Aktualisiert 11.07.2007 13:45

«Sieg Miau»

Die Kitlers erobern das Internet. Seit einem Jahr betreibt der Londoner IT-Manager Paul Neve eine Website für Katzen, die aussehen wie Adolf Hitler. Der Vater aller Kitlers im Gespräch mit 20minuten.ch über Stalincats, Israeli-Kitlers und Tom Selleck.

Seit dem 26. Juni 2006 gibt es sie, die Website Catsthatlooklikehitler.com. Der 33-jährige Paul Neve, Webmaster und Mitgründer der Plattform, verkauft mittlerweile eine ganze Kitler-Kollektion von Kleidern und hat schon mal 30 000 Besucher täglich auf seiner Website. 1333 Bilder von Katzen mit einem schwarzen Schnäuzchen haben ihm seine User aus aller Welt bereits geschickt.

20minuten.ch: Herr Neve, warum gibt es eigentlich nur Kitlers und keine Stalincats?

Ich hatte eigentlich nicht vor, eine catsthatlooklikestalin.com aufzusetzen, obwohl…

..es wäre ja nur fair. Die Historiker stritten schliesslich ausgiebig darüber, ob Hitler oder Stalin grösseren Schaden angerichtet hat.

Sie haben natürlich Recht. Einige unserer Katzen mit eher schimmernden Schnäuzen würden eigentlich eher als Stalincats denn als Kitlers durchgehen. Aber Sie sehen das Dilemma: Viele von denen sehen eben auch Tom Selleck ähnlich. Der hat dem kollektiven Gedächtnis der Menschheit in den Augen vieler Leute einen grösseren Schaden zugefügt als Hitler und Stalin zusammen. Darum lass ich es wohl lieber.

Was sind Sie eigentlich so für ein Mensch, Herr Neves? Ein bisschen durchgeknallt?

Nein. Ich habe zwei Arme und zwei Beine, wie alle anderen auch. Ich habe einen etwas schrägen Humor, aber es ist nicht schlimmer als beim Rest meiner Landsleute. Im Ernst: Ich glaube, dass diejenigen, die die Geschichte negieren, dazu verdammt sind, sie zu wiederholen. Aber diejenigen, die sich von der Geschichte die Gegenwart vermiesen lassen, auch schlimmen Ereignissen im Nachhinein nicht mit Humor begegnen können, sie ganz sicher wiederholen werden.

À propos Geschichte: Gebärfreudige Mütter erhielten im Dritten Reich einen Verdienstorden. Sind Ihnen Kitler-Mütter bekannt, die für ein solches Mutterverdienstkreuz in Frage kämen?

Was für eine Frage ist denn das? Muss ich die beantworten? Mit den Müttern der Kitlers hab ich doch nichts zu tun.

Leben Ihre Kitlers eigentlich die Tradition ihres menschlichen Originales? Haben sie ihre Wurzeln in Österreich und Deutschland?

Gar nicht. Der grösste Teil der Kitlers lebt in den USA. Auch in England gibt es viele. Und erstaunlicherweise beobachte ich jüngst einen Zustrom von israelischen Kitlers. Die haben kürzlich aus der dortigen Presse von der Kitler-Community vernommen.

Bestimmt kriegen Sie auch viele Fake-Kitlers zugeschickt. Wer garantiert Ihren Usern, dass alle Kitlers echt sind?

Ich bin die letzte und einzige Instanz, die entscheidet, ob ein Kitler echt oder falsch ist. Ich studiere jeden zukünftigen Kitler ganz genau und ich irre mich selten. Selten poste ich auch fälschungsverdächtige Kitlers. Aber mit einem Hinweis auf die mögliche Manipulation und wenn sie wirklich zum totlachen sind.

Wieso machen Sie das eigentlich?

Als ich das erste Mal einen Kitler gesehen habe, war ich eine ganze Weile ausser Gefecht vor Lachen. Dann hab ich Koos angerufen, den Holländer, der diesen Katzenblog betrieben hat, und tat mich mit ihm zusammen. Koos ist seither weg. Abgetaucht oder so, ich weiss es nicht.

Täglich besuchen bis zu 30 000 Besucher die Kitlers. Sie könnten eine Menge Geld verdienen. Warum tun Sie's nicht?

Der Verkauf der Kitler-T-Shirts bringt mir ein wenig Extra-Biergeld ein, darüber beschwer ich mich nicht. Aber die Motivation, die Site zu betreiben, ist nicht das Geld. Es ist doch einfach sehr unterhaltsam. Ausserdem befriedigt mich, dass ich obdachlose Kitlers, die sonst vielleicht getötet worden wären, netten Familien vermitteln kann.

Was macht eigentlich den guten Kitler aus? Reicht der Schnauz oder braucht er auch den bösen Blick?

Ein wahrer Kitler muss lustig sein. Dies kann er auf unterschiedliche Weise bewerkstelligen. Der perfekte Schnauz macht ihn zum Kitler. Aber auch ein verrutschter Schnauz kann mit dem richtigen Gesichtsausdruck Kitler-Potential haben. Der Schnauz muss aber schwarz sein. Wir kriegen auch Bilder von Katzen mit schwarzem Fell und weissem Schnauz. Diese sind auch als Reltiks bekannt.

Unser Lieblingskitler ist Nazi-Norman. Der ist unschlagbar, richtig?

Total falsch. Ohne den Hauch eines Zweifels ist Kitler Kelly der beste, übrigens auch einer aus Israel. Dem sieht man an, dass er überhaupt nicht einsieht, weshalb es Spass machen sollte, über ein Dach zu spazieren. Der sieht wahrscheinlich nicht ein, warum etwas überhaupt Spass machen sollte.

Maurice Thiriet, 20minuten.ch

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