötet. Auch vier Kämpfer der Hisbollah seien ums Leben gekommen. Luftangriffe gab es auch wieder auf die Hauptstadt Beirut sowie auf Gebiete an der libanesisch-syrischen Grenze.

Israel hat inzwischen rund 10.000 Soldaten an der Grenze zum Libanon stationiert, die aber nur sehr langsam vorankommen. Nach Militärangaben ist ein methodisches Vordringen beabsichtigt, um sämtliche Widerstandsnester der Hisbollah auszuschalten. Ziel sei eine Pufferzone bis zum Litani-Fluss, 30 Kilometer nördlich der Grenze. Vorerst aber solle die Hisbollah aus einem sieben Kilometer breiten Abschnitt vertrieben werden. Verteidigungsminister Amir Perez wies am Abend die Streitkräfte an, sich auf die nächste Stufe der Offensive vorzubereiten, wie aus Militärkreisen verlautete.

Die israelischen Streitkräfte gestanden unterdessen Fehler bei der Bombardierung des Grenzdorfes Kana ein. Man habe nicht gewusst, dass sich Zivilpersonen in dem angegriffenen Gebäude befunden hätten, heisst es in einem Untersuchungsbericht. Zugleich wird der Hisbollah darin vorgeworfen, Zivilpersonen als Schutzschilde zu benutzen.

In Kana wurden am Sonntag nach libanesischen Angaben 56 Menschen getötet, überwiegend Kinder. Die in New York ansässige Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch erklärte am Mittwoch allerdings, bislang seien nur 28 Leichen geborgen worden, weitere 13 Menschen würden noch vermisst. Insgesamt haben die Kämpfe laut dem libanesischen Ministerpräsidenten Faud Saniora schon mehr als 900 Libanesen das Leben gekostet, 3.000 weitere seien verletzt worden. Israel meldete bis Donnerstag 67 Tote.

Zur Beilegung des Konflikts planen die USA und Frankreich nach UN-Angaben gleich zwei Sicherheitsratsresolutionen. Die erste fordert ein Ende der Kämpfe und schafft die grundsätzlichen politischen Voraussetzungen für einen Waffenstillstand, wie am Mittwochabend in New York verlautete. Die zweite Entschliessung befasst sich demnach mit der Stationierung einer internationalen Friedenstruppe, der Sicherung der Grenze und anderen langfristigen Aspekten.

Rund 50 israelische Panzer drangen in der Nacht zum Donnerstag erneut in den südlichen Gazastreifen ein. Bei Kämpfen nahe der Stadt Rafah kamen nach palästinensischen Angaben mindestens acht Palästinenser ums Leben, darunter vier Extremisten sowie ein achtjähriger Junge. (dapd)

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