Sieg für Maria Riesch - Casanova Zehnte
Aktualisiert

Sieg für Maria Riesch - Casanova Zehnte

Die Deutsche Maria Riesch hat die Abafhrt der Frauen in Lake Louise vor Lindsay Kildow (Usa) und Nadia Fanchini (Ita) gewonnen. Beste Schweizerin wurde Carmen Casanova auf Platz 10.

Maria Riesch nutzte die Gunst der Stunde. Die 22-Jährige, die sich in den beiden Vorwintern je einmal das Kreuzband gerissen hatte, fand mit Nummer 10 noch deutliche bessere Bedingungen vor als die meistern ihrer Gegnerinnen. Denn unmittelbar nach ihr stürzte die Schwedin Jessica Lindell-Vikarby, was einen rund 20-minütigen Unterbruch zur Folge hatte. Nachdem die Schwedin per Helikopter geborgen war, kamen die Favoritinnen und mit ihnen die meisten der Schweizerinnen nicht mehr in den Bereich von Rieschs Bestzeit. Die Sicht wurde schlechter, und zudem dürfte auch noch der nachlassende Rückenwind eine Rolle gespielt haben. 8 der ersten 12 fuhren mit einer Nummer von 1 bis 10.

Am nächsten kam Riesch die Amerikanerin Lindsey Kildow, die Nummer der Weltrangliste und letzten Winter Siegerin der zweiten Abfahrt von Lake Louise. Kildow büsste letztlich als Zweite 43 Hundertstel auf Riesch ein und war somit so etwas wie die moralische Gewinnerin. Die Österreicherin Renate Götschl, die Schnellste des Abschlusstrainings, verlor als 16. 1,83 Sekunden, die Schwedin Anja Pärson gar rund zweieinhalb Sekunden.

Casanova egalisiert ihr bestes Ergebnis

Carmen Casanova, die am 17. Dezember 26 Jahre alt wird, nutze die gebotene Chance und egalisierte als Zehnte ihr bisher bestes Weltcup-Ergebnis. Zehnte war sie letzten Winter in St. Moritz ebenfalls geworden. «Natürlich nehme ich dieses Resultat sehr gerne, auch wenn mir klar ist, dass es unter unfairen Bedingungen zustande gekommen ist», meinte die mit Nummer 6 gestartete Bündnerin im Ziel. Ähnliches galt für Monika Dumermuth (Nummer 3), die wie Casanova vor dem Unterbruch hatte starten können. Als Elfte erreichte Dumermuth das zweitbeste Weltcup-Ergebnis ihrer Karriere. Letzte Saison war sie in St. Moritz Sechste geworden.

Beste der nach dem Unterbruch gestarteten Schweizerinnen war Sylviane Berthod, die als 14. 1,72 Sekunden auf die Bestzeit einbüsste. Eine noch grössere Enttäuschung gab es für Nadia Styger, die im Abschlusstraining Dritte geworden war und für die im Rennen Rang 23 resultierte. «Ein Rennen zum Abhaken», meinte die Innerschweizerin nur. «Wenn eine Renate Götschl so viel Zeit verliert, dann kann etwas nicht gestimmt haben.»

Maria Riesch ist wieder da

Maria Riesch war sich bewusst, dass bei ihrem vierten Weltcupsieg auch eine gehörige Portion Glück mitgespielt hatte. Aber ihr mochte man diesen Erfolg besonders gönnen. Denn wer so viel Pech erleiden musste, dem darf auch wieder einmal das Glück zur Seite stehen. Die heute 22-Jährige hatte in der Saison 2003/04 drei Siege eingefahren (je einen in Abfahrt, Super-G und Slalom), ehe sie im Januar 2005 im Super-G von Cortina einen ersten Kreuzbandriss erlitt. Im Dezember des gleichen Jahres folgte ein weiteres schweres Malheur. Dieses Mal war das andere, das linke Knie betroffen. Beim Riesenslalom von Aspen riss sie sich das vordere Kreuzband, womit die Saison gelaufen war.

Auf die laufende Saison konzentrierte sich die Deutsche vor allem auf die technischen Disziplinen. «Abfahrt habe ich eigentlich nur wenig trainiert. Trotzdem war ich enttäuscht, dass es mir im Training hier in Lake Louise nicht besser lief. Aber von Lauf zu Lauf erging es mir besser», erklärte die glückliche Deutsche nach ihrem Sieg. «Sicher habe ich von meiner tiefen Startnummer profitiert. Aber was solls, nach meiner Pechsträhne habe ich das wohl auch verdient.» (si)

Weltcup-Abfahrt Frauen, Schlussklassement: 1. Maria Riesch (De) 1:51,31. 2. Lindsey Kildow (USA) 0,43 zurück. 3. Nadia Fanchini (It) 0,75. 4. Stacey Cook (USA) 0,86. 5. Andrea Fischbacher (Ö) 1,04. 6. Kelly Vanderbeek (Ka) 1,05. 7. Daniela Merighetti (It) 1,09. 8. Nicole Hosp (Ö) 1,10. 9. Ingrid Jacquemod (Fr) 1,20. 10. Carmen Casanova (Sz) 1,30. 11. Monika Dumermuth (Sz) 1,50. 12. Ingrid Rumpfhuber (Ö) 1,65. 13. Chemmy Alcott (Gb) 1,67. 14. Sylviane Berthod (Sz) 1,72. 15. Kirsten Clark (USA) 1,76.

16. Renate Götschl (Ö) 1,83. 17. Fränzi Aufdenblatten (Sz) 1,92. 18. Marlies Schild (Ö) 2,12. 19. Alexandra Meissnitzer (Ö) 2,25. 20. Britt Janyk (Ka) 2,30. 21. Kathrin Wilhelm (Ö) und Sherry Lawrence (Ka) 2,41. 23. Nadia Styger (Sz) 2,42. 24. Catherine Borghi (Sz) 2,50. 25. Lucia Recchia (It) und Anja Pärson (Sd) 2,51. 27. Emily Brydon (Ka) 2,53. 28. Elena Fanchini (It) 2,57. 29. Lucia Mazzotti (It) 2,59. 30. Marchand-Arvier Marie (Fr) 2,62.

Ferner: 32. Martina Schild (Sz) 2,84. 37. Dominique Gisin (Sz) 2,96. 39. Julia Mancuso (USA) 3,41. 46. Ella Alpiger (Sz) 3,96. 50. Brigitte Obermoser (Ö) 4,30. - 60 Fahrerinnen gestartet, 58 klassiert; ausgeschieden Nike Bent und Jessica Lindell-Vikarby (beide Sd).

Technische Daten: Piste Olympic Downhill, 2995 m, 800 m HD, Kurssetzer Jan Tischhauser (FIS), 40 Tore.

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