Elfenbeinküste: Siegreiche Kämpfer beschiessen sich
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ElfenbeinküsteSiegreiche Kämpfer beschiessen sich

Nach dem Sturz des ehemaligen Präsidenten Gbagbo durch Truppen Ouattaras richten die siegreichen Kämpfer ihre Waffen nun gegeneinander. In Abidjan und San Bedro kam es zu Schiessereien.

Im Vorort Abobo in der Nähe der Wirtschaftsmetropole Abidjan war am Mittwoch rund um das Hauptquartier des Kriegsherren Ibrahim «IB» Coulibaly schweres Maschinengewehrfeuer zu hören.

Die neuen Streitkräfte unter dem Befehl von Ministerpräsident und Verteidigungsminister Guillaume Soro hätten das Hauptquartier des einstigen Verbündeten angegriffen, hiess es aus Militärkreisen. In dem über eine Stunde dauernden Gefecht habe man die Regierungstruppen zurückgeschlagen, sagte Oberst Meyo Aka aus den Reihen von Coulibalys Einheiten der Nachrichtenagentur AP.

Kämpfe in Abidjan

UN-Sprecher Hamadoun Toure bestätigte Kämpfe in zwei Vororten von Abidjan. Dabei seien auch Mörsergranaten und Raketen abgefeuert worden. Die Vereinten Nationen seien mit beiden Seiten im Gespräch, um weitere Gefechte zu verhindern. «Wir versuchen herauszufinden, wie wir helfen können», sagte Toure. «Um die Spannungen zu entschärfen, sprechen wir mit beiden Parteien. Wir müssen den Konflikt sehr schnell lösen, denn er gefährdet die Fortschritte der vergangenen vier Monate beim Schutz der Bevölkerung.»

Toure betonte, dass die UN ein Mandat hätten, um schwere Waffen zu zerstören, sollten sie gegen die Bevölkerung eingesetzt werden. «Wir versuchen es auf dem diplomatischen Weg, aber wir verfügen auch über andere Mittel. Wir haben beiden Parteien mitgeteilt, dass wir den Einsatz schwerer Waffen gegen Zivilperson nicht hinnehmen werden», sagte Toure.

Abtrünniger Kriegsherr versprach Ouattara seine Gefolgschaft

Am vergangenen Sonntag hatte Coulibaly in einem Interview der AP erklärt, Ouattara sei wie ein Vater für ihn und dem Präsidenten seine Gefolgschaft zugesichert. Von 1990 bis 1993 war Coulibaly Chef der Leibwächter von Ouattaras Ehefrau Dominique.

Auch aus der Hafenstadt San Pedro im Südwesten des Landes wurden am Mittwoch Kämpfe gemeldet. Die Schiesserei brach offenbar aus, nachdem eine Gruppe Soldaten eine andere Einheit an Plünderungen hindern wollte. Als in der Innenstadt Mörsergranaten und Raketen abgefeuert wurden, hätten UN-Blauhelmsoldaten eingegriffen und die Kämpfe unterbunden, hiess es aus Kreisen der Vereinten Nationen.

AU hebt Sanktionen auf

Am Donnerstag hob die Afrikanische Union (AU) die Sanktionen gegen die Elfenbeinküste auf. Sie waren verhängt worden, um den abgewählten Präsidenten Gbagbo zum Rücktritt zu zwingen. Die AU forderte Ouattara auf, den Friedensprozess so schnell wie möglich zu beginnen und das Volk nach den monatelangen Auseinandersetzungen wieder zu vereinen.

Unterdessen wurden mehrere Fälle von Kinderlähmung in der Elfenbeinküste bekannt. Im Januar und Februar seinen drei Menschen am Poliovirus Typ 3 erkrankt und zeigten bereits erste Lähmungserscheinungen, teilte die Weltgesundheitsorganisation am Donnerstag mit. Wegen der Unruhen habe das Impfprogramm Ende März eingestellt werden müssen. (dapd)

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