Car of the week: Siehe Anhang
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Man stelle sich das vor – ein Aston Martin mit Anhänger! Vielleicht gar das Boot am Autohaken! James Bond mit'nem Wohnwagen? Ehrlich jetzt? Spinnen die Engländer?

von
Michael Köckritz
Das Design des Aston Martin SUVs lehnt sich an die lange Sportwagen-Tradition des englischen Herstellers an. Der Kühlergrill des DBX ist deutlich Retro, das hohe, solide Heck erinnert an Coupes der 50er und 60er Jahre. Die Silhouette wirkt gedrungen und weist darauf hin, dass der DBX zwischen dem Cayenne und dem Bentayga angesiedelt sein wird.

Das Design des Aston Martin SUVs lehnt sich an die lange Sportwagen-Tradition des englischen Herstellers an. Der Kühlergrill des DBX ist deutlich Retro, das hohe, solide Heck erinnert an Coupes der 50er und 60er Jahre. Die Silhouette wirkt gedrungen und weist darauf hin, dass der DBX zwischen dem Cayenne und dem Bentayga angesiedelt sein wird.

Aston Martin
Ob das Designelement des enormen Glasdachs die Testprogramme in Wüsten, auf walisischen Rallye-Strecken und arktischen Tundren überstehen wird, bleibt offen. Das Dach mag im Produktionsmodell nicht mehr so riesig sein, aber sonst liegt das Design schon sehr nahe an der Produktreife.

Ob das Designelement des enormen Glasdachs die Testprogramme in Wüsten, auf walisischen Rallye-Strecken und arktischen Tundren überstehen wird, bleibt offen. Das Dach mag im Produktionsmodell nicht mehr so riesig sein, aber sonst liegt das Design schon sehr nahe an der Produktreife.

Aston Martin
Aston Martins Chefingenieur testet den DBX Prototyp selbst auf der Strecke der Wales Rallye, eine Reminiszenz an die Produktionsstätte des neuen Geländegängers in St. Alban in Wales. Hier wird Aston Martin künftig alle E-Fahrzeuge herstellen, ein Hinweis, dass auch der DBX bald elektrifiziert wird.

Aston Martins Chefingenieur testet den DBX Prototyp selbst auf der Strecke der Wales Rallye, eine Reminiszenz an die Produktionsstätte des neuen Geländegängers in St. Alban in Wales. Hier wird Aston Martin künftig alle E-Fahrzeuge herstellen, ein Hinweis, dass auch der DBX bald elektrifiziert wird.

Aston Martin

Die vermeintliche Blasphemie könnte zum Verkaufsargument werden. Es ist zwar noch ein ganzes, langes Weilchen hin, bis Aston Martin seinen SUV offiziell auf den Markt bringt – man spekuliert auf Ende des nächsten Jahres, Anfang 2020 – aber immerhin steht jetzt fest, dass er kommen wird. Aston Martin ging sogar so weit, den Namen des sportlichen Lastenesels durchsickern zu lassen, inklusive coolem Video.

DBX wird er heissen, und warum sollte die englische Traditionsmarke auch nicht auf den fahrenden Zug springen? Alle anderen Sportwagenmarken haben ein SUV im Verkaufsraum stehen, die Dinger gehen weg wie die sprichwörtlichen warmen Semmeln, und die Gewinnmarge bei den vornehmen Utility Vehikeln ist, na sagen wir mal mehr als zufriedenstellend.

Bei Aston sieht man das nur geringfügig anders. Wo andere Supersportwagenhersteller sich auf Anraten der Konzernspitzen in Wolfsburg, München oder London an die Firmen-internen Plattformen verlassen und die resultierenden SUVs dann ans Image anpassen, baut Aston-Martin seinen DBX auf einer neuen, extra für den Geländegänger konstruierten Basisgruppe auf, die in späteren Inkarnationen die Grundlage für zukünftige Elektro-Astons bilden könnte. Diese wiederum basiert auf dem DB11, und dürfte in der DBX-Version aus Aluminium gebaut sein.

Der Lagonda Concept Car verschwand zum Glück in der Versenkung

Wirklich überraschend ist der DBX nicht wirklich. Vor drei Jahren schon zeigte Aston ein Concept Car in Genf, das in aller Sinnlichkeit und mit viel Fantasie als SUV durchgehen konnte. Die Studie hatte nur zwei Türen, der heutige Serien-DBX hat vier. Ein paar Jahre vor der Premiere des Concept im Jahr 2015, versank ein Lagonda-Concept Car in der Versenkung, und man ist heute noch dankbar dafür.

Nachdem jedoch Lamborghini, Rolls Royce, Maserati und alle anderen Supercar-Marken einen Markt geöffnet haben, bei dem die Viertelmillion den Einstiegspreis darstellt, geriet der Hoflieferant des Prinzen von Wales in Zugzwang. Aston verkauft von seinen Sportwagen rund homoeopathische 4000 Stück per Jahr. Um weiterhin eine wichtige Rolle auf dem Markt der Top-Marken zu spielen, müssen die Stückzahlen (und der Gewinn) wachsen. Bei Aston Martin erhofft man sich, mehr als 3000 ihres DBX zu verkaufen, eine stolze Zahl in der Edelklasse. Vor allem bei einem geschätzten Preis von deutlich über Zweihunderttausend.

Also geht man in England in die Offensive. In Goodwood plauderte AM-Chefingenieur Matt Becker mit mehreren US-Zeitschriften und zeigte stolz sein Photoalbum mit Bildern eines abenteuerlich bemalten Prototyps, mit dem er eigenhändig die Strecke der Wales Rallye in Rekordzeit bewältigte. Aston hatte auch gleich ein 30-Sekunden Video auf der hauseigenen Website parat, das uns zeigen soll, dass er's kann. Sowohl der Herr Becker als auch sein Auto.

Daraus lässt sich einiges schliessen. Die Produktion wird im neuen Werk von St. Athan im walisischen Vale of Glamorgan anlaufen, das das Management für alle zukünftigen E-Produktionen erbauen liess. Der Prototyp wird sich nicht sehr vom Produktionsmodell unterscheiden – von der Kriegsbemalung einmal abgesehen. Das ikonisch-aggressive Aussehen des Kühlergrill wird das deutlichste Designmerkmal der Marke. Das Heck ist extrem hoch gebaut, um die dynamische Keilform zu betonen, und die Aussenmasse dürften sich an denen der Mitbewerber Urus und Levante orientieren und zwischen dem Cayenne und dem Cullinan liegen.

Das Herzstück wird ein 12-Zylinder-V8 von AMG sein

«Wir werden uns an unsere Erfahrungen im Sportwagenbau anlehnen,» erzählte Matt Becker in Goodwood. Fahrwerk und Aufhängung seien jedoch high-tech neu: hochentwickelte Drei-Kammern Luftfederung mit einem aktiven Anti-Roll System, das das Fahrverhalten des hoch gebauten DBX unter Kontrolle halten soll. Zum Einsatz wird der von Aston kultivierte V8 von AMG kommen, der hauseigene Zwölfzylinder dürfte zu schwer für anständiges Fahrverhalten auf unanständigen Strassen sein. Beim Fahrwerksaufbau und der digitalen Fahrwerkstechnologie verwertet man die Resultate des gewohnt freundlichen Austauschs zwischen Gaydon und Stuttgart, speziell was den Offroad-Gebrauch betrifft. Zukünftige Modelle werden sicherlich elektrifiziert die Strassen von Wales, dem Simi Valley und Abu Dhabi befahren.

Treue Aston-Traditionalisten müssen nicht allzu traurig sein, dass ihr Automobil nun auch das Pferd in den Stall und das Boot ins Meer zu transportieren in der Lage ist. Aston Martin arbeitet an einen Mittelmotorsportwagen. Und Daniel Craig wird den DBX im nächsten James Bond-Film chauffieren. Q hat schon einen beiseite legen lassen.

ramp begeistert seit mehr als zehn Jahren als stilprägendes, opulentes Coffeetable-Magazin, indem es die Welt des Autos mit der Liebe zum Leben und der Lust auf Mode, Kultur und Design verbindet. So wurde es auch ganz nebenbei zum meist ausgezeichneten Automagazin der Welt. ramp-Herausgeber und Chefredakteur Michael Köckritz stellt wöchentlich seinen «Car of the Week» auf 20min.ch vor. Jeden Freitag.

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